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29/03/2017 16:04 CEST

"Die Geschichte ist nicht auf Ihrer Seite": Auschwitz-Überlebender kritisiert Trumps Einwanderungspolitik

Screenshot/CBS
Ein Überlebender von Auschwitz und Dachau hat bei einem Bürgerforum die Einwanderungspolitik der US-Regierung scharf angegriffen

  • Ein Überlebender von Auschwitz und Dachau hat bei einem Bürgerforum die Einwanderungspolitik von Donald Trump scharf angegriffen

  • Die Geschichte sei nicht auf Seiten der US-Regierung, sagte er

Als der 87-jährige Bernard Marks zu sprechen beginnt, wird es ganz still im Raum. Doch sobald er seine Rede beendet, tobt der Saal. Marks ist ein Überlebender der Konzentrationslager von Auschwitz und Dachau - und er hat schwere Vorwürfe gegen die Einwanderungspolitik von US-Präsident Donald Trump erhoben.

Bei einem Bürgerforum am Dienstag im kalifornischen Sacramento traf Marks unter anderem auf den geschäftsführenden Direktor der US-Einwanderungsbehörde ICE, Thomas Homan. Dessen Aufgabe ist es, die verschärften Abschiebe-Praktiken der Trump-Regierung durchzusetzen. Also vermehrt illegale Einwanderer auszuweisen.

"Alles nur, weil ich ein Jude war"

Marks ergriff das Wort, um diese rigorosen Praktiken zu kritisieren - mit scharfen Worten. "Als ich ein kleiner Junge in Polen war, verschleppten mich die Nazis. Aus nur einem Grund: Weil ich Jude bin“, sagte Marks zu Beginn.

"Aus keinem anderen Grund wurde ich aufgegriffen und von meiner Familie getrennt, die in Auschwitz ausgelöscht wurde. Und ich bin ein Überlebender von Auschwitz und von Dachau." Auf diese Aussage folgte Applaus.

"Ergreifen Sie Partei für die Menschen - nicht für Washington"

Dann kritisierte Marks den anwesenden Kreis-Sheriff von Sacramento, Scott Jones, und warnte ihn davor, die Vorgaben der Trump-Regierung zu illegalen Einwanderungen auszuführen. Die verschärften Richtlinien erlauben unter anderem auch, Einwanderer in Gerichtsgebäuden aufzugreifen. Außerdem wurden die Kriterien gelockert, nach denen Abschiebungen überhaupt möglich sind.

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"Ich habe fünfeinhalb Jahre in Konzentrationslagern verbracht. Aus nur einem einzigen Grund: Weil Menschen drangsaliert wurden. Wir haben Sie als Sheriff nicht gewählt, damit Sie den Sheriff von Washington geben. Es wird Zeit, dass Sie Partei für die Menschen ergreifen", sagte Marks an den Polizisten Jones gerichtet.

"Die Geschichte ist nicht auf ihrer Seite"

Er bezog sich daraufhin auf Berichte, dass die Einwanderungsbehörde ICE Menschen in Gerichtsgebäuden festnimmt - und dass der Oberste Gerichtshof von Kalifornien diese Praktik als nicht rechtmäßig beurteilt hatte.

Marks verwies auf einen Zeitungsbericht über das Gerichtsurteil und sagte: "Sagen Sie mir nicht, dass das eine Lüge ist. Wir stehen für unsere Sache ein, Herr Jones, vergessen Sie das nicht." Und er schob hinterher: "Die Geschichte ist nicht auf Ihrer Seite."

Danach ging Marks. Die Menschen applaudierten laut.

Dieser Artikel erschien zuerst bei der Huffington Post USA und wurde von Leonhard Landes ins Deutsche übersetzt und editiert.

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(jg)