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29/03/2017 21:29 CEST | Aktualisiert 29/03/2017 21:51 CEST

Das Image-Problem der Grünen: Ein Meinungsforscher des Allensbach-Instituts erklärt die Krise der Partei

dpa
Das Image-Problem der Grünen: Der Chef des Allensbach-Instituts erklärt die Krise der Partei

  • Die Grünen befinden sich in einer Krise

  • Das Meinungsforschungsinstitut Allensbach hat versucht herauszufinden, warum

  • Die Erklärung ist überraschend einfach und vernichtend: Die Grünen haben ein Image-Problem

Fast niemand in Deutschland will die Grünen noch wählen. Bei der Landtagswahl im Saarland scheiterte die Partei an der Fünf-Prozent-Hürde. Die Umfragen zur Bundestagswahl zeigen seit Monaten auch nur in eine Richtung: nach unten.

Die Partei droht, in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.

Politik-Beobachter und Experten machen das Programm der Grünen dafür verantwortlich. Die Partei könne mit ihren Inhalten die Menschen nicht mehr erreichen.

Ein Projektleiter des Meinungsforschungsinstituts Allensbach, Thomas Petersen, hat dagegen eine überraschend einfache und vernichtende Diagnose: Die Partei hat ein Image-Problem. Petersen moniert in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vor allem drei Probleme der Grünen: Er hält sie für uncool, vorlaut und unsympathisch.

Die Grünen sind uncool geworden

Die Grünen haben derzeit ein ähnliches Problem, wie etwa der Autohersteller Opel. Magazine und Experten bestätigen Opel regelmäßig, gute Autos zu bauen. Gewinne konnte das Unternehmen trotzdem seit 20 Jahren nicht mehr verzeichnen. Der Grund: Einen Opel zu fahren gilt als uncool - so uncool, wie es heute ist, grün zu wählen.

Oder, so formuliert das Thomas Petersen: „Die Grünen sind schlicht aus der Mode gekommen.“

Er untermauert diese These eindrucksvoll mit Zahlen. Im Auftrag der "FAZ" hat sein Institut eine repräsentative Umfrage erstellt und sie mit Umfragen von 2010 verglichen. Die Diagnose fällt vernichtend aus.

Kaum jemand findet die Grünen noch sympathisch

Vor sieben Jahren sagten noch 59 Prozent der Menschen, die Grünen seien "in". Die Partei entsprach dem Zeitgeist. Nun sind es nur noch 13 Prozent..

Auch die Beliebtheitswerte der Partei sind dramatisch abgefallen. 2010 gefielen die Grünen noch 21 Prozent der Befragten "alles in allem" gut. Laut der aktuellen Allensbach-Umfrage sagen das jetzt nur noch acht Prozent der Teilnehmer.

Wurden die Probanden gefragt, ob sie glauben, die Grünen hätten in der Bundesrepublik allgemein ein guten Ruf, so wird der Image-Verfall der öko-sozialen Partei noch krasser deutlich. 2010 glaubten 43 Prozent der Menschen, die meisten Deutschen mögen die Grünen. Jetzt glauben das nur noch zehn Prozent.

Kurz gesagt: Die Grünen sind den meisten Deutschen ganz und gar unsympathisch - so sehr, dass sie diese Umsympathie auch bei ihren Mitbürgern voraussetzen.

Die Grünen machen zu viele Vorschriften

Aber warum gefallen die Grünen den Menschen nicht mehr?

Die Befragten des Allensbach-Instituts, die zumindest teilweise Gefallen an den Grünen fanden, nennen vor allem einen Grund: Die Grünen wollten den Bürgern zu viele Vorschriften machen. 48 Prozent sagten das.

Unter ausgemachten Grünen-Anhänger nannten diesen Grund allerdings nur sieben Prozent - und schon hier wird deutlich, dass die Grünen und ihre Anhänger an der Realität vorbei denken. Die Grünen selbst halten ihre Politik für angemessen - und übersehen, dass die Partei vielen Menschen einfach als anmaßend erscheint.

Die Grünen sind keine Marke mehr

Und so zeigen die Zahlen von Allensbach sogar, dass die Grünen eigentlich nicht auf die falschen Themen setzen. Sondern dass sie es vor allem nicht schaffen, die angestammten "grünen" Themen glaubwürdig zu vertreten.

Denn natürlich sind den Menschen Umwelt- oder Verbraucherschutz, erneuerbare Energien oder Innovationen nach wie vor wichtig. Bei den Fragen, ob die Grünen für diese Themen stünden, verliert die Partei allerdings im Vergleich zu 2010 an erheblich an Zustimmung.

Mehr zum Thema: Veggie, Einwanderung und Reichensteuer: Mit diesem Programm gehen die Grünen ins Wahljahr

Dass sich die Grünen für Umweltschutz einsetzen würden, dachten 2010 noch 82 Prozent, 2017 sind es 67 Prozent. Beim Verbraucherschutz das gleiche Bild: 60 Prozent gegenüber 37 Prozent aktuell. Bei der Förderung von innovativen Ideen gab es einen Rückgang 44 Prozent auf zwölf Prozent.

Das sind dramatische, katastrophale Zahlen. Die Grünen lösen nicht einmal mehr mit ihren Kernthemen Begeisterung mehr aus. Nicht, weil sie auf die falsche Politik setzen. Sondern weil sie diese einfach schlecht vermarkten.

Die Partei habe keine Spitzenpolitiker

Schuld daran sind auch die Spitzenpolitiker der Partei - oder vielmehr der Umstand, das die Menschen laut der Umfrage des Allensbach-Institut glauben. die Grünen hätten gar keine davon.

43 Prozent der mit den Grünen unzufriedenen oder teilweise unzufriedene Befragten sagten das. Und selbst bei Grünen-Anhängern selbst waren es auch 33 Prozent. Özdemir, Göring-Eckardt, Peters, Hofreiter - sie scheinen alle nicht zu überzeugen.

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Überspitzt gesagt: Einen Vollblut-Sozi wie Martin Schulz kann man sich eigentlich nur in der SPD vorstellen. Einen schwarz-grün-links-mittigen Cem Özdemir aber in fast jeder beliebigen Partei.

Wenn Politiker kein klares Profil haben, kann auch ihre Partei keines besitzen.

Die Grünen sind Opfer ihres eigenen Erfolgs

Dabei hatten die Grünen stets ein starkes Profil. Doch die Partei ist damit Opfer ihres eigenen Erfolgs geworden, schreibt Thomas Petersen. "Ihre zentralen Anliegen sind von weiten Teilen der Bevölkerung akzeptiert und von anderen Parteien übernommen worden.“

Selbst die Grünen-Anhänger aus der Umfrage wussten oft nicht mehr, wofür ihre Partei eigentlich steht. Von den Grünen-Anhängern, die mit ihrer Partei unzufrieden waren, sagten 36 Prozent, die Partei habe keine klare Linie. 41 Prozent waren der Meinung, die Grünen seien keine besondere Partei und unterscheide sich nicht mehr von anderen Parteien. 35 Prozent fanden die Grünen langweilig.

Wenn also die Grünen-Anhänger selbst nicht mehr wissen, wofür ihre Partei steht, woher sollte es der Rest Deutschlands wissen?

Die Grünen konnten und können sich also nur noch schwer abgrenzen. Ihr Profil verblasst. Wie die Partei das ändern kann, schreibt Petersen nicht.

Die Grünen müssen schnell eine Antwort auf diese Frage finden. Ansonsten drohen sie, völlig bedeutungslos zu werden.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

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(jg)

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