Forscher untersuchten, ob das Stillen Babys später klüger macht - das Ergebnis ist überraschend

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Forscher untersuchten, ob das Stillen Babys später klüger macht. | Thinkstock
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Es gibt viele gute Gründe für Mütter, ihre Babys zu stillen - aber die geistigen Fähigkeiten ihres Nachwuchses steigern sie damit nicht.

Eine neue Studie, die am Montag in dem Fachmagazin "Pediatrics Journal" veröffentlicht wurde, legt nahe, dass Kinder, die sechs Monate lang gestillt wurden, weniger zu Hyperaktivität neigen, wenn sie drei Jahre alt werden. Aber sobald sie fünf Jahre alt sind, verschwinden die Unterschiede.

Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Stillen und der kognitiven Leistungsfähigkeit

Und nachdem die Forscher die sozioökonomischen Variablen wie Bildung und Einkommen der Eltern in die Auswertung mit einbezogen hatten, fanden sie nur noch geringfügige Unterschiede zwischen den Vorschulkindern, die gestillt wurden, und denen, die das Fläschchen bekommen haben.

Für die Studie untersuchten die Wissenschaftler die sprachlichen Fähigkeiten und die Problemlösungskompetenz der Kinder. "Wir konnten keinen direkten Kausalzusammenhang zwischen dem Stillen und der kognitiven Leistungsfähigkeit der Kinder finden", sagte Studienautorin Lisa-Christine Girard, Forscherin am University College Dublin, dem amerikanischen Hörfunksender "National Public Radio".

Girard und ihre Mitautoren analysierten die Daten von rund 8.000 Kindern in Irland, nachdem sie ein Alter von neun Monaten, drei Jahren und fünf Jahren erreicht hatten. Sie testeten ihre sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten und befragten Eltern und Erzieher nach möglichen problematischen Verhaltensweisen.

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Die Studie hat auch Schwachstellen

Natürlich hat die neue Studie auch einige Schwachstellen. Zum Beispiel wurden die Babys, die mehr als 32 und weniger als 180 Tage lang gestillt wurden, in eine große Gruppe eingeteilt. Dabei hätten die Babys aber - je nach Stillzeitraum - sehr "unterschiedliche Fütterungserfahrungen" machen können, kritisiert Lydia Furman, eine Kinderärztin der Case Western Reserve University's School of Medicine in einem Beitrag. "Das könnte die Auswirkungen von längeren Stillzeiten verwässern", schreibt die Ärztin.

Laut Furman seien die Auswirkungen des Stillens auf die kognitiven Fähigkeiten von Kindern wissenschaftlich umstritten. In diesem Zusammenhang liefere diese Studie einen "interessanten Beitrag über das Stillen und die Bewertung von Stillen".

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Experten empfehlen, Babys zu stillen

Die Erkenntnisse ändern auch nichts an den Empfehlungen der Vereinigung der amerikanischen Kinderärzte American Academy of Pediatrics und der Weltgesundheitsorganisation WHO, dass Babys mindestens in den ersten sechs Monaten ihres Lebens gestillt werden sollten. Auch die Nationale Stillkommission in Deutschland schreibt auf ihrer Webseite: "Stillen ist die beste Ernährung für Säuglinge."

Der potentielle Intelligenzquotient der Babys ist allerdings nicht der Grund, warum die Ärzte diese Empfehlung aussprechen: Kinder, die gestillt wurden, weisen oft eine robustere Gesundheit auf als die Kinder, die nicht gestillt wurden.

Aber immerhin sind die Ergebnisse dieser Studie eine Erleichterung für die Mütter, die ihre Babys nicht stillen und sich Sorgen über die Auswirkungen auf ihre Kinder machen - denn langfristig wird dies wohl keinen Einfluss auf die geistigen Fähigkeiten des Nachwuchses haben.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Lisa Mayerhofer aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet.

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