Ein Bestsellerautor erklärt alle Männer für gestört - Tausende Frauen folgen seinen Ratschlägen

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KOIDL
Tausende Frauen hören auf die Beziehungs-Tipps dieses Bestsellerautors - wir haben seine Thesen überprüft | Facebook/Roman Maria Koidl
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Sind wir doch mal ehrlich: Wir Frauen sind arme Geschöpfe, den Männern hoffnungslos ausgeliefert.

"Deppenmagnete" nennt uns der Bestseller-Autor Roman Maria Koidl. "Mit der magischen Hand für Mangelmänner: Psychos, Vollpfosten, Weicheier und natürlich King Koitus, den Mann, der sie alle haben kann", schreibt er in seinem neuesten Buch "Der letzte Scheißkerl".

Koidl weiß, wovon er spricht. Denn er ist ein echter Frauenversteher. Ein Frauenversteher, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, uns Frauen endlich aufzuklären. Über das starke Geschlecht, das bisher wie ein dunkles Mysterium für uns war, das wir einfach nicht verstanden haben.

Mir ging es genauso. Bis ich Koidls Buch gelesen habe. In Mädchenrosa und Prinzessinnen-Gold hat es mich natürlich sofort angesprochen. Der Klappentext verspricht: Aus dem Frosch in meinem Bett kann ein Prinz werden.

Die Männer sind schuld

Ich bin so dankbar, dass ich dieses Buch gelesen habe. Denn es erklärt uns Frauen: Wir sind nicht schuld, wenn wir Beziehungsprobleme haben, sondern der Mann. Denn er leidet mit großer Wahrscheinlichkeit an einer psychischen Störung.

In seinem Buch klärt der selbsternannte Experte Koidl über die verschiedenen Typen von Männern auf. Jeder Typ hat offenbar seine ganz eigene Störung. Und Koidl rät nicht etwa dazu, dass wir uns schleunigst von diesen Männern verabschieden sollen. Nein, er gibt uns Tipps, wie wir ihre Störungen akzeptieren können und wie wir uns verhalten müssen, damit wir endlich mit ihnen glücklich werden.

Das ist ganz einfach.

Der Typ "General" will, dass Frauen auf seinem Teppich schlafen

Da wäre zum Beispiel der Typ Mann, der sich als "General" beschreiben lässt.

Koidl weiß ganz genau, was wir Frauen so an dem General mögen. "Ihr Auftreten, ihre Anzüge, das Schneidige, Intelligente und Wache" würden wir "einfach sexy" finden.

Wenn ihr euch jetzt auch absolut wiedererkennt, aber den General bisher nicht glücklich machen konntet - kein Problem. Dafür gibt es dieses Buch.

Lest und lernt: "Wer den General glücklich machen will, der geht nach dem Orgasmus wortlos und lässt ihn alleine schlafen. Es bedeutet: Danke, dass du mich so sein lässt, wie ich bin."

Noch glücklicher könnt ihr den General nur machen, wenn ihr, Achtung: "Nach dem Orgasmus nicht nur wortlos von ihm abrückt, sondern danach auch auf dem kleinen Teppich vor seinem Bett einschlaft."

Das wüsste Koidl von einer "Leserin". Ah ja.

Der "Analyst" steht auf Regie-Anweisungen im Bett

Ihr steht nicht auf den General? Seltsam. Aber vielleicht seid ihr eher der Typ Frau, der auf den "Analysten" abfährt.

Dafür müsst ihr allerdings Helene Fischer mögen. Denn der Analyst ist laut Koidl der Typ, der auf Helene-Fischer-Konzerte geht. Im Bett sei der Analyst ein "sexueller Leistungssportler", aber Achtung: Der Sex sollte "zu regelmäßigen Zeiten stattfinden" und "die anschließende Reinigung folgt auf dem Fuß". Im Bett käme es auch vor, dass der Analyst "Regieanweisungen" gibt und "ungelenk versucht, eine Szene nachzustellen."

Der Analyst klingt für euch auch nicht attraktiv? Wie bitte?! Dann hätten wir als Alternative noch den "Sonnyboy".

Der "Sonnyboy" ist ein Sofortbefriediger

Um es mit Koidls Worten zu sagen: "Als Typ Hausmeister zieht der Sonnyboy mit dem ganz großen Schlüsselbund um die Häuser und schaut gern einmal, wo man denn die eine oder andere Tür öffnen könnte."

Was für ein Meister der Metaphern! Zum Umgang mit dem Sonnyboy, oder auch "Sofortbefriediger", rät der Schriftsteller: "Bleiben Sie cool!" Wenn der Sonnyboy euch provoziert, solltet ihr - und das ist der Ernst des Autors - ganz lässig rufen: "Drama, Baby!"

Der "Diener" bringt sich um, wenn ihr ihn verlasst

Wenn ihr diesen Typ Mann auch nicht ansprechend findet, gibt es leider nur noch eine Möglichkeit: Ihr steht eindeutig auf den "Diener".

Dafür müsst ihr allerdings "Königin eines Tennisvereins" sein - oder ihr seid schon 40, aber seht immer noch "granatenmäßig gut aus". Denn auf solche Frauen, so Koidl, steht der Diener.

Der Diener leide still, wenn seine Königin mit dem Tennislehrer unterwegs sei. "Alle wissen es, der Diener im Grunde seines Herzens auch" - aber der Diener schweigt. "Die Drohung: 'Ich bringe mich um, wenn du mich verlässt' ist der letzte Notnagel des Dieners", schreibt Koidl.

Der Diener vergöttere seine Königin und gebe seine Identität zu ihren Gunsten vollkommen auf. Koidls Umgangstipp mit dem Diener: "Stets an den eigenen Identitäten arbeiten" und eine "schöpferische Distanz" schaffen. Nichts leichter als das.

"Tipps, die auch der schwule Kumpel geben könnte"

Ich liebe dieses Buch. Endlich verstehe ich die Männer. Und nicht nur ich. Gleich auf seinen ersten Seiten kann Koidl es sich nicht verkneifen, davon zu berichten, wie viel Fanpost er erhalte. So hätte ihm eine Leserin geschrieben, ihre "Menstruation hätte sich um acht Tage verschoben", so sehr hätte das Buch ihre Lebensrealität getroffen.

Der Ärmste hat das offenbar nicht nur ernst genommen, sondern auch noch als Lob aufgefasst. Aber er kann gar nichts dafür, denn, wie er selbst schreibt "Männer sind schlichter gestrickt, als mancher wahrhaben will."

Immerhin ist sich Koidl bewusst, dass seine Männer-Kategorisierung nicht einwandfrei übertragbar ist, er gebe nur "allgemeine Hinweise" schreibt er, "die auch die beste Freundin oder der schwule Kumpel geben könnte." Wichtig: Nur der schwule Kumpel! Kommt bloß nicht auf die Idee, mit einem heterosexuellen Mann über Beziehungen zu reden! Die haben dafür ein zu schlichtes Gemüt.

Endlich verstehen wir Frauen die Männer

"Wir alle neigen dazu, den Horizont unserer Erfahrungen zum Maßstab für andere zu machen", schreibt Koidl weise. Da muss ich zustimmen. Bestes Beispiel: Er.

Über sich selbst schreibt der Autor am Ende des Buches selbstzufrieden: "Sie merken schon, von einfachen Tipps und Ratschlägen halte ich nicht sonderlich viel."

Schön, dass er die Bewertung seines Buches vorweggenommen hat.

Zum Glück kommt immerhin noch Sigmund Freud auf drei Seiten seines Buches vor. Vorher war ich mir nicht ganz sicher, ob ich den Psycho-Analysen Koidls vertrauen kann. Aber als ich gelesen habe, dass er weiß, wer Sigmund Freud ist, hatte ich keine Bedenken mehr.

Und wer jetzt immer noch nicht überzeugt von Koidls Thesen ist: Er hat sich seine Männer-Analyse von Prostituierten bestätigen lassen, schreibt er stolz.

Danke für diese Information. Das erklärt uns einiges.

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(mm)