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28/03/2017 13:45 CEST | Aktualisiert 28/03/2017 13:52 CEST

Diese Frauenkrankheit hat schreckliche Folgen - und sie wird oft viel zu spät diagnostiziert

SolStock via Getty Images
Diese Frauenkrankheit hat schreckliche Folgen.

Heftige Unterleibskrämpfe, Schmerzen beim Sex und ungewollte Kinderlosigkeit: Das sind nur drei der vielen Symptome, die bei der Frauenkrankheit Endometriose auftreten können. Obwohl der Leidensdruck für die Betroffenen meist extrem hoch ist, erhalten viele Frauen erst nach Jahren eine Diagnose.

Vom Auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnosestellung vergehen teilweise bis zu zehn Jahre. Dabei ist die Krankheit eines der häufigsten gynäkologischen Leiden weltweit.

Schätzungen zufolge erkranken allein in Deutschland mehr als 30.000 Frauen jährlich an Endometriose. Insgesamt leiden etwa sieben bis fünfzehn Prozent aller Frauen im geschlechtsreifen Alter unter dieser Krankheit. Das sind in Deutschland ungefähr zwei bis sechs Millionen Frauen.

Endometriose führt zu Entzündungsreaktionen

Bei der Krankheit Endometriose tritt ein gutartiges Gewebe, das dem der Gebärmutterschleimhaut ähnlich ist, im Unterleib auf und siedelt sich dort an den Eierstöcken, Eileitern, Darm, Blase oder Bauchfell an.

In sehr seltenen Fällen sind von dieser Besiedelung auch noch andere Organe betroffen, wie etwa die Lunge. Diese Endometrioseherde werden zumeist durch den weiblichen Hormonzyklus beeinflusst. Die Gewebeherde wachsen und bluten somit zyklisch.

Als Folge leiden die betroffenen Frauen unter Entzündungsreaktionen. Meist bilden sich zudem Zysten und es entstehen Vernarbungen sowie Verwachsungen.

Betroffene haben oft unerträgliche Schmerzen

Die Leidtragenden müssen während der Periode Monat für Monat heftigste Schmerzen ertragen. Auch kann diese Kondition zu Schmerzen beim Sex oder sogar Unfruchtbarkeit führen.

Wegen der schlimmen Schmerzen wird es für die Frauen zum Kraftakt, ihren Alltag zu bewältigen. Eine Studie aus dem Jahr 2011 legt nahe, dass Endometriose die Produktivität der betroffenen Frauen enorm mindert. Ganze elf Stunden die Woche könnten die Leidtragenden nicht so arbeiten wie ihnen das ohne Schmerzen möglich wäre.

Doch noch wird dem Thema zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Das bedeutet für viele Frauen, dass sie nicht die Hilfe und Unterstützung von ärztlicher Seite erhalten, die sie dringend bräuchten. Besonders die psychische Not der Betroffenen wird unterschätzt.

Erkrankte Frauen fühlen sich mit ihrer Leidensgeschichte oft alleingelassen

Die meisten fühlen sich mit ihrem Zustand alleine gelassen und nicht ernst genommen. Eine Studie von "Endometriosis UK", einer Online-Plattform für betroffene Frauen, legt nahe, dass mehr als 25 Prozent aller Mitglieder schon mit dem Gedanken gespielt hätten, Selbstmord wegen ihrer Krankheit zu begehen.

Bisher gibt es noch keine Heilungsmöglichkeiten für die Krankheit. Die Therapieansätze sind meist eine Kombination aus Schmerzmitteln und Hormonbehandlungen.

Diese versprechen jedoch keine langfristige Lösung, sondern sind lediglich eine Hilfe, die Schmerzen erträglicher zu machen, damit die Frauen einen weitgehend normalen Alltag leben können.

Endometriose ist sehr schwer zu diagnostizieren

Ein Problem ist, dass sich Endometriose sehr schwierig diagnostizieren lässt. Die Symptome - Unterleibsschmerzen und heftige Periodenblutungen - werden häufig anderen Konditionen zugeordnet. Das erklärte die Frauenärztin Helen Webberley von “Oxford Online Pharmacy”, ein von Ärzten und Pharmazeuten betreutes Online-Portal, der Huffington Post UK.

Sie sagte, es gebe auch Fälle von Frauen, die unter Endometriose leiden, aber überhaupt keine Symptome zeigen. Eine weitere Schwierigkeit besteht zudem darin, dass es keinen speziellen Test gibt, mit dessen Hilfe Gynäkologen Endometriose diagnostizieren können.

Webberley sagte:“ Endometriose kann nur durch eine Bauchspiegelung - oder manchmal durch einen sehr genauen Ultraschall - diagnostiziert werden.” Dieses Risiko könne man aber nicht jeder Frau zumuten, die unter einfachen Unterleibsschmerzen oder starken Periodenblutungen leide.

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Die Pille kann einen positiven Effekt auf Endometriose haben

Webberley sagte auch, dass die Pille einen positiven Effekt auf eine leichte Endometriose haben kann. “ Die Behandlung einer leichten bis mittleren Endometriose besteht darin, den Eisprung zu unterdrücken - so wird der monatliche Zyklus unterbunden, in dem sich die Endometriose aufbaut.”

Der beste Weg, um den Eisprung und die darauffolgenden Schmerzen zu unterdrücken, sei laut Webberley die Pille. Der Vorteil: Die Ärzte müssten keinerlei invasive Tests bei den Patientinnen vornehmen.

Webberley sagte: “Wenn dann die starken Schmerzen und die heftigen Blutungen aufhören, wird eine Diagnose einfacher. Indem der Eisprung unterdrückt wird, wird dem Schaden, den die Endometriose verursacht, Einhalt geboten. Die Eileiter und die Fruchtbarkeit der Frau werden geschützt.”

Leider steht diese Behandlungsmöglichkeit nur Frauen mit leichter bis mittlerer Endometriose offen. Für Frauen mit Kinderwunsch und Frauen, die an der schweren Form der Endometriose leiden, gibt es bisher nur ungenügende Therapieansätze.

Das sollte sich angesichts der hohen Zahl an Frauen, die an Endometriose leiden, schnell ändern.

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(lm)

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