Afrikanische Esel stehen kurz vor der Ausrottung - weil die Tiere in China als Delikatesse gelten

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ESEL
Der afrikanische Esel steht kurz vor der Ausrottung. | Getty Images
Drucken

Der afrikanische Esel steht kurz vor der Ausrottung. Das hat allerdings keinen ökologischen Grund, wie man zunächst vermuten möchte. Tatsächlich ist es der Heißhunger aus Fernost: In China gilt das Fleisch des Nutztiers als gesundheitsfördernde Delikatesse.

Die Gier nach den beliebten Esel-Produkten ist inzwischen so groß, dass dem Land allmählich die Esel ausgehen. Chinesische Firmen haben deshalb begonnen, die begehrten Tiere aus afrikanischen Ländern zu importieren.

Doch weil die Nachfrage konstant hoch bleibt, steht nun auch der afrikanische Esel auf der Liste der bedrohten Tierarten. Ein Problem, das nicht nur Tierschützer auf die Barrikaden treibt.

Verklärter Snack und medizinischer Hokuspokus

In China soll Eselfleisch angeblich das Immunsystem stärken, Frauen bei Menstruationsbeschwerden und Anämien helfen und Männern eine respektable Libido bescheren. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) sind die Produkte des Nutztiers äußerst beliebt.

Auch die Inhaltsstoffe der Eselhaut und der Hufe gelten in China als Wundermittel bei unterschiedlichen Gesundheitsbeschwerden sowie in Snack-Form als "Functional Food“. Es gibt sogar Süßigkeiten und Hamburger aus Eselfleisch.

Zwischen Angebot und Nachfrage herrscht eine enorme Diskrepanz

Insbesondere die wachsende chinesische Mittelschicht hat die Nachfrage zuletzt in die Höhe getrieben. Doch zwischen Angebot und Nachfrage herrscht eine gewisse Diskrepanz:

Von Jahr zu Jahr werden in China weniger Esel gezüchtet, weil in der Landwirtschaft Traktoren und Laster die Tiere ersetzen. Chinas eigene Esel-Population hat sich von elf Millionen in den 90er Jahren auf sechs Millionen im Jahr 2013 fast halbiert.

esel
Der Esel ist in China schon so gut wie ausgerottet

Trotz Exportstopp blüht das Geschäft mit den Tieren

Um die Nachfrage trotzdem zu befriedigen, schlossen viele Hersteller Exportgeschäfte mit afrikanischen Ländern wie Mali, Burkina Faso, Niger und Nigeria. Nach Meldungen von Behörden sind alleine im Jahr 2016 mehr als 80.000 Esel aus Niger exportiert worden.

Das sind drei Mal mehr als im Jahr davor. In Burkina Faso stiegen die Exporte innerhalb eines Jahres um das Achtzehnfache.

Stirbt der Esel, stirbt das Land

Weil wegen des unbändigen Hungers der Chinesen nun auch die Esel-Population in Afrika schwindet, verhängten die afrikanischen Landesregierungen einen Exportstopp. Denn im Gegensatz zu China stellt der Esel in Afrika tatsächlich ein wichtiges Nutztier für die Landwirtschaft dar.

esel
Alleine 2016 sind mehr als 80.000 Esel aus Niger nach China exportiert worden. Credit: Getty Images

"In Nordnigeria gibt es drei hauptsächliche Transportmittel: den Esel, das Pferd und das Kamel", sagt der Entwicklungsexperte Abduraham Abu Hamisu in einem Interview mit "Deutschlandradio Kultur“.

"Aber der Esel stach da schon immer heraus, weil er das einzige Tier ist, das hohe Belastungen auf Dauer durchhält. Esel sind in Nordnigeria einfach das, was woanders Autos sind", sagt Abu Hamisu.

Das Problem ist schwerwiegender als angenommen

Seit dem Exportstopp floriert allerdings das illegale Geschäft mit den Tieren.

esel
Der illegale Handel und die hohe Nachfrage, treiben die Preise für die Nutztiere in enorme Höhen. Credit: Getty Images

Mit der Nachfrage sind auch die Preise auf den nigerianischen Viehmärkten explodiert: Dort verlangen Händler inzwischen bis zu 130 Euro für ein ausgewachsenes Tier - etwa viermal so viel wie im vergangenen Jahr.

Sind die Tiere für Kleinbauern jedoch nicht mehr erschwinglich, geraten Millionen ohnehin fragiler Existenzen in Gefahr.

Die Tiere sterben meist einen grausamen Tod

Tierschützer kritisieren inzwischen auch die Regierungen der afrikanischen Länder. Der Exportstopp hätte lediglich den illegalen Handel befeuert und nicht das eigentliche Problem der enormen Nachfrage aus dem Weg geräumt, kritisieren sie.

Weil die Margen für Esel auf dem Schwarzmarkt äußerst attraktiv sind, wildern ganze Banden die gutmütigen Lasttiere auf den Weiden – teilweise werden die Tiere auch aus den Ställen entwendet.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Die gestohlenen Esel sterben danach einen grausamen Tod, bevor sie in Hinterhöfen und verborgenen Schlachthäusern gehäutet werden, sagen die Tierschützer.

Drohende Katastrophe oder neue Chance für Afrika?

Abdurahman Abu Hamisu sieht die Problematik nicht ganz so schwarz.

"Für mich ist die hohe Nachfrage eine Bedrohung, aber auch eine Chance, wenn ich daran denke, dass wir in Nigeria unsere Wirtschaft breiter aufstellen müssen. Das gibt der Regierung eine Chance, die Menschen zu ermutigen, ins Esel-Business einzusteigen, sodass wir davon profitieren", sagt er.

Doch bis es so weit ist, muss die Esel-Produktion erst einmal hinterherkommen. Das könnte Zeit in Anspruch nehmen: Denn Esel brauchen bis zu zwei Jahre, bis sie sich fortpflanzen können.

Zeit, die sich der chinesische Konsument nicht nehmen will. Bis dahin blüht der illegale Handel mit den Tieren weiter.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(amg)

Korrektur anregen