Medienbericht: Trump soll Merkel eine Rechnung über fast 350 Milliarden Euro präsentiert haben

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  • Laut einem Medienbericht soll US-Präsident Trump Bundeskanzlerin Merkel beim ersten Treffen in Washington eine fingierte Rechnung vorgelegt haben
  • Fast 350 Milliarden Euro hätte Deutschland demnach der Nato geschuldet
  • Das Weiße Haus und die deutsche Regierung dementieren den Bericht
  • Die wichtigsten Infos des Textes seht ihr zusammengefasst auch im Video oben

Deutschland schuldet den USA Geld. Diese Botschaft schickte US-Präsident Donald Trump der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) per Twitter hinterher, nachdem sich die beiden vorige Woche in Washington zum ersten Mal persönlich getroffen hatten.

Aber auch beim Treffen selbst machte der US-Präsident offenbar seine Forderung deutlich - um nicht zu sagen: überdeutlich. Trump soll der Kanzlerin in Washington eine fingierte Rechnung über knapp 350 Milliarden Dollar ausgedruckt und vorgelegt haben, berichtet die britische Wochenzeitung "Sunday Times".

So hoch schätzte sein Team die Schulden, die Deutschland für das Engagement der USA in der Nato begleichen sollte. Das Team soll dazu ausgerechnet haben, wie weit Deutschland in den vergangenen zwölf Jahren unter das 2-Prozent-Ziel der Nato gefallen war, addierte die Summen und schlug Zinsen auf.

"Die Kanzlerin wird auf Provokationen nicht eingehen“

Das Blatt zitiert einen ungenannten deutschen Minister zu dem Vorfall. Laut ihm soll Trump die ausgedruckte Rechnung während privater Gespräche präsentiert haben. Der Minister nennt die Geste "empörend".

"Das Konzept hinter solchen Forderung ist, die Gegenseite einzuschüchtern. Aber die Kanzlerin nahm es ruhig hin und wird auf solche Provokationen nicht eingehen", zitiert die "Sunday Times" den Minister.

Das Weiße Haus und die deutsche Regierung dementieren

Ein Sprecher des Weißen Hauses dementierte gegenüber dem US-Nachrichtensender CNBC den Bericht.

Auch der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert widersprach dem Artikel der "Sunday Times". "Die Berichte über eine solche Rechnung treffen nicht zu", schrieb Seibert auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Trumps überzogene Forderungen

Eines aber bleibt: Trump vertritt seine überzogenen Forderungen an die Nato-Staaten vehement. Denn richtig ist zwar, dass die meisten Staaten es derzeit nicht schaffen, zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung auszugeben. Ein Ziel, dass sich die Länder 2012 bei einem Gipfel für das Jahr 2024 vorgenommen haben.

Deshalb schuldet Deutschland der Nato allerdings nicht riesige Summen, erst recht nicht den USA, wie Trump auch an die Kanzlerin twitterte. Die eigene Kommandostruktur der Nato kostet jährlich zwei Milliarden Dollar - und daran beteiligt sich die Bundesrepublik als zweitgrößter Zahler.

UPDATE: Der Text wurde um das Dementi von Regierungssprecher Steffen Seibert aktualisiert.

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(jg)

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