"Hart aber fair": Als es um die Fön-Verordnung der EU geht, geht Stoiber der Hut hoch

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Plasberg schaltet zu "Tagesthemen"-Moderator Zamperoni - dann kommt es zu einer kuriosen Panne

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  • Frank Plasberg lässt seine Gäste über die Zukunft der EU diskutieren
  • Der CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber regt sich über kleinliche Verordnungen aus Brüssel auf
  • AfD-Gründer Bernd Lucke verblüfft den Moderator mit seiner Einstellung zu Flüchtlingen
  • Oben im Video: Plasberg schaltet zu "Tagesthemen"-Moderator Zamperoni - dann kommt es zu einer kuriosen Panne

Die EU wird 60 - aber so richtig in Partylaune scheint niemand zu sein.

"Feiern gegen die Krise?", fragt "Hart aber fair"-Moderator Frank Plasberg deshalb seine Gäste in der ARD.

Luxemburgs Außenminister Asselborn legt vor. "Die EU steckt in einer schweren Krise, weil für einige Länder Europas Solidarität ein Fremdwort ist", sagt er. "Wenn wir aber zwei Sachen beachten – nämlich Solidarität und Rechtsstaatlichkeit – ist Europa eine Erbschaft, die uns durch das 21. Jahrhundert führen wird."

Eine Erbschaft, für die sich aber derzeit viele in Europa nicht begeistern können.

Ein eingeblendetes Werbeplakat zum 60 Geburtstag fasst das Image-Problem des Staatenbündnisses perfekt zusammen: "Europa gibt deinem Fön zwei Jahre Gewährleistung", steht da.

Europa kann seine Außengrenzen nicht schützen. Europa hat keine Antwort auf dem Flüchtlingszustrom. Europa kann sich nicht verteidigen. Europa kann Asylbewerber nicht umverteilen. Europa kann seine Schuldenkrise nicht lösen. Aber zwei Jahre Garantie auf den Fön!

"Das regt die Leute auf!"

"Die werben damit, dass sie es geschafft haben, die Staubsaugerleistung zu regulieren", frotzelt Plasberg.

Der CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber erklärt gewohnt temperamentvoll, wie es zu den absurden Fön-Regelungen kommt. So habe sich die EU zum Ziel gesetzt, weniger Wasser zu verbrauchen.

"Die sagen, dann machen wir die Löcher in der Dusche etwas kleiner, dann kommt weniger Wasser raus", stöhnt Stoiber. Das sei die bürokratische Konsequenz aus den großen Zielen, die sich die EU gesetzt habe. "Deshalb gibt es Verordnungen, die das regeln. Das regt die Leute auf!" So mache man Europa klein.

"Europa muss für das Große zuständig sein"

ARD-Mann Preiß merkt an, der Binnenmarkt brauche nun mal Normen. Erst im November seien die Kerzen reguliert worden, weil die Wachs-Industrie sich von chinesischen Billiglichtern bedroht sah.

Stoiber will dagegen mehr Europa, wenn es um die Sicherung der Außengrenzen und die Verteidigung gehe. Auch ein europäisches Asylsystem müsse her. "Europa muss für das Große zuständig sein", so der CSUler.

Er weiß auch schon, wer "das Große" angehen soll. "Angela Merkel ist die erste, die eine Lead-Funktion in Europa hat“, so Stoiber. "Wenn Deutschland die Führungsrolle nicht übernimmt, wird es mit Europa nicht weitergehen!“

Da Gefühl vieler Zuschauer dürfte ein Geständnis Asselborns gegen Ende der Sendung perfekt zusammenfassen: "Ich bin dreizehn Jahre dabei, ich habe immer noch nicht verstanden, wie Europa funktioniert - gebe ich offen zu!"

"Die EU ist ein zentralistischer Superstaat, in der die Politik viel zu viel bestimmt“, nörgelt wiederum der Ex-AfD-Sprecher Bernd Lucke, der nun Mitglied des Europaparlaments ist.

"Europa hat in der Währungspolitik versagt"

Zwar habe die EU für den Frieden viel getan. "Sie hat aber in der Währungspolitik, bei der Einführung des Euros, versagt.“

Lucke und Asselborn sind sich einig, dass die Frage der Umverteilung von Flüchtlingen das Bündnis spalten könnte. "Das kann die EU zerstören!", sagt Asselborn. Solidarität könne man nicht wie eine Wurst in Stücke schneiden, sagt er. Seine Worte sind an Staaten wie Polen und Ungarn gerichtet, die die Aufnahme von Flüchtlingen ablehnen.

Lucke verteidigt diese: Polen und Ungarn hätten mit ihrer Absage an die Flüchtlinge die europäischen Regeln befolgt. "Ungarn hat mit den Zigeunern ein großes Integrationsproblem. Da kann man denen jetzt nicht einfach Flüchtlinge aufdrücken“, so Lucke.

Plasberg zitiert den niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte mit seinem Slogan "Benimm dich normal oder geh weg". "Völliger Populismus", nennt ausgerechnet Lucke dies. Rutte habe dies nur getan, um dem Rechtspopulisten Wilders den Wind aus den Segeln zu nehmen.

"Hier werden Vorurteile gegen Flüchtlinge geschürt"

"Hier werden Vorurteile gegen Flüchtlinge geschürt", klagt Lucke durchaus überraschend. "Unredlich", findet er das. Die allermeisten Asylsuchenden benähmen sich ordentlich, versuchten Erfolg zu haben und unser Sitten und Gebräuche zu erlernen.

Plasberg musste nochmal überrascht nachfragen: "Sie erinnern sich schon daran, welche Partei sie mitbegründet haben?"

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(ben)

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