7 Anzeichen, dass Europa zurück ist

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7 Anzeichen, dass Europa zurück ist | Getty
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In finsteren Zeiten strahlen die Sterne der EU derzeit umso heller.

In den vergangenen Jahren schwappte eine anti-europäische Welle des Populismus über Europa. Das Brexit-Votum Großbritanniens schockte im Juni 2016 die Union.

Viele Kritiker glaubten, die Union sei dem Untergang geweiht. Doch nun erlebt die EU ein überraschendes Comeback. Diese sieben Anzeichen zeigen, dass Europa zurück ist.

1. Politiker, die eindeutig pro Europa sind, haben Erfolg

Lange konnten vor allem die Europafeinde in den EU-Ländern mit ihren Parolen punkten.

Die AfD legte in den Umfragen zu, in Österreich war mit dem FPÖ-Politiker Norbert Hofer ein erklärter EU-Skeptiker kurz davor, Präsident zu werden. In den Niederlanden und Frankreich kamen die Rechtspopulisten Geert Wilders und Marine Le Pen auf sagenhaft hohe Umfragewerte.

Doch seit ein paar Monaten wendet sich das politische Blatt. Politiker, die sich klar für Europa aussprechen, haben bei Wahlen und in den Umfragen Erfolg.

Ende 2016 gewann der glühende Europa-Verfechter Alexander van der Bellen das Rennen um die österreichische Präsidentschaft. Bei der Wahl in den Niederlanden holte der pro-europäische amtierende Ministerpräsident Mark Rutte den Sieg.

Die AfD steckt in einer massiven Umfrage-Krise, während mit Martin Schulz ein Vollblut-Europäer die SPD und viele Deutsche euphorisiert. In Frankreich steht der sozialliberale EU-Verfechter Emmanuel Macron kurz vor einem Wahlsieg.

Das zeigt: Europa kommt wieder an bei den Leuten. Auch, weil der Erfolg des rechts-nationalistischen Donald Trump in den USA und das Chaos um den Brexit als abschreckende Beispiele für viele EU-Bürger dienen.

2. Die Jugend begeistert sich für Europa

Dass Europa wieder "in" ist, zeigen auch die Umfragen.

Mitte März veröffentlichte die Bertelsmann Stiftung eine Studie, laut der im Schnitt 77 Prozent der Menschen zwischen 15 und 24 Jahren eine EU-Mitgliedschaft ihres Landes positiv sehen. Befragt wurden dazu junge Menschen in Deutschland, Österreich, Ungarn, Tschechien, Polen, der Slowakei und Ungarn.

Diese Zahlen spiegeln sich auch in anderen Umfragen wider, sogar im wirtschaftlich gebeutelten Südeuropa: Bis auf in Griechenland sind die jungen Menschen in allen EU-Ländern mehrheitlich pro Europa.

3. Zustimmung für Europa wächst - die Menschen wollen mehr Europa, nicht weniger

In einer weiteren in diesen Tagen erscheinenden Studie von Bertelsmann, die die Wochenzeitung “Die Zeit” zitiert, sagen 70 Prozent der EU-Bürger, dass sie sich wieder für eine Mitgliedschaft in der Union entscheiden würden.

Vor dem Brexit-Votum waren es nur 65 Prozent.

Zudem geben 66 Prozent der EU-Bürger an, dass Freunde und Kollegen positiv über die EU sprächen. Vor dem Brexit sagten das nur 47 Prozent.

Eine Studie des Bankenverbandes im Auftrag der “Zeit” ergab zudem, dass aktuell 61 Prozent der Deutschen viel oder sehr viel von der Union halten. 2007 waren es noch 51 Prozent.

In einer nicht repräsentativen Umfrage des Politik-Magazins “Politico” votierten sogar knapp die Hälfte der Leser für mehr Europa.

47 Prozent sprachen sich für das sogenannte “Verhofstadt Szenario” aus. Das sieht vor, die Einigung Europas weiter voranzutreiben. 1400 Leser stimmten bei der Befragung ab.

Die Menschen sind also überzeugt: Gemeinsam kommen die europäischen Staaten weiter als allein.

4. Die Menschen gehen für Europa auf die Straße

Die Zustimmung für die EU ist auch auf der Straße zu sehen. Die Bürgerbewegung “Pulse of Europe” bringt seit mehreren Wochen tausende Menschen dazu, ein Zeichen für Europa zu setzen. In mehr als 60 Städten in acht europäischen Ländern demonstrieren Menschen jeden Sonntag für die EU.

“Wir sind eine Bürgerbewegung, die aus einem einzigen Impuls heraus entstanden ist: Wir wollen etwas gegen die europafeindliche Stimmung unternehmen”, schrieb der Gründer der Initiative, Daniel Röder, in der Huffington Post.

Noch vor ein paar Jahren hätte es keiner für möglich gehalten, dass die EU Menschen auf die Straße bringt. Als besonders sexy galt die Gemeinschaft nicht.

Die existenzielle Bedrohung der Union durch rechtspopulistische Parteien oder den Brexit hat das nun offenbar geändert.

5. Europa-Flaggen sind zum Verkaufsschlager geworden

Die Menschen zeigen also wieder Flagge für Europa - und das buchstäblich. Denn Fahnen seien mittlerweile deutschlandweit ausverkauft, sagen die Organisatoren von “Pulse of Europe”.

Nach dem Sommermärchen, so scheint es, erlebt Europa nun sein Frühlingsmärchen.

6. Sogar in Osteuropa kämpfen die Menschen neuerdings für Europa

In Osteuropa galt die EU lange nicht gerade als Erfolgsmodell. Das hat den Widerstand der Länderregierungen gegen Brüssel massiv verstärkt. Polen und Ungarn weigern sich beispielsweise, eine gemeinsame europäische Flüchtlingspolitik mitzutragen.

Doch auch hier gibt es pro-europäische Protestbewegungen. Das “Komitee zum Schutz der Demokratie” macht in Polen seit mehr als einem Jahr gegen umstrittene Handlungen der Regierung mobil.

Im Dezember 2016 blockierten tausende Demonstranten das Parlament, als die Regierung die Arbeit von Journalisten im Parlament beschränken wollte. Bereits im Mai brachte die Bewegung anlässlich des Europatages über 240.000 Menschen auf die Straße - unter dem Motto “Wir sind und bleiben in Europa”.

Im rumänischen Bukarest demonstrierten im Februar hunderttausende Menschen gegen ein umstrittenes Korruptions-Dekret.

Auch diese Proteste waren pro-europäisch. Mit Laserstrahlen projizierten die Demonstranten Sätze wie “We love you, Europe” an Regierungsgebäude.

Auch in Osteuropa können sich die Menschen also wieder für die EU begeistern.

7. Die Schotten kämpfen für einen Verbleib in der EU

Im Juni 2016 stimmte eine knappe Mehrheit der Briten für den EU-Austritt ihres Landes. Offenbar haben sich viele Menschen damit immer noch nicht abgefunden. Zum 60. Jahrestag der EU demonstrierten tausende Menschen am Samstag in London gegen den bevorstehenden Brexit.

Die Austrittserklärung soll am Mittwoch abgegeben werden. Einig zeigt sich Großbritannien in der Sache allerdings nicht.

Die Schotten wollen in einem Referendum erneut über ihre Unabhängigkeit abstimmen. Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon reagierte damit auf den angekündigten harten Brexit. Eine Mehrheit der Schotten hatte bei der Brexit-Abstimmung für einen Verbleib votiert.

Großbritannien könnte also am Brexit zerbrechen. Ein weiteres Anzeichen, dass die EU stärker ist, als sie noch im vergangen Jahr schien.

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(lp)

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