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5 Gründe, warum die Landtagswahl im Saarland wegweisend für Deutschland ist

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SAARLAND
5 Gründe, warum die Landtagswahl im Saarland so wichtig ist | dpa
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Die Landtagswahl im Saarland hat begonnen. Ab acht Uhr sind am Sonntag rund 800.000 Menschen in dem kleinen Bundesland aufgerufen, einen neuen Landtag zu wählen.

Das sind zwar nur etwas mehr als ein Prozent der Stimmberechtigten in Deutschland. Trotzdem: Die Landtagswahl ist vor allem mit Blick auf die Bundestagswahl im September wichtig. Fünf Gründe, warum das so ist.

1. Hält der Schulz-Effekt an?

Die Wahl im kleinsten Flächenland der Republik gilt als wichtiger Stimmungstest für die Bundestagswahl im September. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat seiner Partei in den Wählerumfragen zu einem Aufschwung verholfen.

Auch im Saarland sehen die Meinungsforscher die SPD klar im Aufwind. Laut Infratest dimap (ARD) liefern sich CDU (35 Prozent) und SPD (34 Prozent) ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Forschungsgruppe Wahlen (ZDF) sah dagegen zuletzt die CDU (37 Prozent) deutlich vor der SPD (32 Prozent).

So oder so: Sollte die SPD ein gutes Ergebnis bei der Landtagswahl erzielen, würde das beweisen, dass der Schulz-Effekt real und nicht nur ein Hype in den Umfragen ist.

2. Wollen die Menschen einen Machtwechsel?

Seit 18 Jahren ist das Saarland fest in CDU-Hand. Erst hatte Peter Müller das Sagen, seit 2011 als erste Regierungschefin an der Saar Annegret Kramp-Karrenbauer. Das könnte sich am Sonntag ändern. Nicht nur könnte die SPD stärkste Kraft werden, die Sozialdemokraten können je nach Wahlergebnis auch ohne die CDU regieren. Derzeit führt eine große Koalition das Bundesland.

Die Landtagswahl könnte also auch ein Indiz dafür sein: Wollen die Menschen in Deutschland einen Machtwechsel? Schließlich könnte auch die Regierungszeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach der Bundestagswahl im September vorbei sein.

Die Parallele zwischen Bund und Saarland geht jedoch noch weiter. Die "Süddeutsche Zeitung" nennt Regierungschefin Kramp-Karrenbauer "eine Art Mini-Merkel". Nicht nur sei sie eine Vertraute der Kanzlerin, mit ihrem pragmatisch-nüchternen Stil verkörpere sie denselben Politikerinnen-Typus wie Merkel.

Die Abwahl von Kramp-Karrenbauer könnte daher auch als Signal verstanden werden: Die Menschen sind des Politikstils der Kanzlerin überdrüssig.

Mehr zum Thema: Parteienforscher Korte erklärt starke SPD-Umfragen mit "allgemeiner Merkel-Müdigkeit"

3. Können SPD und Linke zusammen regieren?

Eine rot-rote Koalition aus SPD und Linke scheint im Saarland möglich. Die Linke liegt in den Umfragen zur Landtagswahl bei zwölf bis 13 Prozent. Auch ein rot-rot-grünes Bündnis wäre denkbar, je nach Wahlergebnis. Die Grünen kommen auf vier bis fünf Prozent, müssen also um den Einzug ins Landesparlament bangen.

Die Linke geht unter Fraktionschef Oskar Lafontaine ins Rennen. Die SPD-Spitzenkandidatin Anke Rehlinger kommt offenbar gut mit Lafontaine aus. Der persönliche Umgang mit ihm sei "sehr angenehm", sagt sie.

Auch SPD-Chef Schulz hat einem möglichen rot-roten Bündnis an der Saar bereits seinen Segen gegeben. Es wäre das erste Bündnis dieser Art in einem westdeutschen Bundesland.

4. Wie gut schneiden die Grünen und die FDP ab?

Die Grünen und die FDP hoffen im Saarland darauf, den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde zu schaffen. Sollte das nicht gelingen, wäre das die erste Pleite im Wahljahr - und ein denkbar schlechtes Zeichen.

Die FDP liegt in den Umfragen für die Bundestagswahl derzeit zwischen fünf und sieben Prozent. Je nach Tagesform müssen die Liberalen also um den Einzug in den Bundestag zittern. Ein gutes Ergebnis und der Einzug ins saarländische Landesparlament würde zeigen: Die Partei ist nach wie vor wichtig.

Die Grünen haben in den vergangenen Wochen und Monaten in den Umfragen geschwächelt. Auch für sie könnte ein gutes Abschneiden bei der Wahl im Saarland einen Aufbruch bedeuten.

5. Wie gut schneidet die AfD ab?

Die Alternative für Deutschland (AfD) liegt im Saarland bei den Umfragen bei sieben Prozent. Ein Einzug der Rechtspopulisten in den Landtag gilt daher als sicher. Es wäre das elfte Landesparlament, in dem die AfD sitzen würde.

Sollte die AfD bei der Wahl besser abschneiden als in den Umfragen, würde das wieder einmal beweisen: Die Partei erreicht in Umfragen schlechtere Werte als bei den Wahlen selbst. Ob diese Beobachtung weiterhin gilt, wäre eine interessante Erkenntnis mit Blick auf die Landtagswahlen im Mai in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen.

Mehr zum Thema: Wahl-O-Mat zu Saarland 2017: Welche Partei zu euch passen könnte

Mit Material der dpa.

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