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26/03/2017 17:54 CEST | Aktualisiert 26/03/2017 21:11 CEST

Ökonomen zeigen, warum Trumps Mauer eine riesige Geldverschwendung ist

Jose Luis Gonzalez / Reuters
Ökonomen zeigen in einer Studie, dass die Einwanderung aus lateinamerikanischen Staaten in die USA in Zukunft zurückgehen wird

  • Ökonomen zeigen in einer Studie, dass die Einwanderung aus lateinamerikanischen Staaten in die USA in Zukunft zurückgehen wird

  • Trumps Mauer zu Mexiko sei daher überflüssig

Unüberwindbar und schön soll sie sein, die Mauer zu Mexiko, von der US-Präsident Donald Trump träumt. Er möchte damit die illegale Einwanderung aus dem südlichen Nachbarland und dem Rest Lateinamerikas unterbinden.

Eine wissenschaftliche Studie von Forschern der University of California in San Diego will nun jedoch mit Zahlen belegen, wie sinnlos dieses Unterfangen des US-Präsidenten ist.

Die Ökonomen Gordon Hanson, Chen Liu und Craig McIntosh haben die Einwanderungszahlen in die USA und Statistiken aus lateinamerikanischen Ländern ausgewertet. Ihr Ergebnis: Die illegale Immigration in die USA schwelle bereits ab. Daran werde sich auch in den nächsten Jahren nichts ändern - Trumps Abschreckungspolitik sei daher überflüssig.

Darum wird die Einwanderung rasch sinken

Von den frühen 1980er bis in die 2000er Jahre seien die meisten gering qualifizierten Arbeitskräfte aus dem Ausland in die USA eingewandert, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Studie. Das habe unter anderem auch am Babyboom in lateinamerikanischen Ländern gelegen. Die so entstandene Konkurrenz auf dem dortigen Arbeitsmarkt habe dafür gesorgt, dass vor allem junge Menschen auswanderten.

Mittlerweile sei der Babyboom aber vorbei. Auch die lateinamerikanischen Gesellschaften würden altern. Die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt verschwinde - und mit ihr der Grund, auszuwandern.

"Weil die Nachbarn der USA im Süden heute einen langsameren Anstieg an Arbeitskräften erleben, wird die künftige Immigration von gering qualifizierten Arbeitskräften rasch sinken - egal ob noch drakonischere Richtlinien eingeführt werden", heißt es in der Studie.

Trumps Politik wirkt rückschrittlich

Außerdem weisen die Wissenschaftler daraufhin, dass die USA bereits massiv ihr Engagement an der Grenze verstärkt hätten. Zwischen 2000 und 2010 sei unter anderem die Zahl der Grenzpolizisten verdoppelt worden.

"Die aktuelle Debatte über den Umgang mit der Zuwanderung wirkt etwas rückschrittlich", fassen die Wissenschaftler daher in ihrer Studie zusammen. Die Herausforderung sei nicht die Grenzsicherung, sondern die große Zahl an illegalen Einwanderern, die bereits in den USA leben.

Eine Bevölkerungsgruppe, die im Durchschnitt immer älter wird. Die USA werden sich um die Gesundheitsvorsorge dieser Menschen kümmern müssen, schreiben die Forscher.

Das heißt: Bei ihnen sind die Dollars besser aufgehoben als beim Bau einer überflüssigen Mauer. Experten veranschlagen Kosten von 40 Milliarden Dollar für den Bau.

Studie bleibt nicht ohne Kritik

Einige Ökonomen kritisierten die Studie allerdings. Wenn die US-Wirtschaft nach der Finanzkrise wieder stärker anzieht, könnte der Anreiz für Einwanderer größer sein, fasst die US-Tageszeitung "Washington Post" die Kritik zusammen.

Andere Wissenschaftler würden Hanson, Chen und McIntosh entgegnen, dass aus Asien eine neue Einwanderungswelle drohen könnte - sollten weniger Menschen aus lateinamerikanischen Ländern kommen.

Eine Mauer zu Mexiko würde diese Welle allerdings auch nicht aufhalten.

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(mf)

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