POLITIK
26/03/2017 21:44 CEST | Aktualisiert 27/03/2017 09:00 CEST

Saarland-Wahl: AfD-Politiker handelt mit Nazi-Accessoires, jetzt sitzt er im Landtag

dpa
Der AfD-Politiker Rudolf Müller

Die AfD hat bei der Wahl im Saarland ein für sie enttäuschendes Ergebnis geholt. Nur 6,2 Prozent der Wähler stimmten für die Rechten.

Aber das reichte, um den Spitzenkandidaten der Saarland-AfD in den Landtag zu hieven: Rudolf Müller.

Der 65-Jährige betreibt in Saarbrücken ein Antiquitätengeschäft. In dem Laden zeigen sich die Interessen des Politikers deutlich: Denn Müller handelt dort unter anderem mit Nazi-Devotionalien.

Handel mit Nazi-Accessoires

Das deckte ein Testkäufer des Magazins "Stern" im vergangenen Jahr auf. Er erstand in dem Laden unter anderem einen Geldschein aus dem Konzentrationslager Theresienstadt. Die Scheine sind unter Historikern als "Lagergeld“ bekannt. Müller bot das Papier unter der Bezeichnung "KZ-Geld" an.

Müller soll dem Testkäufer zudem etliche Orden, Medaillen und Verdienstkreuze gezeigt haben, auf denen teilweise Hakenkreuze abgebildet waren. Sie waren nicht überklebt.

Auch ein Testkäufer des ARD-Magazins "Panorama" erwarb einen Verdienstorden mit Hakenkreuz bei Müller.

Das Verbreiten von NS-Devotionalien ist in Deutschland verboten. Gegenüber dem ARD-Magazin soll der AfD-Politiker allerdings behauptet haben, dass er das nicht gewusst habe.

Staatsanwalt stellt Ermittlungen ein

Die Staatsanwaltschaft im Saarland nahm daraufhin die Ermittlungen auf, die vor Kurzem aber eingestellt wurden. Die Begründung der Staatsanwaltschaft: Der bloße Verkauf der Hakenkreuz-Orden durch Müller sei kein "Verbreiten" im Sinne des Strafgesetzbuches gewesen. Zudem sei eine öffentliche Verwendung der Nazi-Orden durch Müller "nicht belegt".

Inzwischen arbeitet der saarländische Justizminister Reinhold Jost an einem Verbot für den Verkauf von Nazi-Orden.

Dass jemand wie Müller in einen deutschen Landtag einzieht, ist schon schlimm genug. Müller ist aber nicht der einzige mit einem zweifelhaften Faible für die deutsche Vergangenheit.

Vor einem Jahr wurde der AfD-Landesverband im Saarland komplett aufgelöst, nachdem das Magazin "Stern" enthüllte, dass die beiden Chefs Kontakte zu Neonazis hatten.

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(mf)

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