Die CDU gewinnt im Saarland - doch die wahre Bewährungsprobe für die Kanzlerin kommt erst noch

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MERKEL
"Merkels trügerischer Sieg" - Die CDU gewinnt im Saarland - doch für die Bundestagswahl sagt das wenig aus | dpa
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  • Bei der Landtagswahl im Saarland schlägt die CDU die SPD deutlich
  • Die Kommentatoren sind sich uneins, welche Schlüsse sie aus dem Abstimmungsergebnis ziehen sollen
  • Aus Sicht vieler der Schulz-Effekt vorerst verpufft. Doch die wahre Bewährungsproben für Kanzlerin Merkel kommt erst noch

Ausgerechnet im Saarland wurde der Schulzzug vorerst ausgebremst. Zuletzt hatte die dortige SPD-Kandidatin und Herausforderin Anke Rehlinger in den Umfragen vor der Landtagswahl etliche Prozentpunkte zulegen können.

Doch am Ende ist nur der Ausgang der Abstimmung entscheidend: Und dort hat die von Annegret Kramp-Karrenbauer angeführte CDU um satte 5,5 Prozent zugelegt und 40,7 Prozent erhalten.

Die SPD verlor dagegen einen Prozentpunkt und landete bei 29,6 Prozent.

Ist das bereits ein deutliches Zeichen der Zustimmung für Kanzlerin Angela Merkel, ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl?

"Merkels trügerischer Sieg"

"So einfach ist das dann doch nicht", warnt "Spiegel Online". Denn es sei ein "trügerischer Sieg" für Merkel. Entscheidend für den CDU-Erfolg an der Saar sei ja nicht die Kanzlerin gewesen, sondern die Sympathieträgerin Kramp-Karrenbauer und die von ihr geführte Große Koalition.

"Auch wenn die 54-Jährige der Kanzlerin in Habitus und Politikstil ähneln mag - Rückschlüsse auf die kommende Bundestagswahl lässt das nicht zu", gibt das Nachrichtenportal zu bedenken.

Auch die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) merkt an, dass Merkel den Wahlkampf "nicht auf dem Ruhekissen wird verbringen können". Auch wenn sich das die CDU-Chefin nach dem Erfolg von Kramp-Karrenbauer denken mag.

"Die Versuchung ist groß aus dem Wahlergebnis einen Bundestrend abzuleiten. Gerade für die CDU", schreibt die "Rhein-Neckar-Zeitung". Doch das Saarland sei das Saarland - und nicht Nordrhein-Westfalen. Denn dort könne sich im Mai wirklich entscheiden, "ob die Tage Angela Merkels als Kanzlerin gezählt sind oder ob es sich beim Schulzeffekt nicht vielmehr um eine demoskopische Fata Morgana handelt", so die Zeitung aus Heidelberg.

Mehr zum Thema: Analyse zur Saar-Wahl: CDU begeistert junge Wähler - SPD scheitert mit Gerechtigkeitswahlkampf

Erstaunlich hohe Wahlbeteiligung

Die "Neue Osnabrücker Zeitung" (NOZ) findet die hohe Wahlbeteiligung erstaunlich. Dass "gerade mit der langweiligen politischen Botschaft des 'Weiter so' eine derartige Mobilisierung zu erreichen ist, dürfte vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel aufhorchen lassen", schreibt die NOZ. "Es braucht nicht zwangsläufig einen Hype, um eine Wahl zu gewinnen. Solide Politik tut’s auch."

Deutlich angriffslustiger zeigt sich der "Münchner Merkur": "Paff! Gleich beim ersten Realitäts-Check ist der Stimmungsballon, der die SPD von Sieg zu Sieg und ihren Heilsbringer Martin Schulz scheinbar mühelos ins Kanzleramt tragen sollte, geplatzt."

Aus Sicht von Merkel hätte der Auftakt ins Superwahljahr nicht besser laufen können: "Umfragekönig Schulz ist an der Saar als Scheinriese entlarvt worden", jubelt die Zeitung.

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SPD war im "Schulz-Rausch vollkommen enthemmt"

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" sieht einen "kapitalen Fehler" bei der SPD: Im "Schulz-Rausch vollkommen enthemmt" hätten die Sozialdemokraten die Saar-Wahl "zu einem Plebiszit über die Ambitionen ihres neuen Vorsitzenden auf die Kanzlerschaft" gemacht. Das müsste sich die Partei nun ankreiden lassen.

Allerdings wendet die "Stuttgarter Zeitung" ein, dass die Begeisterung für Schulz die SPD im Saarland erst aus dem Umfragetief herausgeführt habe, in dem sie noch im Januar festsaß.

Somit seien die Sozialdemokraten in der Wählergunst zurück auf dem Niveau, das sie bei der letzten Landtagswahl an der Saar vor fünf Jahren erreichten.

"Das ist weit mehr, als sie vor einigen Wochen erwartet haben. Aber es ist deutlich weniger, als sie - euphorisiert vom bundesweiten Schulz-Hype - zuletzt erhofft haben", so die "Stuttgarter Zeitung".

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(bp)