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Chefarzt behauptet: Jährlich sterben tausende Patienten durch Ärzte und Pfleger

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Chefarzt behauptet: Im vergangenen Jahr starben 21.000 Patienten durch Ärzte und Pfleger (Symbolbild) | KatarzynaBialasiewicz via Getty Images
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  • Psychotherapeut Karl Beine schätzt, dass im vergangenen Jahr 21.000 Patienten in deutschen Krankenhäusern, Pflege- und Altenheimen vom Personal getötet wurden
  • Dabei handele es sich auch um Tötungen auf Verlangen
  • Für Mordserien durch Pfleger macht Beine auch den Gewinndruck im Gesundheitssystem verantwortlich

Der Fall des Krankenpflegers Niels H. hat deutschlandweit für Aufregung gesorgt. Der Mann hatte zugegeben, dutzende Patienten ermordet zu haben. Über die genaue Zahl der Patiententötungen in deutschen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen gibt es bislang nur Schätzungen.

Karl Beine, Chefarzt für Psychiatrie und Psychotherapie am St. Marien-Hospital in Hamm, behauptet nun: Im vergangenen Jahr haben Ärzte und Krankenpfleger bei rund 21.000 Menschen aktiv Maßnahmen ergriffen, um ihr Leben zu beenden. Das sagte Beine der "Welt am Sonntag".

"Wir müssen alarmiert sein"

Die Zahl der Patiententötungen basiere auf einer bislang unveröffentlichten Studie, die Beine gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Witten/Herdecke durchgeführt hat. Die Forscher hätten dazu rund 5000 Ärzte, Kranken- und Altenpfleger befragt, ob sie im vergangenen Jahr "aktiv das Leben eines Patienten beendet" oder so etwas in ihrem beruflichen Umfeld beobachtet hätten.

Durch eine empirischen Schätzung ergebe sich die Zahl von 21.000 Patiententötungen in Deutschland. Repräsentativ sei die Zahl nicht. "Unsere Untersuchung ist nur ein Anfang", sagt Beine im Interview. "Ein erster Schritt, um zu zeigen, dass wir alarmiert sind und weiter forschen müssen."

Außerdem seien das nicht alles Morde oder Totschlagsdelikte, erklärt der Psychotherapeut weiter. Es gehe auch um Tötungen auf Verlangen oder Tötungen ohne explizite Willensäußerung des Patienten.

Gewinndruck lässt Nährboden für Tötungen entstehen

Extreme Fälle wie eben die Mordserien von Niels H. oder Irene B., der "Todesengel" an der Charité in Berlin, würden entstehen, wenn Pfleger eine instabile Persönlichkeit aufweisen und von der Bestätigung anderer abhängig wären. Mit der Realität in den Einrichtungen könnten sie nicht umgehen.

"Pfleger und Ärzte lernen in der Ausbildung, dass es auch ihr Beruf ist, Zuwendung zu geben. Dann werden sie in einen Alltag geworfen, in dem Wirtschaftlichkeitspläne das gar nicht vorsehen", erklärt Beine. Der Gewinndruck in den Einrichtungen lasse den Nährboden für solle Taten erst entstehen.

Meist gehe es den Tätern seelisch schlecht. "Sie projizieren nach und nach ihr eigenes Empfinden auf das des Patienten. Dessen Zustand nehmen sie als schlechter wahr, als er tatsächlich ist."

Aus diesem Grund würden die Täter auch stets von sich weisen, jemanden wirklich getötet zu haben. Sie glaubten, den Patienten zu helfen.

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(mf)