"Ich kriege die Krise": Bei "Anne Will" verzweifelt SPD-Frau Dreyer an der Linken Wagenknecht

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ANNE WILL
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  • Bei "Anne Will" versucht eine überraschte Talkrunde das Ergebnis der Saarland-Wahl einzuordnen
  • Unionsfraktionschef Volker Kauder frohlockt, SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer relativiert
  • Der größte Streitpunkt der Diskutanten: Die Bedeutung der Abstimmung für die Bundestagswahl

Die Verwunderung über das Wahlergebnis aus dem Saarland steht den Talkgästen bei "Anne Will" noch ins Gesicht geschrieben. Statt der SPD mit Kanzlerkandidat Martin Schulz ist unerwartet die CDU im Aufwind. 40,7 Prozent, 5,5 mehr als noch 2012, eine deutliche Bestätigung für Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer.

"Ich war auch über unser eigenes Ergebnis überrascht", bekennt Unionsfraktionschef Volker Kauder beim Talk im Ersten. Er sei zwar überzeugt gewesen, dass die CDU stärkste Kraft würde, aber das gute Ergebnis habe ihn dann doch überrascht.

Von der rheinland-pfälzischen SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer möchte Will wissen, ob Martin Schulz denn nun doch nicht übers Wasser laufen könne. "Ist das Duell jetzt schon gelaufen?", fragt Will.

"Schulz Gerede ist infantile Politik-Betrachtung"

Dreyer antwortet erwartungsgemäß: "Naja, es war eine Landtagswahl. Das war kein Duell Merkel-Schulz." Die Wahl sei kein Indikator für die Bundestagswahl.

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So sieht es auch "Spiegel"-Journalist Markus Feldenkirchen: "All dieses Gerede über den Schulz-Effekt ist für mich schon so eine Art von infantiler Politik-Betrachtung und Bewertung", sagte der Hauptstadt-Korrespondent.

Eine Prognose wolle er nicht abgeben, die Wahl im Saarland sei für die Bundestagswahl aber etwa so bedeutend "wie die letzte Landratswahl in der Lausitz", so Feldenkirchen.

Rot-rot-grün wäre für Kauder ein Geschenk

Auch Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sprach angesichts von weniger als 5 Prozent für ihre Partei dem Wahlergebnis die bundespolitische Bedeutung ab: "Es ist im Saarland natürlich immer schwer gewesen für uns."

Doch eines zeigt die Wahl: Die Wähler scheinen kein Bündnis von Linken und SPD an der Regierung sehen zu wollen. Eine Mehrheit im Saarland war gegen eine rot-rote Koalition. Die Taktik der SPD, ein Bündnis mit der Linken als Option nicht auszuschließen, sei "krachend gescheitert", stellt Will fest.

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Sollte die SPD Rot-rot-grün als Machtoption also vor der Bundestagswahl ausschließen, will Will von Dreyer wissen. Nein, sagt die. "Ich würde immer noch dafür plädieren, dass die SPD dafür kämpft, dass sie stärkste Partei wird."

"Sie schließen rot-rot-grün für den Bund nicht aus? Da machen sie Herrn Kauder das schönste Geschenk", sagt Will. Der CDU-Mann stimmt zu eifrig zu: "Es gibt noch bessere Geschenke - aber das wäre schon gut!"

"Schulz hat mit vagen Begriffen hantiert"

Linksfraktions-Chefin Sahra Wagenknecht nennt die Diskussion "schräg". "Wichtig ist doch: Was wollen die Leute inhaltlich?" Sie kritisiert Schulz: Es reiche nicht, von sozialer Gerechtigkeit zu reden, sagt die Linke: "Schulz hat die in ihn gesetzten Hoffnungen nicht unterfüttert. Stattdessen hat er mit vagen Begriffen hantiert."

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Dreyer rollt die Augen. Sie scheint genervt von Wagenknecht. Die SPD-Ministerpräsidentin kontert: "Ich kriege die Krise, wenn Leute immer wieder sagen, dass Martin Schulz für nichts steht."

Der SPD-Kandidat stehe für soziale Gerechtigkeit und mehr Europa. Doch die Linke findet weitere Gründe, warum Schulz kein Fürkämpfer der sozialen Gerechtigkeit ist. Dreyer und Kauder scheinen sich gegen die Angriffe der Linken zu verbünden, lächeln sich an. Man hat das Gefühl, dass da bereits die nächste Zweckehe ausgehandelt wird. Also doch wieder Groko auf Bundesebene?

Umfrageinstitute sind auch ein Verlierer dieser Wahl

Will weist Dreyer darauf hin, dass die SPD im Bundestag bereits eine rot-rot-grüne Mehrheit habe und diese für das Thema soziale Gerechtigkeit längst habe nutzen können. Die bügelt ab: "Es wird nicht besser, wenn Frau Wagenknecht das drei Mal täglich wiederholt." Man müsse in einer Regierungskoalition verlässlich sein. Kauder stimmt der SPD-Frau zu.

"Verlässlich gegenüber Herrn Kauder oder verlässlich gegenüber den Menschen?", faucht Wagenknecht. So wird das nichts mit Rot-Rot im Bund.

Es mag SPD, Linke und Grüne trösten, dass sie nicht die einzigen Verlierer dieser Wahl sind. Kauder findet noch einen weiteren: die Umfrage-Institute.

Die hatten sich bei ihren Prognosen ordentlich vertan. "Vielleicht ist die Zeit der Telefonumfragen auch nicht mehr so, wie sie einmal war", so Kauder.

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(jg)

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