So kämpfen EU-Fans am 60. Jahrestag für ein stärkeres Europa

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So kämpfen EU-Fans am 60. Jahrestag für ein stärkeres Europa (Symbolbild) | dpa
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  • Am Samstag fordern Europa-Fans zum 60. Jubiläum der Gemeinschaft einen stärkeren Zusammenhalt
  • Auf der Straße wollen Verfechter der europäischen Idee ein Zeichen setzen

Die Europäische Union feiert am Samstag ihren 60. Geburtstag. Brexit, fehlender Zusammenhalt in der Flüchtlingsfrage, ansteigender Nationalismus, Griechenland-Krise: Viel zu feiern schien es zuletzt nicht zu geben.

Das Jubiläum der Römischen Verträge soll deshalb dazu dienen, der Gemeinschaft eine neue Vision vorzugeben. "Wir müssen die Frage klären, wie die EU der Zukunft aussehen soll", schreiben EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und EU-‎Haushaltskommissar Günther Oettinger in einem Gastbeitrag in der "Mitteldeutschen Zeitung" am Samstag.

Doch nicht nur Politiker engagieren sich für die europäische Gemeinschaft. Auch etliche EU-Fans aus der Bevölkerung treten diesen Samstag leidenschaftlich für die europäische Sache ein - und kämpfen für ein stärkeres Europa.

"Lasst uns reden und streiten"

So richteten Gewerkschaften und Arbeitgeber - die in den vielen Fragen sonst eher zerstritten sind - einen gemeinsamen Appell an die europäische Politik. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Reiner Hoffmann, und der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Ingo Kramer, schrieben am Samstag in einem Gastbeitrag für die "Bild":

"Lasst uns reden, lasst uns vielleicht sogar streiten, wie wir das Vertrauen der Menschen in die europäische Idee wieder stärken können. Der 60. Geburtstag der Römischen Verträge ist dafür genau der richtige Zeitpunkt."

Derzeit seien die Mitgliedstaaten in wichtigen Fragen zerstritten. Rechtspopulisten drohten, bei einem Wahlsieg aus der EU auszutreten. "Aber Protektionismus und nationale Alleingänge sind keine Lösung", bekräftigten Hoffmann und Kramer.

Europa sei mit seinem Wohlstand und seiner Freiheit weltweit in Vorbild. "Deswegen dürfen wir uns nicht von denen verführen lassen, die das geeinte Europa zerstören wollen", schreiben die beiden.

"Europa braucht einen wirklichen Aufbruch"

Auch der Schriftsteller und Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, Navid Kermani, fordert in einem Interview mit dem "Deutschlandfunk" "einen wirklichen Aufbruch" in Europa. Derzeit würde sich die Gemeinschaft selbst blockieren. Die Länder, die vorangingen, würden von denjenigen aufgehalten werden, die nicht folgen wollen.

Daher sollten Länder, "die wirklich wollen, ein Europa schaffen, eine Zusammenarbeit eingehen, die wirklich funktioniert."

Eine rechtspopulistische Welle bedrohe derzeit die EU. Diese würde Europa aber nicht durch Ängstlichkeit überstehen, "indem wir einfach nur zurückgehen und zurückweichen". Sondern die EU-Fans müssen "mit Mut und auch mit Entschlossenheit für ein stärkeres Europa kämpfen und aufzeigen, wie wertvoll dieses Projekt ist, das wir von unseren Eltern geerbt haben", sagt Kermani.

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Menschen gehen für die europäische Idee auf die Straße

In mehr als fünfzig europäischen Städten wollen Menschen genau das am Samstag tun: Mut beweisen und Zuversicht zeigen. Ursprünglich sollte der "March for Europe" nur in Rom stattfinden. Nach und nach hatten sich jedoch weitere pro-europäische Initiativen angeschlossen, berichtet die "Rheinische Post".

Auch die Bürgerinitiative "Pulse of Europe" unterstützt die Demonstrationen. Am Sonntag will die Bürgerinitiative, wie in den vergangenen Wochen auch, ebenfalls wieder auf die Straße gehen und ein Zeichen für die EU setzen.

"Europa muss gerade jetzt weiterentwickelt werden, es muss bei den Bürgern ankommen. Und die Bürger müssen sich bewusst machen, was sie eigentlich an Europa haben", sagte der Gründer von "Pulse of Europe", Daniel Röder, der Huffington Post.

Auch wenn die EU zu schwächeln scheint: Ihre Fans werden an diesem Wochenende überall zu sehen sein.

Mit Material der dpa.

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(mf)

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