POLITIK
25/03/2017 21:25 CET | Aktualisiert 26/03/2017 10:07 CEST

Der letzte Diktator Europas schlägt zurück - Hunderte Menschen in Weißrussland verhaftet

  • Seit Wochen demonstrieren in Weißrussland Menschen gegen die Politik des autoritären Staatschefs Lukaschenko

  • Die Proteste der Opposition am Wochenende enden mit Gewalt und hunderten Festnahmen

Ob Männer oder Frauen, Alte oder Junge. In Weißrussland kannten die Polizeieinheiten kein Erbarmen und nahmen laut örtlicher Menschenrechtsorganisationen mehrere hundert Menschen bei landesweiten Demonstrationen der Opposition fest. Die Polizei ging Berichten zufolge bei den traditionellen Protesten mit teilweise brutaler Gewalt gegen die Demonstranten in der Hauptstadt Minsk vor (zu sehen im Video oben). In vier weiteren Städten kam es ebenfalls zu Festnahmen.

Spezialkräfte verriegelten mehrere U-Bahn-Stationen im Stadtzentrum von Minsk und hinderten teilweise die Menschen, an den Kundgebungen teilzunehmen, wie das weißrussische Nachrichtenportal "TUT.BY" am Samstag berichtete.

"Tag der Freiheit"

Jährlich finden am 25. März in Weißrussland landesweite Demonstrationen gegen den autoritären Präsidenten Alexander Lukaschenko statt. An diesem Tag feiert die Opposition den "Tag der Freiheit": Am 25. März 1918 wurde zum ersten Mal die Unabhängigkeit des Landes proklamiert. Die Behörden hatten die Proteste nicht genehmigt.

Die weißrussische Menschenrechtsorganisation Viasna geht von mehreren hundert Festnahmen aus, auf ihrer Website listet sie bisher über 240 Namen auf. Eine vollständige Auflistung soll es am Sonntag geben.

Das Innenministerium in Minsk bestätigte der staatlichen Agentur "Belapan" zufolge zahlreiche Einsätze, nannte jedoch zunächst keine genauen Zahlen. In der Hauptstadt, in Gomel und Witebsk wurden mindestens zehn Journalisten festgenommen, darunter auch ein Reporter der britischen BBC.

Spezialeinheiten stürmten Büro einer Menschenrechtsorganisation

Spezialeinheiten hatten ebenso das Büro der Organisation Viasna in Minsk gestürmt und dabei 57 Menschen kurzfristig festgenommen, wie die Organisation auf Twitter mitteilte. Sie hatten die Proteste, bei denen seit Wochen Menschen im ganzen Land gegen die Regierungspolitik protestierten, beobachtet und dokumentiert. Nach Angaben von Viasna wurden seit Februar mehr als 300 Menschen in Weißrussland festgenommen.

In der Ex-Sowjetrepublik Weißrussland protestieren seit Februar zahlreiche Menschen gegen eine Steuer, die Arbeitslose belasten wird. Lukaschenko hatte ausländischen Geheimdiensten vorgeworfen, die Demonstrationen zu steuern. Er hat in 23 Jahren jeden Widerstand gegen seine Herrschaft erstickt.

Europastaatsminister Michael Roth reagierte besorgt auf die Entwicklungen in Weißrussland. "Keine Gewalt. Jetzt deeskalieren. Minsk muss wissen, was auf dem Spiel steht. Meinungsfreiheit respektieren!", twitterte er.

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(ks)

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