Wende im Germanwings-Fall? Gutachter will die wahre Ursache für den Absturz gefunden haben

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Der Flugunfallexperte Tim van Beveren hat die Ergebnisse des Untersuchungsberichts zum Germanwings-Absturz vor zwei Jahren in Zweifel gezogen. Die Ermittler hätten sich schon nach 48 Stunden auf eine Absturzursache festgelegt.

"Etwas Vergleichbares habe ich in den vergangenen 25 Jahren nicht erlebt", sagt er auf einer vom Vater des Todespiloten Andreas Lubitz organisierten Pressekonferenz.

Der Experte legte nahe, dass die Maschine technisch nicht in Ordnung war und das Lubitz das Unglück nicht hervorgerufen haben könne.

"Nicht klar, wer im Cockpit saß"

Nach Ansicht von van Beveren ist außerdem nicht klar erwiesen, wer zum Zeitpunkt des Absturzes der Germanwings-Maschine vor zwei Jahren im Cockpit saß. Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte der Copilot Andreas Lubitz den Airbus absichtlich gegen einen Berg in Südfrankreich gesteuert. Zuvor habe er den Flugkapitän ausgesperrt.

Dies sei nicht zweifelsfrei erwiesen, sagte van Beveren.

Schon vor dem letzten Flug der 2015 abgestürzten Germanwings-Maschine habe es Probleme mit der Cockpit-Verriegelung gegeben. Er habe Informationen erhalten, dass sich eine Crew dieses Jets einmal selbst ausgesperrt habe. Er habe dies den Absturz-Ermittlern auch mitgeteilt. "Es ist nicht untersucht worden", sagte van Beveren am Freitag auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Er kritisierte zudem, dass bei den Ermittlungen zur Unfallursache nur Ingenieure eingesetzt worden seien, aber keine "Human Factor"-Experten, die darauf spezialisiert seien, den Faktor Mensch zu analysieren. Diese könnten beispielsweise aus Stimmenrekorder- und Funk-Aufzeichnungen auf Stress schließen.

Lubitz soll zum Tatzeitpunkt nicht depressiv gewesen sein

Der Vater des Germanwings-Todespiloten Andreas Lubitz verteidigte zuvor den Zeitpunkt seiner Erklärung zum Absturz.

Er erhoffe sich vom zweiten Jahrestag der Katastrophe mehr Aufmerksamkeit für die Aussage, dass sein Sohn zum Zeitpunkt des Absturzes nicht depressiv gewesen sei, sagte Günter Lubitz am Freitag in Berlin.

"Wir haben den Tag nicht gewählt, um die Angehörigen zu verletzen."

"Spezielle Trauersituation"

Die Familie des Germanwings-Copiloten Andreas Lubitz sieht sich zwei Jahre nach dem Absturz in einer speziellen Trauersitation. "Wir müssen damit leben, dass wir nicht nur unseren Sohn und Bruder verloren haben", sagte Günter Lubitz, Vater des Copiloten, am Freitag in Berlin. Die Familie müsse damit leben, dass ihr Sohn schon zwei Tage nach dem Absturz als Verantwortlicher galt.

Der Copilot Andreas Lubitz (27) brachte am 24. März 2015 den Airbus A320 auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf nach Erkenntnis der französischen Ermittler absichtlich zum Absturz in Südfrankreich. Alle 150 Menschen an Bord starben. Zuvor hatte er den Flugkapitän aus dem Cockpit ausgesperrt.

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