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"RT" behauptet, Merkel zu interviewen - doch der Regierungssprecher deckt den Schwindel auf

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STEFFEN SEIBERT
Regierungssprecher Steffen Seibert | Anadolu Agency via Getty Images
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Steffen Seibert, der Sprecher von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), ist ein sehr zurückhaltender Twitterer. Einfach mal so ein paar launige Worte raushauen – das ist nicht sein Stil.

Wenn Seibert also zu Themen abseits der ganz großen Politik Stellung nimmt, fällt das auf. Es muss ihn oder seine Chefin schon etwas ganz massiv geärgert haben.

Am Donnerstagabend war das offensichtlich der Sender RT. Er hatte seine Zuschauer aufgefordert, Fragen einzuschicken, die RT-Journalisten Merkel im Interview stellen wollten.

Merkel bei Putins Propaganda-Sender?

Merkel im Interview mit einem der Schmuddelkinder der Branche, mit Putins Propagandasender? Man kann sich vorstellen, dass da einigen Leuten im Kanzleramt die Luft wegblieb.

Aber Seibert wäre nicht Seibert, wenn er da nicht höchst höflich, aber bestimmt geblieben wäre: "Ich fürchte, mit dieser Ankündigung täuschen Sie Ihr Publikum. Es ist kein Interview mit der Bundeskanzlerin verabredet."

RT redet sich raus

Inzwischen hat RT, das sich rühmt "Der fehlende Part" zu sein – also über alles zu berichten, was die anderen Medien angeblich so bösartig verschweigen - geantwortet.

"Sehr geehrter Herr @RegSprecher, wenn Sie sich da mal nicht täuschen... Schon vergessen, wer @realDonaldTrumpin der Tasche hat?"

Eine Anspielung auf die Macht, die Russland derzeit weltpolitisch zugeschrieben wird – schließlich soll Russland, so der Vorwurf von US-Behörden, versucht haben, die US-Wahlen zugunsten des neuen Präsidenten Donald Trump manipuliert zu haben.

Eine Satire-Aktion

Dann folgen zwei weitere Tweets: "Jetzt mal ehrlich: Dass Frau #Merkel uns ein Interview gibt, ist ein dermaßen absurder Gedanke, dass wir nicht im Traum daran gedacht haben, das als Satire kennzeichnen zu müssen… Es wird natürlich ein Interview mit einem #MerkelDouble."

Nun ist schwer zu sagen, ob RT das tatsächlich immer im Scherz gemeint hatte. Oder sich schnell gesichtswahrend aus der Affäre gezogen hat.

Sicher ist nur, dass ein Merkel-Double erwartet wird. Und einige User sind schon sicher, dass das keine besonders spannende Angelegenheit werden wird.

Auf Facebook fragt der Nutzer Anatoli Loucher, was der Zirkus denn solle: Ein Merkel-Double einzuladen, das Bürgerfragen im Sinn der russischen Propaganda beantwortet?

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(ben)