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Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann greift SPD-Chef Schulz scharf an

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KRETSCHMANN
Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann | Anadolu Agency via Getty Images
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  • Winfried Kretschmann wirft dem SPD-Kanzlerkandidaten vor, Deutschland schlecht zu reden
  • Schulz beschreibe "Deutschland als Jammertal"
  • Kretschmanns Attacke kommt überraschend - verfolgt aber ein klares Ziel

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) geht auf Martin Schulz los.

Dass er dies tut, ist überraschend genug - wie er dies tut, ist es umso mehr.

An die Adresse des neuen SPD-Chefs und Kanzlerkandidaten sagte Kretschmann in einem Interview der "Funke"-Mediengruppe: "Man kann alles verbessern, aber Schulz soll jetzt nicht so tun, als befände sich Deutschland in einem Jammertal."

Und weiter: "In welchem Land geht es denn gerechter zu als in unserem?" Deutschland sei ein gut funktionierender Rechtsstaat mit einem engmaschigen Sozialsystem.

Kretschmann fordert von den Grünen Realo-Kurs

Das sitzt. Denn Schulz zieht seit Wochen mit der Botschaft durch Deutschland, dass es im Land ungerecht zugehe. In der Vergangenheit hatte er sich dafür aus der Union scharfe Kritik anhören müssen. Jetzt also auch von Seiten der Grünen.

Was steckt hinter dem Überraschungsangriff von Kretschmann?

Eine mögliche Antwort: Der Ministerpräsident will seine Partei im Wahlkampf rechts von der SPD positionieren. Als eine Art grüne FDP. Kretschmann gilt als Realo und wirbt schon länger für ein wirtschaftspolitisches Programm, das an die Mittelschicht gerichtet ist und mit dem sich auch Arbeitgeber identifizieren können.

"Keine alten Schlachten um Verteilungsgerechtigkeit"

Damit könnten die Grünen einerseits Wähler der SPD auf ihre Seite ziehen, denen Schulz zu links ist. Und die Partei könnte sich als bürgerliches Korrektiv für eine rot-tot-grüne Regierung empfehlen. Oder eben für Schwarz-Grün.

Kretschmann sagt seiner Partei auch, auf welche Themen sie im Wahlkampf setzen sollte: auf "Megathemen wie Digitalisierung und Fachkräftemangel. Das ist entscheidender als die alten Schlachten um Verteilungsgerechtigkeit, die Sozialdemokraten so gerne führen."

Eine Frage bleibt allerdings: Ob die Partei seinem Kurs im Wahlkampf folgt? Das ist eher unwahrscheinlich, denn Kretschmann ist in seiner Partei hochumstritten.

Sicher dagegen ist: Die Grünen schneiden in den aktuellen Umfragen katastrophal ab. Sie müssen handeln. Bei der Landtagswahl am Sonntag im Saarland drohen sie gar an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern.

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(sk)