EU-Kommissionspräsident Juncker warnt: "Wenn die EU zusammenbricht, wird es einen neuen Krieg geben"

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EU-Komissionspräsident Jean-Claude Juncker | Francois Lenoir / Reuters
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  • US-Präsident Trump findet den Brexit toll
  • Aus Sicht von EU-Kommissionspräsident Juncker sendet Trump damit fatale Singale aus
  • Denn wenn andere Länder dem Beispiel Großbritanniens folgen, könnte das zum Kollaps der EU führen - und zu einem Krieg

Natürlich hat US-Präsident Donald Trump den EU-Ausstieg von Großbritannien vorausgesehen. Schließlich ist der aus Sicht von Trump eine tolle Sache, was er auch unentwegt wiederholt. "Der Brexit wird fantastisch für das Vereinigte Königreich", sagte er zuletzt der britischen Premierministerin Theresa May bei ihrem US-Besuch.

EU-Komissionspräsident Jean-Claude Juncker findet den offensichtlichen Enthusiasmus Trumps für den Brexit nicht nur "überraschend" und "nervig". Er hält ihn sogar für brandgefährlich, wie er der "Financial Times" verriet.

Juncker warnt vor neuem Krieg

"Wenn die Europäische Union zusammenbricht, dann werden wir einen neuen Krieg auf dem Westbalkan haben", warnt Juncker in dem Interview. Diese Mahnung hätte er dem US-Vizepräsident Mike Pence mit auf den Weg gegeben, als dieser im Februar in Brüssel war. Trump solle andere Staaten nicht dazu animieren, sich ebenso von der EU abzuwenden.

Denn aus Junckers Sicht sei es wichtig, dass die südosteuropäischen Länder die Beitrittsperspektive behalten. "Wenn wir sie alleine lassen - Bosnien und Herzegowina, die Republik Srpska, Mazedonien, Albanien, all diese Länder - dann werden wir wieder Krieg haben", gab der 62-Jährige zu bedenken.

Laut Juncker zeige Trumps Brexit-Obsession, wie wenig dieser über die komplizierte Geschichte Europas Bescheid wisse.

Konflikte auf dem Balkan

Nach dem Ende des Kalten Krieges kam es zum Zerfall des Vielvölkerstaates Jugoslawien. In dessen Folge wurde die Region in den 1990er Jahren von extremen ethnischen Konflikten heimgesucht.

Kleinere politische Streitereien flammen immer noch von Zeit zu Zeit auf. Erst Mitte Januar provozierte Serbien mit einem Zug den Kosovo.

"Trump versteht überhaupt nichts von Europa"

Aber auch Trumps "Amerika First"-Rhetorik würde die Europäer verunsichern. Erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges würde ein US-Präsident den Eindruck machen, dass dieser nicht an Europa interessiert sei, erklärte Juncker. "Trump versteht überhaupt nichts von Europa."

So hätte der US-Präsident Juncker bei einem Telefonat für Donald Tusk gehalten, den frisch wiedergewählten Präsidenten des Europäischen Rates. Womöglich weil auch Tusk ein scharfer Kritiker Trumps ist.

Juncker will im April selbst nach Washington reisen - wobei noch offen ist, ob er Trump treffen wird. Es bleibt also noch ein bisschen Zeit für Auffrischungskurse in ehemaliger und aktueller europäischer Politik.

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(ks)

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