Germanwings-Katastrophe: Zuständige Behörden zweifeln an Zwei-Personen-Regel im Cockpit

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LUFTHANSA COCKPIT
Zwei Jahre nach dem Germanwings-Unglück gibt es Zweifel an der Zwei-Personen Regel im Cockpit | Meinzahn via Getty Images
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  • Die Gewerkschaft “Cockpit” will das Vier-Augen-Prinzip im Cockpit abschaffen
  • Dieser Schritt könne die Flugsicherheit verbessern

Das Vier-Augen-Prinzip im Cockpit eines Flugzeugs soll Katastrophen wie das Germanwings-Unglück verhindern.

Jetzt soll es wieder abgeschafft werden. Sowohl die deutsche Pilotengewerkschaft “Cockpit” als auch die deutsche Airline “Lufthansa” zweifeln am Vier-Augen-Prinzip, schreibt die Tageszeitung “FAZ”.

Im Gespräch mit dem Fernsehsender “MDR” erklärte der Gewerkschaftssprecher Markus Wahl, dass diese Regel aus Sicherheitsgründen äußerst bedenklich sei und spricht sich dafür aus, diese Maßnahme abzuschaffen.

Bei dem Germanwings-Unglück vor zwei Jahren hatte der psychisch kranke Co-Pilot Andreas Lubitz den Flugkapitän aus dem Cockpit ausgesperrt und die Maschine der Lufthansa-Tochter Germanwings gegen ein Bergmassiv in den französischen Alpen gesteuert.

Lubitz ließ niemanden mehr ins Cockpit, der diese Katastrophe hätte verhindern können. Alle 150 Menschen im Flugzeug starben am 24. März 2015.

Als Reaktion auf das Unglück wurde die Zwei-Personen-Regel im Cockpit umgesetzt. Sobald ein Pilot das Cockpit verlässt, muss demnach ein Flugbegleiter es betreten. In Gefahrensituationen könne der Flugbegleiter sogleich die Cockpit-Tür für den abwesenden Piloten öffnen.

Zweifel auch von der "Lufthansa"

Gewerkschaftssprecher Markus Wahl sagte jetzt in einem Interview mit dem “MDR”: „Es ist sicherlich richtig: Zwei Mann im Cockpit sind immer sicherer als einer. Doch wenn ich mir dadurch auf der anderen Seite, durch das ständige Rein-und-Raus, ein Risiko erkaufe, dass das Cockpit gestürmt wird, muss man beides gegeneinander abwägen.“

Um die Sicherheit im Flugverkehr zu erhöhen, schlägt der Gewerkschaftssprecher vor, die Drogenkontrollen für Piloten zu intensivieren. "Röhrchen, Urinprobe, Pusten - das ist gerade der Gegenstand von Diskussionen, muss aber jetzt zügig gelöst werden", fordert Wahl.

Kritik an der Regel kommt überraschend auch von der deutschen Airline Lufthansa. Diese hatte die Regel eigentlich nach dem Unglück vor zwei Jahren gefordert.

Der "Focus" zitiert Zuständige der Airline mit den Worten, dass die Regel “aktuell geprüft und bewertet werde” und dass eine endgültige Entscheidung noch nicht gefallen sei.

Jedoch berichten einige Piloten der Lufthansa-Gesellschaften Swiss, Austrian Airlines und Eurowings, dass bereits ab Mai 2017 die Flugbegleiter keinen Zutritt zum Cockpit mehr haben.

Die deutsche Airline Germania und die irische Airline Ryanair wollen allerdings an der Zwei-Personen-Regel festhalten, berichtet “Focus”.

Mehr zum Thema: Germanwings-Absturz: Staatsanwalt erhebt schwere Vorwürfe gegen die "Bild"-Zeitung

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(ben)

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