Ein Deutscher lebt seit Monaten auf einem brasilianischen Flughafen – und beschäftigt Tag für Tag die Polizei

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TERMINAL SAO PAULO
In einem Flughafen zu leben kann durchaus frustrierend sein. | Paulo Whitaker / Reuters
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Viele Reisende, ob mit Bahn oder Flugzeug, kennen das: Oftmals ist nur wenig Zeit zum Umsteigen und plötzlich wird es hektisch. Da kann es durchaus mal passieren, dass man den Anschluss verpasst und ungewollt am falschen Ort landet.

Für einen 44-jährigen Deutschen ist das Szenario aus Steven Spielbergs Kino-Komödie “Terminal” zur Wirklichkeit geworden: Seit 3 Monaten lebt der Mann auf dem Flughafen von São Paulo. Allerdings zeigt sich der unfreiwillige Flughafenbewohner von einer deutlich weniger friedlichen Seite als Tom Hanks in seiner Filmrolle als Dauergast im Terminal.

Der Mann verpasste seinen Anschlussflug

Der rätselhafte Deutsche hatte vor drei Monaten seinen Anschlussflug nach New York und von dort zurück nach Frankfurt verpasst. Der 44-jährige Stephan Brode aus Delmenhorst war legal in das Land eingereist.

Er sei aus Casablanca kommend in São Paulo gelandet, und habe einen Anschlussflug nach New York verpasst, von wo es nach Frankfurt gehen sollte. Laut Medienberichten habe er aber nicht genügend Geld übrig gehabt, um sich einen neuen Flug zu leisten.

Daraufhin habe der Mann, der stets eine rote Rose am Revers trägt, "Stress gemacht", sagte eine Mitarbeiterin des Flughafens dem Sender “Globo”.

Die Frustration über seine missliche Lage gipfelte spontanen Wutausbrüchen geäußert. Diese entluden sich in Attacken auf sechs Frauen.

Das Verhalten des Deutschen sorgt für Medienrummel

Der Deutsche ist inzwischen eine bekannte Figur in den brasilianischen Medien: Inzwischen berichten Nachrichtensendungen in Brasilien über den Deutschen, der sich meist im Bereich in der Nähe der Check-in-Schalter des Flughafens Guarulhos aufhält. Er selbst dementierte die Vorwürfe. “Ich fasse die Personen nicht an. (...) Ich bin doch kein Boxer”, sagte er dem Sender “Globo”:

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Der 44-Jährige attackierte bereits sechs Frauen am Flughafen. Credit: Screenshot Youtube

Videos bezeugen allerdings etwas anderes. Denn wie auf den Aufzeichnungen zu sehen ist, tritt der Deutsche äußert bedrohlich auf. Eine Überwachungskamera zeichnete ebenfalls auf, wie er plötzlich aufsteht und eine Frau, die gerade in ihr Telefon tippt, anpöbelt. Er deutet ihr Schläge an. Daraufhin ergreift sie verstört die Flucht.

Ein anderes Mal attackiert der rund zwei Meter große, kräftige Mann plötzlich eine Frau, die durch eine Schiebetür das Flughafengebäude betreten möchte.

Seine Stimmung scheint stark zu schwanken: Denn auf anderen Videos wiederum ist zu sehen, wie er ganz entspannt ein Buch liest.

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Die rote Rose an seinem Revers ist das Markenzeichen des Deutschen. Credit: Screenshot Youtube

"Das Deutsche Generalkonsulat São Paulo steht in engem Kontakt mit dem Betroffenen und den zuständigen brasilianischen Behörden", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. "Es gibt zwar keine Handhabe, er wird aber von uns überwacht."

Bald könnte sich die scheinbar ausweglose Situation lösen

Die Pattsituation, in der sich der Flughafen und der 44-jährige Dauergast befinden, könnte sich allerdings bald von alleine lösen. Denn das in Brasilien geltende dreimonatige Touristenvisum des Deutschen ist mittlerweile abgelaufen.

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Dem gestrandeten Mann ist von der Polizei inzwischen eine Frist zum Verlassen des Landes gesetzt worden. Ende der Woche läuft diese ab.

Notfalls droht ihm eine Abschiebung.

Zumindest müsste sich der 44-Jährige den Flug in die Heimat dann nicht mehr selber kaufen. Vielleicht ist das aber auch sein Ziel.

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(mm)