"Spiegel"-Journalist beichtet Heroin-Konsum bei Maischberger

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Der Journalist Jörg Böckem enthüllt überraschende Details aus seiner Zeit als Drogenabhängiger | WDR/Melanie Grande
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  • In der Sendung "Menschen bei Maischberger" diskutieren die Gäste über die Freigabe von Drogen
  • Der Journalist Jörg Böckem gestand, dass er Heroin konsumiert hatte - in der Arbeit

In der Sendung "Menschen bei Maischberger" haben die Gäste am Mittwoch über die Frage diskutiert: “Cannabis und Kokain: Sollen Drogen freigegeben werden?”

Eingeladen waren viele, die etwas zum Thema zu sagen hatten. Darunter ein Reporter, der für RTL Drogen getestet hatte, eine ehemals drogenabhängige Mutter, dazu verschiedene Experten. Ein Gast aber verblüffte mit seiner Offenheit die ganze Runde: Jörg Böckem der unter anderem für das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" arbeitet.

Drogenkonsum in der Redaktionstoilette

Er war jahrelang Heroin-abhängig und konsumierte die Droge sogar an seinem Arbeitsplatz beim "Spiegel". "Ich habe gewartet, bis die Kollegen alle in der Kantine waren, habe meine Bürotür zugemacht, dann meinen Druck aufgekocht, die Spritze aufgezogen, bin aufs Klo gegangen, hab‘ geguckt, ob alle Kabinen leer waren …“, sagte Böckem in der Sendung.

Konferenzen habe er nur unter Drogen durchgestanden.

jörg böckem bei maischberger

Die Moderatorin war sichtlich überrascht. "Und keiner hat was mitbekommen? Ich meine, das ist ein Haus von investigativen Journalisten, die finden alles raus“, fragte sie Böckem.

Doch der Drogenkonsum des Journalisten blieb in der Spiegel-Redaktion wohl unentdeckt. ”Was jenseits des Kontextes ist, also nicht erwartet wird, das sieht man auch nicht“, sagte Böckem.

Langsamer Weg in die Abhängigkeit

Böckem sagte über seinen Weg in die Sucht: "Keine Droge führt auf direktem Weg in die Abhängigkeit. In den ersten Jahren waren meine Rauscherfahrungen großartig, überwältigend. Warum sollte ich mir etwas so Faszinierendes madig machen?"

Doch Böckem wurde abhängig, konnte seine Sucht erst im Jahr 2001 besiegen.

Böckem plädiert für eine bessere Aufklärung und eine Entkriminalisierung

Der Journalist plädierte in der Sendung dafür, Abhängige nicht mit Kriminellen gleichzusetzen. Außerdem forderte er Aufklärung und Prävention. "Kein Süchtiger lässt sich von Verboten abschrecken. Statt Strafverfolgung brauchen wir Aufklärung über Wirkungen und Risiken”.

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(sk)

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