Über 50 Jahre hat diese Biermarke frauenverachtende Werbung gemacht – jetzt präsentiert sie ihre neue Kampagne

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SKOL
40 Jahre lang machte diese Biermarke sexistische Werbung – jetzt präsentiert sie ihre neue Kampagne | Skol/Youtube
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Ein kühles Bier, eine leicht bekleidete junge Schönheit: Das lässt Männerherzen höher schlagen.

Zumindest schien die brasilianische Biermarke "Skol" mit diesem Motto für ihre Werbekampagnen lange Zeit ganz gut zu fahren.

Doch mit nackter Haut und kühlem Bier soll nun Schluss sein. Nach massiver Kritik von Frauenrechtlerinnen und Kunden startete das Unternehmen eine neue Werbekampagne, die alles ändern soll.

Die sexistische Werbung hat Tradition

Seit mehr als 50 Jahren verkauft das Unternehmen sein Bier - dabei haben seine sexistische Werbungen schon fast ebenso viel Tradition wie das Produkt selbst.

Zuletzt gewann die fragwürdige Skol Bierwerbung die ersten zwei Plätze auf einer Liste bei "Buzzfeed". Auf “Die 13 heißesten Bierwerbungen aller Zeiten” belegte das chauvinistische Werbeplakat den ersten Platz: Eine Frau, die sich bückt, sodass man ihr mehr oder minder unter den Rock schauen kann. Die Empörung war groß - und das nicht nur bei Frauenrechtlerinnen.

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Platz zwei: Eine Frau, die in knapper Unterwäsche in der Dusche steht. Ihr Gesicht wird dabei freundlicherweise von dem “Skol-Duschvorhang” bedeckt, denn eigentlich soll hier ja Bier beworben werden. Der Zusammenhang erschließt sich dem Betrachter allerdings nicht sofort.

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Neue Zielgruppe, neue Kampagne

Jetzt aber hat Skol eine ganz neue Zielgruppe für sich entdeckt: Frauen. Dass auch die weibliche Bevölkerung einem Bierchen hin und wieder nicht abgeneigt ist, dürfte eigentlich keine neue Erkenntnis sein. Durch die bisherigen Werbe-Kampagnen dürften sich Frauen allerdings eher weniger angesprochen fühlen. Also musste nun eine neue Kampagne her. Und die wird im Netz begeistert gefeiert.

“Diese Bilder sind Teil unserer Vergangenheit. Aber die Welt hat sich verändert und das gleiche gilt für Skol”, sagte ein Sprecher des Unternehmens gegenüber dem Online-Magazin "W&V".

Skol engagierte sechs junge Künstlerinnen, um aus den alten Werbekampagnen eine zeitgemäße Botschaft zu zaubern. Die Arbeit der Frauen gibt es in einem 90 sekündigen Youtube Video zu bewundern.

Emanzipierte, coole Frauen sind in dem Spot zu sehen. Dem Betrachter wird suggeriert: Diese Illustratorinnen verändern hier nicht nur eine Bierwerbung, diese Frauen machen Geschichte. Bye, Bye Sexismus, hallo Gleichberechtigung! Man ist schon versucht, Beifall zu klatschen, doch das Ganze wirkt zu aufgesetzt.

Gleichberechtigung: eigentlich kein neues Thema

Nicht nur existiert die Frauenbewegung schon gut 150 Jahre länger als das Unternehmen Skol, vielmehr nahm die moderne Gleichstellung der Frau in Brasilien in den 60er Jahren ihren Anfang. Also etwa zeitgleich mit der 1964 gegründeten Biermarke Skol.

Das Thema ist also schon deutlich länger aktuell, als es aus den Kampagnen von Skol hervorgeht.

Am Ende bleibt ein schales Gefühl zurück

So sehr man sich dennoch freuen möchte über den neuen Ansatz der Marke, bleibt am Ende das schale Gefühl zurück, dass sich Skol schlichtweg einen Trend zunutze macht. Die Überlegungen hinter der neuen Werbestrategie sind womöglich weniger idealistischer als okönomischer Natur.

Auch wenn von einer wirklichen Gleichberechtigung noch nicht die Rede sein kann, so ist der erste Schritt in die richtige Richtung getan. Glaubt zumindest die Biermarke. Bis dahin darf sich die emanzipierte Frau über die offizielle Website der Biermarke freuen: Die leuchtet jetzt nämlich in einem frauenfreundlichen Pink.

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(mm, ame)

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