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Der Tag nach dem Terror: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Attentat in London

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LONDON
Der Tag danach: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Attentat in London | Reuters
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  • Am Mittwochnachmittag überfuhr ein Mann auf der Westminster Bridge drei Menschen mit seinem Geländewagen
  • Nach dem Angriff in London mit fünf Toten geht Scotland Yard von einem Terrorakt mit islamistischem Hintergrund aus
  • Die Identität des Täters ist geklärt - doch noch immer wirft der Anschlag viele Fragen auf

Einen Tag nach dem Terroranschlag vom Mittwoch geht das Leben in London weiter - weitgehend normal. Viele der Bewohner der englischen Hauptstadt zeigen sich unbeeindruckt von der Gewalttat. Andere legten Blumen an den Orte der Tat nieder oder nahmen an der am Donnerstagabend stattfindenden Trauer-Zeremonie teil.

Die Londoner Polizei versucht derweil weiterhin die Hintergründe des Angriffs aufzuklären. Noch immer gibt der Terroranschlag den Ermittlern viele Rätsel auf.

Die wichtigsten Fragen im Überblick:

Was ist über den Täter bekannt?

Nach Polizeiangaben handelt es sich bei dem Attentäter um einen 52-jährigen Mann namens Khalid Masood. Scotland Yard bestätigte am Donnerstag, dass er in Großbritannien geboren wurde. Masood soll zuletzt in den West Midlands gelebt haben. Er sei unter einer Anzahl von Aliasnamen bekannt gewesen.

Masood sei in der Vergangenheit mit Gewaltdelikten und unerlaubtem Waffenbesitz in Erscheinung getreten, hieß es in einer Mitteilung weiter. Eine Verurteilung wegen terroristischer Aktivitäten habe es nicht gegeben. "Seine erste Verurteilung war 1983 wegen Sachbeschädigung, die letzte 2003 wegen unerlaubten Besitzes eines Messers", hieß es in der Mitteilung der Polizei.

Er wurde nach seinem tödlichen Messerangriff auf einen Polizisten vor dem britischen Parlament von Sicherheitsbeamten erschossen.

Welches Ausmaß hatte die Tat?

Fünf Menschen starben, darunter ein Polizist und der Attentäter selbst, wie Scotland Yard mitteilte. 40 weitere Menschen sind verletzt, einige von ihnen schwer.

Unter den Verletzten sind mindestens drei französische Schüler, wie das französische Außenministerium in Paris mitteilte. Auch zwei rumänische Staatsbürger sollen verletzt worden sein.

london terror
Rettungskräfte versorgen ein Opfer auf der Westminster Bridge nach dem Anschlag

Zudem wurden fünf Südkoreaner bei der Terrorattacke in London nach Angaben des südkoreanischen Außenministeriums verletzt. Eine Frau Ende 60 müsse wegen einer Wunde am Kopf behandelt werden, die anderen vier im ähnlichen Alter hätten Knochenbrüche erlitten, teilte die Behörde mit.

Sie seien bei einer Massenpanik verletzt worden, als mehrere Menschen versuchten, vor dem Angriff zu fliehen. Eine weitere Frau wurde mit schweren Verletzungen aus der Themse geborgen.

Was sind die Hintergründe der Tat?

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beansprucht den Anschlag für sich. Ein "Soldat" des IS habe die Operation ausgeführt, meldete das IS-Sprachrohr Amak. Der Angreifer sei damit Aufrufen gefolgt, Bewohner von Staaten der "internationalen Koalition" anzugreifen.

Damit ist die Anti-IS-Koalition unter Führung der USA gemeint, der unter anderem Großbritannien, Frankreich und Deutschland angehören. Die Echtheit der Nachricht ließ sich zunächst nicht überprüfen. Sie wurde aber über die üblichen IS-Kanäle verbreitet.

Der Terrorismusforscher Peter Neumann geht davon aus, dass das Bekennerschreiben des IS echt ist. Doch sei es eine andere Frage, welche Art von Verbindung existierte, sagte der Experte der Deutschen-Presse-Agentur. Neumann leitet das internationale Zentrum zur Erforschung von Radikalisierung (ICSR) am King's College in London und berät auch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Sachen Deradikalisierung von Islamisten.

Ob Masood wirklich im Auftrag des IS handelte oder aus eigenem Antrieb zur Tat schritt, ist bisher unklar. Zudem stellt sich die Frage, ob der gebürtige Brite seinen Anschlag bewusst genau ein Jahr nach den Attentaten in Brüssel begangen hat.

Wie ist der Stand der Ermittlungen?

In Zusammenhang mit dem Anschlag sind nach Angaben von Scotland Yard acht Menschen festgenommen worden. Zuvor seien sechs Wohnungen in London, Birmingham und anderen Orten durchsucht worden.

Scotland Yard vermutet zwar, dass es sich um einen Einzeltäter gehandelt hat, schließt aber Mitwisser oder Mittäter nicht aus. Im Fokus der Ermittlungen stehen laut einem Sprecher der Polizei "Motivation, Vorbereitungen und seine Komplizen".

Indizien für weitere bevorstehende Gefahren für die Öffentlichkeit gibt es derzeit nach Polizeiangaben aber nicht. Unklar war zunächst auch, was den nach den Hausdurchsuchungen Festgenommenen vorgeworfen wird und in welcher Beziehung sie zu dem Täter standen.

Wie reagieren die Londoner auf den Anschlag?

Tausende Menschen haben am Donnerstagabend am Trafalgar Square in London der Opfer des Terroranschlages gedacht. Londons Bürgermeister Sadiq Khan zündete während einer Gedenkzeremonie vor den Stufen der National Gallery Kerzen für die Opfer an. "Londoner werden sich nie von Terror einschüchtern lassen", rief Khan den Menschen zu.

Doch das Leben in der Großstadt ging auch am Donnerstagmorgen schon weiter. Unter dem Motto "WeAreNotAfraid" - "Wir haben keine Angst" - zeigten viele Briten in den sozialen Netzwerk ihren Trotz gegenüber dem Terror. Der in London lebende Journalist Jakob Horstmann stellte fest: "Den Londonern ist der Anschlag unfassbar egal."

Mit Material der dpa

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