Dieser Extremsportler hat beide Beine bei einem Unfall verloren - wie er damit umgeht, begeistert Tausende

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Der Wissenschaftler und Unternehmer Hugh Herr bei einem TED-Vortrag. | TED
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"Es gibt keine Grenzen“, - kein anderer Satz beschreibt die Lebensgeschichte von Hugh Herr besser. Der amerikanische Extrem-Kletterer verlor nach einem Schneesturm beide Beine unterhalb der Knie. Die Ärzte gaben ihn auf – doch Herr ließ sich durch ihre dunklen Prognosen nicht entmutigen.

Er lernte wieder das Laufen, begann zu klettern und experimentierte mit innovativen Prothesen. Heute ist er nicht nur ein erfolgreicher Selfmade-Man, sondern er gilt auch als Pionier der medizinischen Technik.

Eine Klettertour veränderte sein Leben

Es war eine Klettertour, die das Leben des fanatischen Bergsportlers Hugh Herr für immer verändern sollte. 1982 bestieg er zusammen mit einem Freund den Mount Washington, einen fast 2000 Meter hohen Berg im US-Bundesstaat New Hampshire. Der Gigant aus Granit und Eis ist die höchste Erhebung im Nordosten der USA.

Herr, der bereits als Achtjähriger den fast 4000 Meter hohen Mount Temple in den kanadischen Rocky Mountains erklommen hatte, galt in seiner Teenagerzeit als eines der größten Klettertalente der US-Ostküste.

Immer wieder wagte er sich dabei in taumelige Höhen. Selbst bisher unerschlossene Steilwände, vor denen erfahrene Kletterer zurückschreckten, konnten den jungen Herr nicht aufhalten. Bis zu jenem schicksalshaften Tag auf dem Mount Washington.

Die Lage schien aussichtslos

Die kleine Seilschaft gerät bei ihrem Weg zum Gipfel in einen heftigen Schneesturm und verirrt sich daraufhin auf dem verschneiten Berg. Die Lage scheint so aussichtslos, dass sie bei Temperaturen von 20 Grad unter Null übernachten müssen.

Vier ganze Tage harren die beiden Freunde in einer Eis-Höhle aus, einander umarmend um sich zu wärmen – dann kommt endlich Hilfe. Doch selbst bei ihrer Rettung verunglückt einer der Helfer tödlich.

Durch die schweren Erfrierungen mussten die Ärzte Herr beide Beine unterhalb der Knie amputieren. "Sie werden nie wieder klettern können“, sagen ihm die Ärzte. Der Siebzehnjährige ist am Boden zerstört.

Die Enttäuschung über die Technik ist groß

Herr erhält von den Ärzten Prothesen, um nicht weiter im Rollstuhl bleiben zu müssen. Als sie ihm sagen, er könne mit den Prothesen "nur ein bisschen gehen“, kann er seine Enttäuschung über die schlechte Technik nicht mehr verbergen.

Die Unfähigkeit, herkömmliche Grenzen zu akzeptieren – die vielen Extremsportlern zu eigen ist – legt den Grundstein für seine Karriere als Bionik-Pionier. Getrieben von der Idee, seine volle Kletterfähigkeit wiederzuerlangen, beginnt Herr sich mit dem menschlichen Bewegungsapparat zu beschäftigen.

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Herrs Entwicklungen gelten als Meilensteine in der Medizintechnik. Credit: Hugh Herr

Herr, der immer ein eher mittelmäßiger und fauler Schüler gewesen ist und dem die Felsen stets wichtiger waren als die Bücher, studiert Physik und Maschinenbau.

Wenig später macht er in Harvard seinen Doktor in Biophysik. Nebenbei schraubt er in seinem Keller an seinen Erfindungen. Er versucht sich an innovativen bionischen Prothesen, die an das Nervensystem angeschlossen werden können.

Herr vermutet, dass derartige Unfälle auch eine Veränderung im Gehirn zur Folge haben, die neue Kapazitäten freisetzen können.

Wissenschaftlicher Durchbruch mit innovativer Prothese

Im Jahr 2007 gelingt Herr und seinem Team ein wissenschaftlicher Durchbruch. Herr, der selbst sensorische Prothesen trägt, entwickelt mit einem Experten-Team ein bionisches Knie, dass Beinamputierten einen flüssigen, natürlichen Gang ermöglicht.

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Hugh Herr beim Klettern mit seinen Prothesen. Credit: Caters

Erreicht wird dies durch eine Kombination aus Mikroprozessoren und einem Dämpfungsmechanismus, der sich an die Körperhaltung und die Gewichtsverteilung dynamisch anpasst.

Herrs Entwicklung dieser intelligenten Prothesen gilt als Meilenstein gegenüber den statischen Prothesen wie dem Jaipur-Fuß aus dem Jahr 1971.

Bionische Beine die ihren Trägern übermenschliche Fähigkeiten verleihen

Nach diesem Erfolg merkt Herr auch, dass es nicht mehr sein Ziel ist, Beine zu bauen, die genau dasselbe können wie biologische Gliedmaßen. Er will jetzt Beine, die seine Kletterfähigkeiten verbessern und ihm übermenschliche Fähigkeiten geben.

2010 entwickelt der produktive Erfinder auch den "BiOM T2“, die erste batteriebetriebene Fuß- und Fußgelenkprothese der Welt. Sie kann die Funktion des Fußes mit einem komplexen Netz aus Mikroprozessoren nachahmen.

Inzwischen arbeitete Herr an sogenannten Exo-Skeletten, also an Geräten, die sich von außen um den menschlichen Körper wickeln und so beispielsweise Schlaganfallpatienten helfen können, ihre gefühllos gewordenen Arme wieder bewegen zu können.

"Jeder Mensch sollte das Recht haben, ohne Behinderung zu leben"

"Jeder Mensch sollte das Recht haben, ohne Behinderungen zu leben“, sagt Herr in einem TED-Vortrag. Fast die Hälfte der Weltbevölkerung leide unter irgendeiner Form von sensorischer, motorischer oder kognitiven Fehlfunktion ihres Körpers, sagt Herr. Die "physiologische Funktionalität des eigenen Körpers“ sei ein Menschenrecht.

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Die bionischen Prothesen von Hugh Herr bei einem TED-Vortag. Credit: TED

Inzwischen ist Herr nicht nur ein gefragter Unternehmer, Wissenschaftler und Redner, sondern er klettert auch wieder. Sogar besser als zuvor, wie er selbst sagt. "Meine neuen Kletterfüße haben jetzt die Größe von Babyfüßen. Sie sind wirklich sehr klein, damit gelange ich überall hin“, sagt Herr.

Es gibt keine Grenzen

Der Wissenschaftler ist sich sicher, dass seine Arbeit die Welt verändern kann. Er möchte die Lücke zwischen Fähig-Sein und Nichtfähig-Sein, zwischen gesundem Körper und Behinderung schließen.

Mittlerweile spricht Herr sogar von Neuroimplantaten, die den Blinden das Sehen ermöglichen, und maschinellen Körperteilen, die volle Rehabilitation bei jeder Art von körperlichem Manko bieten.

Und das sei nur der Anfang, sagt Herr und fügt an: "Es gibt keine Grenzen!“

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(ame)