Attentat in London: Verwirrung um die Identität des Angreifers

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LONDON
Attentat in London: Verwirrung um die Identität des Angreifers | AP
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  • Nach dem Angriff in London mit fünf Toten geht Scotland Yard von einem Terrorakt mit islamistischem Hintergrund aus
  • Am Mittwochnachmittag überfuhr ein Mann auf der Westminster Bridge drei Menschen mit seinem Geländewagen
  • Vor dem Parlament erstach er einen Polizisten, bevor er erschossen wurde
  • In den britischen Medien gibt es widersprüchliche Berichte über die Identität des Attentäters

Hier lest ihr die wichtigsten Fragen und Antworten zu der Attacke in London.

Was ist passiert?

Mittwochnachmittag, 14.40 Uhr in London. Auf der Westminster-Bridge lenkt plötzlich ein Mann einen Geländewagen vom Typ Hyundai Tucson auf den Gehweg, auf dem zahlreiche Touristen flanieren.

Der Fahrer erfasst mehrere Menschen. Eine spanische Passantin springt in die Themse und wird später schwer verletzt aus dem Fluss gerettet. Eine andere Frau weicht auf die Fahrbahn aus und wird dort von einem roten Doppeldecker-Bus erfasst und stirbt. Der Fahrer rast nach Westen in Richtung des Parlaments und kracht in den Zaun der Anlage vor dem Big Ben.

Ein Mann steigt aus und greift mit zwei Messern einen unbewaffneten Polizisten an. Er sticht den Mann zwei Mal in den Nacken. Zivilpolizisten fordern den Mann auf, sich zu ergeben. Weil er sich weigert, erschießen sie den Angreifer mit drei Schüssen.

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Der Angreifer steuerte den Wagen in den Zaun vor dem Big Ben

Tobias Ellwood, Staatssekretär im Außenministerium, eilt herbei und versucht den schwer verletzten Polizisten mit einer Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung am Leben zu halten. Doch er stirbt im Hof der Parlaments. Der Täter wird von Rettungskräften versorgt, stirbt aber im Krankenhaus.

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Tobias Ellwood, Staatssekretär im Außenministerium, versuchten den schwer verletzten Polizisten wiederzubeleben - vergeblich

Wie viele Opfer gab es?

Bei den Toten des Anschlags handelt es sich um den 48-jährigen Polizisten, drei Passanten sowie den Täter. Etwa 40 Menschen werden verletzt.

Unter den Verletzten sind mindestens drei französische Schüler, wie das französische Außenministerium in Paris mitteilte. Auch zwei rumänische Staatsbürger sollen verletzt worden sein.

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Rettungskräfte versorgen ein Opfer auf der Westminster Bridge nach dem Anschlag

Auch fünf Südkoreaner sind bei der Terrorattacke in London nach Angaben des südkoreanischen Außenministeriums verletzt worden. Eine Frau Ende 60 müsse wegen einer Wunde am Kopf behandelt werden, die anderen vier im ähnlichen Alter hätten Knochenbrüche erlitten, teilte die Behörde mit. Sie seien bei einer Massenpanik verletzt worden, als mehrere Menschen versuchten, vor dem Angriff zu fliehen.

Unklar blieb zunächst, ob auch deutsche Staatsangehörige betroffen sind.

War es ein Terroranschlag?

Dass es sich nicht um einen Unfall handelt, ist offensichtlich. Unklar ist noch, ob es sich um ein politisches Attentat handelt. "Wir behandeln diesen Zwischenfall als Terror-Akt", teilte Scotland Yard mit. Die Ermittler gehen allerdings von einer Tat mit islamistischem Hintergrund aus.

Nach Einschätzung des Terrorismusforschers Peter Neumann deutet alles auf einen islamistischen Hintergrund hin. "Dieser Anschlag passt genau in das Muster der Anschläge, die wir gesehen haben von Nizza und Berlin. Das ist genau die Art von Anschlag, die der IS promoted und anstiften will", sagte Neumann der Deutschen Presse-Agentur.

Neumann leitet das internationale Zentrum zur Erforschung von Radikalisierung (ICSR) am King’s College in London und berät auch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Sachen Deradikalisierung von Islamisten. Bei den Anschlägen im vergangenen Sommer in Nizza und vor Weihnachten in Berlin waren die jeweiligen Täter mit Lastwagen in Menschenmengen gerast.

Was ist über den Täter bekannt?

Scotland Yard geht davon aus, dass die Identität des getöteten Attentäters geklärt ist. "Wir gehen davon aus, dass er vom internationalen Terrorismus inspiriert wurde", sagte der Sprecher. Weitere Details wollte er zunächst nicht nennen. Das Fahrzeug hatte der Mann nach einem Bericht von BBC Newsnight gemietet. In der Nacht stürmte die Polizei eine Wohnung in Birmingham.

Mehrere britische Medien, darunter der "Independent", berichteten, dass es sich bei dem Angreifer um Abu Izzadeen handeln soll. Der islamistische Prediger mit dem bürgerlichen Namen Trevor Brooks hatte öffentlich angekündigt, als Selbstmordattentäter sterben zu wollen.

Nach anderen Berichten, unter anderem von der BBC, soll er zurzeit allerdings im Gefängnis sitzen. Sowohl sein Bruder als auch sein Anwalt gaben an, dass er Izzadeen weiterhin hinter Schloss und Riegel sitzt. Der "Independent" zog daraufhin seinen Bericht zurück.

Auf Fotos der Presse von Wiederbelebungsversuchen am Täter war ein südasiatisch aussehender Mann zu sehen, der eine Glatze und einen Bart hat und große Ähnlichkeit mit Abu Izzadeen hat.

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(sk)