Lidl beendet viel beworbenes Prestigeprojekt

Veröffentlicht: Aktualisiert:
LIDL
Chaos bei Lidl - Discounter beendet viel beworbenes Prestigeprojekt | Jacky Naegelen / Reuters
Drucken
  • Die Supermarktkette Lidl stoppt die Pläne für das Online-Angebot "Lidl-Express"
  • Auch weitere Modernisierungsmaßnahmen werden vorerst auf Eis gelegt
  • Grund für den plötzlichen Kurswechsel könnte der Wechsel an der Unternehmensspitze sein

Die Supermarktkette Lidl wollte eigentlich in die Zukunft investieren, am Besten auch als Erster ins Online-Geschäft einsteigen. Außerdem wollte Lidl vom Image eines Billig-Discounters weg und weitere Modernisierungsmaßnahmen starten.

Doch nun rudert die Supermarktkette aus Neckarsulm plötzlich zurück und stoppt sowohl das Online-Geschäft als auch weitere Innovationen.

Ist der Wechsel an der Unternehmensspitze schuld für den plötzlichen Modernisierungsstopp

Grund dafür ist vermutlich der Wechsel an der Unternehmensspitze. Der ehemalige Lidl-Chef Sven Seidel hatte sich erst im Februar von der Konzernspitze verabschiedet und wurde von Jesper Hojer abgelöst.

Die Fachzeitschrift “Lebensmittelzeitung” berichtet, dass “mit diesem Wechsel erst kürzlich angestoßene Modernisierungsschritte deutlich eingedampft wurden.”

Da neue Online-Angebot "Lidl-Express" wurde kurz nach dem Wechsel an der Konzernspitze eingestampft.

Sogar das neue Online-Angebot "Lidl-Express" wurde eingestellt.

Das Pilotprojekt “Lidl-Express” wurde auf Eis gelegt, obwohl wochenlang Werbung dafür gemacht wurde, berichtet das Nachrichtenmagazin “Stern”.

Mit "Lidl-Express" hätten Kunden auch außerhalb der Öffnungszeiten Ware einkaufen und abholen können

Mit Konzept “Lidl-Express” wäre Lidl einer der Pioniere im Online-Lebensmittelhandel gewesen.

Die Kunden hätten auf der Webseite “lidl-express.de” einen virtuellen Warenkorb füllen können und ein großes Angebot an frischen Waren wie Obst, Gemüse und Fleisch gehabt. Außerdem wären der Abholzeitpunkt und die Express-Filiale frei wählbar gewesen. Ein Vorteil dabei: Eine Abholung wäre auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich gewesen.

In einer Testfiliale in Berlin hätte man das Pilotprojekt gestartet.

Und sogar eine Testfiliale gab es schon in Berlin-Schöneberg. Doch “Lidl-Express” ist für den Konzern nun Vergangenheit.

Lidl hätte noch vor "Amazon fresh" auf den Markt gehen können

Den Zeitpunkt des Strategie-Stopps hätte ungünstiger nicht sein können. Denn nur wenige Wochen nach dem vorzeitigen Ende von “Lidl-Express” hat das Onlineportal “Amazon” das Einkaufskonzept “Amazon Fresh” gestartet.

Zu dem Stopp der Modernisierungspläne bei Lidl sagte der Firmenchef der Schwarz-Gruppe Klaus Gehrig gegenüber der “Lebensmittelzeitung”: “Immer schöner, größer und teurer sei Lidl zuletzt geworden”.

Die Fachzeitschrift fügt noch hinzu, dass Lidl “zu viele und zu teure Projekt angestoßen hätte".

Für weitere Modernisierungen setzt Lidl nun auf "flexible Filialkonzepte"

Zusätzlich zum Stopp des geplanten Online-Geschäfts hat der Konzern auch weitere Modernisierungspläne zurückgestellt. Eigentlich wollte das Unternehmen viele Filialen umbauen und insgesamt drei Milliarden Euro dafür investieren, berichtet der “Stern”.

Es sollten laut “Stern” breitere Gänge, höhere Decken, Kundentoiletten und Automaten mit frischem Kaffee in die neuen Filialen kommen. Dem Bericht der “Lebensmittelzeitung” zufolge sollen lediglich nachgebesserte Standardgeschäfte in die Städte kommen.

Mehr zum Thema: Mit diesem Schritt will Amazon Rewe und Lidl platt machen

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(ben)

Korrektur anregen