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Umfrage zeigt, wie europabegeistert junge Menschen sind - und welchen Fehler Politiker gerade machen

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EUROPA
Junge Tschechinnen freuen sich über den EU-Beitritt ihres Landes | getty
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  • Junge Menschen in Deutschland, Österreich, Polen, Tschechien, Ungarn und der Slowakei stehen zu Europa
  • Dieses deutlich positive Bild der EU zeigt eine Umfrage der Bertelsmann Stiftung
  • Ein Rückbau der EU, wie von einigen Politikern vorgeschlagen, wäre deshalb ein fataler Fehler

Stolze 60 Jahre alt wird die Europäische Union (EU) am Samstag. Und sie kann an ihrem Ehrentag auf eine erfolgreiche Geschichte zurückblicken: Die Bürger profitieren von offenen Grenzen, mehr Wohlstand und mehr Sicherheit.

Aber der Brexit, die Nachwehen der Finanzkrise, der Zustrom hunderttausender Flüchtlinge und das Erstarken der Nationalisten in vielen EU-Staaten haben die Union in den vergangenen zwei Jahren gebeutelt. Europaweit diskutieren Politiker deshalb gerade darüber, Europa in seiner aktuellen Form abzuschaffen. Von einem Europa der zwei Geschwindigkeiten ist die Rede, und gar von einem Kerneuropa mit nur einer Handvoll Staaten als Mitglieder.

Doch das wäre ein fataler Fehler, wie eine Umfrage zeigt.

Jugend liebt Europa

Denn trotz harter Zeiten gibt es vor allem in der jungen Generation viele Europa-Fans. Das zeigt eine jetzt veröffentlichte Studie der Bertelsmann Stiftung.

Wer also Politik für die jungen Menschen machen will, sollte Europa in seiner aktuellen Form erhalten.

Für ihre Studie haben die Forscher 3000 Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren in Deutschland, Österreich, Polen, Slowakei, Tschechien und Ungarn befragt. Das Überraschende: Eine große Mehrheit der Teilnehmer in diesen Staaten bewertete die EU-Mitgliedschaft ihres Landes als positiv: In Deutschland hat die EU mit 87 Prozent Zustimmung die meisten jungen Fans, in der Slowakei mit immer noch stolzen 70 Prozent die wenigsten.

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Im Allgemeinen, glaubst du, dass die Mitgliedschaft deines Landes in der EU… ? (in %) (Quelle: Bertelsmann Stiftung)

In allen sechs Ländern zeigt sich zudem eine deutliche Mehrheit, die sich für einen Verbleib ihres Landes in der EU ausspricht. Auch hier ist der Wert in Deutschland am höchsten (77 Prozent). Nur neun Prozent der jungen Deutschen befürworten einen Ausstieg aus der EU.

Aber auch die jungen Österreicher (71 Prozent), Ungarn (65 Prozent), Polen und Slowaken (64 Prozent) sowie Tschechen (60 Prozent) stehen klar hinter der europäischen Integration, wenngleich sie eher Bedarf für Reformen sehen.

Diese Zahlen spiegeln sich auch in anderen Umfragen wider, sogar im wirtschaftlich gebeutelten Südeuropa: Bis auf Griechenland sind die jungen Menschen in allen EU-Ländern mehrheitlich pro Europa.

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Glaubst du, dass es das Beste für Dein Land wäre... (in %) (Quelle: Bertelsmann Stiftung)

Den Frieden und die Grundfreiheiten zu bewahren, werden als zentrale Gründe für die EU sowohl von den jungen Leuten hierzulande als auch in den anderen fünf Ländern genannt.

"Das zeigt sehr deutlich, wie selbstverständlich bestimmte Aspekte der Integration für die Befragten geworden sind", unterstreichen die Autoren der Studie.

Aber auch unter jungen Europäern gibt es Sorgen, die EU betreffend.

Die größten Probleme für die EU sehen die meisten Befragten im islamistischen Fundamentalismus und Terrorismus (74 Prozent), in der Immigration und Zuwanderung von Flüchtlingen (70 Prozent) sowie in der Umweltverschmutzung, dem Klimawandel und möglichen dadurch verursachten Katastrophen (64 Prozent).

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Die Europäische Union steht heute vor vielen Problemen. Bitte versuche zu bewerten, wie groß diese Probleme sind. (in %)(Quelle: Bertelsmann Stiftung)

Deutlich gespalten zeigten sich die jungen Menschen in den sechs Ländern in ihrer Wahrnehmung zur Zuwanderung und zu Flüchtlingen.

Deutschland zeigt sich hier als Ausnahme: Nur hierzulande sehen junge Menschen mehr positive Effekte von Immigration, wie eine Verbesserung der demografischen Entwicklung eines Landes oder ein Ankurbeln des Wirtschaftswachstums.

In den vier untersuchten östlichen EU-Ländern ist das genaue Gegenteil der Fall. Vor allem in Ungarn und der Slowakei zeigt sich eine deutlich negative Haltung zur Zuwanderung.

"Union erlebt einen ungeahnten Zuspruch"

Trotz alledem kommen die Autoren der Studie zu einem positiven Fazit. Mit Blick auf die teils antieuropäische Rhetorik, die insbesondere aus Ungarn aber auch aus Polen zu vernehmen ist, "erlebt die Union sogar dort ungeahnten Zuspruch, wo es die politische Rhetorik der Regierungen nicht erwarten ließe."

Dieses Fazit sollten sich aber nicht nur die Politiker in Osteuropa zu Herzen nehmen - sondern im Sinne der jungen Menschen Politiker in ganz Europa.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

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(KS/ben)