"Süddeutsche Zeitung" sorgt sich um die Milliardäre in Deutschland

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Ferdinand Piëchs Rolle im VW-Abgasskandal ist noch ungeklärt | dpa
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  • In kaum einem anderen Land leben so viele Milliardäre wie in Deutschland
  • Über dreißig verließen allerdings 2016 das Land
  • Das ist für "Süddeutsche Zeitung" Anlass genug, sich um die Top-Vermögenden zu sorgen

Einige Superreiche scheinen Deutschland zu hassen. Ob wegen des Wetters oder der hohen Steuerbelastung: Aus keinem anderen Land der Welt wandern so viele Milliardäre ab wie aus Deutschland.

Glaubt man der am Dienstag veröffentlichten neuen Hurun-Liste, dem chinesischen Pendant zur Forbes-Liste, dann haben 2016 31 Milliardäre das Land verlassen - 12 davon gingen in die nahe Schweiz.

In Deutschland leben allerdings noch immer 109 Milliardäre - das ist Platz 3 im weltweiten Vergleich. Und trotz der vermögenden Auswanderer sind das 27 sehr reiche Menschen mehr als noch 2016. Der Milliardärs-Exodus mag also eine Nachricht wert sein, ist aber eigentlich kein wirklicher Grund zur Aufregung.

Reiche nicht einfach an den Pranger stellen

Doch ausgerechnet die linksliberale "Süddeutsche Zeitung" ergreift nun Partei für Deutschlands obere 0,0001 Prozent. Marc Beise, Leiter der "SZ"-Wirtschaftsredaktion, kritisiert mit Blick auf die geplante Einführung einer Steuer für Spitzenverdiener und Vermögende:

"Die Reichen über das bekannte Maß der progressiven Steuer (je höher das Einkommen, desto höher auch der Steuersatz) hinaus abzukassieren, macht keinen Armen reicher." Multimillionäre und Milliardäre könnten gar nicht genug nachbelastet werden, um unten spürbar zu entlasten.

Ebenso würden die Pläne von SPD, Grünen und Linken Teile der Mittelschicht treffen. Einfach "'die Reichen' an den Pranger zu stellen" blende die positiven Implikationen von großen Vermögen in einer Gesellschaft sträflich aus, warnt Beise.

Denn: Große Vermögen seien das Rückgrat manch eines Traditionsunternehmens. Das Geld werde investiert - in Unternehmen, Ideen, Kunst und Kultur. Bisweilen würden Milliardäre zudem der öffentlichen Hand unter die Arme greifen, dort wo das Wasser bereits bis zum Hals steht.

"Milliardäre stehen Deutschland gut"

Gerade letzteres dürfte allerdings eher die Ausnahme als die Regel sein. Es ist außerdem gar nicht die Aufgabe der Milliardäre und schafft Abhängigkeiten.

Beise weiß, dass große Vermögen durchaus aus eher fragwürdigen oder gar illegalen Quellen stammen können. Der "SZ"-Wirtschaftschef betont aber: "Häufig genug aber sind sie (große Vermögen, Anm. d. Red.) Folge von Leistung und Eigeninitiative in einer offenen Gesellschaft. Man sollte sie nicht vertreiben, sie stehen Deutschland gut."

Fraglich ist, ob gigantische Vermögen verteilt auf wenige Köpfe dem Land tatsächlich gut stehen - man denke nur an den Fall Schlecker oder den Milliardär Piëch und seine fragwürdige Rolle im VW-Skandal.

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(jg)

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