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"Die Schulz-Starre": Medien warnen vor einem Wahlkampfdebakel für Merkel

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ANGELA MERKEL
Kanzlerin Angela Merkel | Leonhard Foeger / Reuters
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  • Der Erfolg von SPD-Kanzlerkandidat Schulz bereitet der Union zunehmend Sorgen
  • Kanzlerin Merkel und ihr Wahlkampfteam suchen nach einem Gegenmittel
  • Und auch die Medien fragen sich, wie Merkel gegen Schulz bestehen kann

Die SPD berauscht sich an der 100-Prozent-Wahl von Martin Schulz zum Parteivorsitzenden.

Und die Union? Die zeigt sich zunehmend verunsichert, wie Medien konstatieren.

Ein "nerviges Weiter so" bei der Union kritisiert die "Welt".

Die "Landshuter Zeitung" warnt gar vor einem "Debakel" für Merkel.

Von einer "Schulz-Starre" spricht die "Süddeutsche Zeitung".

"Süddeutsche Zeitung": CDU braucht politische Fantasie

Der SPD-Kanzlerkandidat ist "als Gefühlsbombe in das Geschäft geplatzt", er hinterließ die CDU mit der Kanzlerin an der Spitze perplex, schreibt die "SZ". Falsch wäre es aber aus Sicht der Zeitung, "Schulz als waghalsigen Dampfplauderer oder als Populisten zu diffamieren".

Zwar seien Merkels über Jahre im Kanzleramt gesammelten Erfahrungen und Leistungen ein Vorteil. Doch für Dienste der Vergangenheit wird man nicht wiedergewählt, urteilt die "SZ". Ein weiteres Problem: "Was die Christdemokraten in den kommenden zehn Jahren erreichen möchten, ist bislang rätselhaft."

Die CDU brauche deshalb mehr politische Fantasie. Werden die Zukunftsvorstellungen zumindest glaubhaft vorgestellt, könnte das durchaus Leidenschaft wecken - "erst in den eigenen Reihen und dann im Land", glaubt die "SZ".

"Die Welt": "Das 'Weiter so' der CDU-Führung nervt"

Auch "Die Welt" kritisiert, dass man bisher nicht wisse, was die Union will. "Bislang stehen die 'Schwarzen' am Spielfeldrand und bestaunen die einem Wunder ähnliche Wiederauferstehung der Sozialdemokratie", urteilt "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt.

Mehr als rummaulen und klein machen sei aber bis dato nicht dabei herumgekommen. Kurzum: "Das 'Weiter so' der CDU-Führung nervt", poltert Poschardt. Schon bei den anstehenden Landtagswahlen könne das schiefgehen.

Ähnlich sieht das auch die "Landshuter Zeitung". In der Union würde derzeit ein Spruch kursieren, der an ein Motto der Friedensbewegung erinnert: "Stell dir vor, es ist Wahlkampf und keiner geht hin."

Je länger die kühl wirkende Kanzlerin bei dieser Devise bleibe, desto größer werde die Gefahr, "dass sie gegen den heißblütigen Herausforderer Martin Schulz am Ende ein Debakel erlebt", so die "Landshuter Zeitung".

"Frankfurter Rundschau": Merkel soll die Wahlkämpferin in sich entdecken

Deshalb fordert auch die "Frankfurter Rundschau" Merkel auf, "endlich die Wahlkämpferin in sich zu entdecken". Obwohl die Zeitung zugleich skeptisch ist: "Die Partei ruft nicht mehr 'Angie, Angie' – die Kanzlerin zieht hier nicht mehr."

Die "Lausitzer Rundschau" warnt die Union in diesem Zusammenhang allerdings davor, auf Gefühle zurückzugreifen. Diese würden der Kanzlerin nicht stehen. Auch Merkels Motto "Ruhe bewahren" sei in dieser Lage der falsche Ansatz.

"Denn wer zu lange ruht, kommt irgendwann nicht mehr in Gang", gibt die Cottbusser Zeitung zu bedenken. Immerhin könne so aber die Wahl im Saarland am Sonntag zum Weckruf werden. Für Merkel und ihre Partei.

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(ben)