Russische Kriminelle haben 20 Milliarden Dollar Schwarzgeld in die EU transferiert

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SBERBANK
Ein Man hebt Geld von einem russischen Bankautomat ab | Eduard Korniyenko / Reuters
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  • Über mehrere Jahre hinweg sind vermutlich Milliarden Dollar Schwarzgeld aus Russland auf EU-Konten gelandet
  • Dabei nutzten die Unternehmen wohl ein Geflecht aus britischen Briefkastenfirmen und korrupten Richtern in Moldau, wie die "SZ" berichtet
  • Auch deutsche Firmen profitierten erheblich von dem System
Mindestens 20,7 Milliarden Dollar dubioser Herkunft sind zwischen 2010 und 2014 aus Russland in die EU geflossen. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

Involviert in den wohl größten Geldwäsche-Vorfall der vergangenen Jahre: Briefkastenfirmen in Großbritannien und mutmaßlich korrupte Richter in der Republik Moldau . Über sie wurde das Schwarzgeld auf legale Konten im Westen transferiert und dort zum Einkauf im großen Stil benutzt. Woher das russische Geld allerdings genau stammt, ist nicht bekannt.

Auch Deutsche Unternehmen profitierten kräftig von dem Geschäft, wie aus Daten hervorgeht, die der "SZ" und internationalen Medien vorliegen.

In einem Datensatz von etwa 70.000 Überweisungen konnte die "Süddeutsche Zeitung" 662 Fälle identifizieren, in denen Geld von Konten in Lettland genutzt wurde, um in Deutschland Rechnungen zu bezahlen.

Die russische Geldwaschmaschine

Firmen oder Menschen aus Russland, der Ukraine oder Weißrussland kauften Produkte im Einzelhandel oder ließen sich Waren liefern. Die Bezahlung übernahmen immer die Briefkastenfirmen. 66,5 Millionen Dollar landeten auf diesem Weg in den Büchern deutscher Unternehmen oder bei Privatpersonen.

Bereits im Jahr 2014 deckten Journalisten des Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) das gigantische Geldwäsche-System auf, das mutmaßlich von Russland aus gesteuert wurde. Sie nannten es "The Russian Laundromat" - die russische Waschmaschine.

Dem OCCRP und der russischen Tageszeitung "Nowaya Gazeta" wurden nun Daten zugespielt, die erstmals zeigen, wer von dem Geld profitierte. Medien aus 32 Ländern, darunter die "Süddeutsche Zeitung" und der britische "Guardian", haben die Daten gemeinsam ausgewertet.

Weil viele Datensätze noch unbearbeitet sind, ist es wahrscheinlich, dass in den kommenden Tagen weitere Enthüllungen ans Licht kommen.

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(ben)