"Wir wollen eine Regierung mit der SPD": Kurz vor der Saarland-Wahl macht der Linke Lafontaine SPD-Chef Schulz ein eindeutiges Angebot

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OSKAR LAFONTAINE
Der Linke Oskar Lafontaine macht Martin Schulz ein eindeutiges Angebot | NurPhoto via Getty Images
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  • Kurz vor der Wahl im Saarland bietet der Linken-Fraktionsvorsitzende Lafontaine SPD-Chef Schulz eine rot-rote Koalition an
  • Offenbar will auch Lafontaine auf diese Weise vom "Schulz-Effekt" profitieren

Auftakt für das deutsche Superwahljahr: Rund 800.000 Menschen im Saarland sind am kommenden Sonntag zur Wahl eines neuen Landtags aufgerufen.

Und dort will die Linke offenbar auch vom Schulz-Effekt profitieren und sich als möglicher Koalitionspartner der SPD profilieren. "Wir wollen eine Regierung mit der SPD", sagte der Vorsitzende der Links-Fraktion im Saarland, Oskar Lafontaine, im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung.

"Leider hält sich die SPD eine Große Koalition offen"

Lafontaine ruft dazu auf, für die Linke zu stimmen, um den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz von einer Neuauflage der Großen Koalition abzubringen: "Leider hält sich die SPD für den Fall, dass sie stärkste Partei wird, auch die Große Koalition offen. Je stärker die Linke wird, umso wahrscheinlicher wird eine rot-rote Regierung."

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Lafontaine nannte Bedingungen für eine politische Zusammenarbeit mit der SPD auf Bundesebene. Ob die SPD für die Linkspartei koalitionsfähig sei, "hängt davon ab, welchen Kurs Schulz einschlägt. Nur wenn er Rentenkürzungen und Lohndrückerei rückgängig macht, ist ein Bündnis möglich. In Österreich hat ein Durchschnitts-Rentner 800 Euro mehr im Monat. Fast die Hälfte der Deutschen hat wegen der Agenda 2010 heute weniger Einkommen als 1999.“

Mit Schulz habe er einen "guten Gesprächskontakt", betonte der ehemalige Bundesfinanzminister. Für den Umfrage-Aufschwung der SPD sieht Lafontaine zwei Gründe: "Die Merkel-Müdigkeit spielt eine Rolle.“

"Faire Zusammenarbeit auf Augenhöhe"

Der zweite Grund: "Martin Schulz hat der SPD neue Hoffnung gegeben.“ Mit Blick auf die am Sonntag bevorstehende Landtagswahl im Saarland ergänzte Lafontaine: "In der Landespolitik stimmen wir in vielen Fragen überein.“

Deshalb falle es ihm auch nicht schwer, nach der Wahl eine SPD-Spitzenkandidatin zur Ministerpräsidentin zu wählen. Wichtig sei aber eine "faire Zusammenarbeit auf Augenhöhe".

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Nach den jüngsten Meinungsumfragen wird die Wahl am Sonntag spannend werden. Lange galt eine Neuauflage der großen Koalition aus CDU und SPD als wahrscheinlich.

Ein Bündnis ohne die CDU wird immer realistischer

Möglich erscheinen nun aber auch eine rot-rote oder rot-rot-grüne Regierung. Mit dem Aufwind, den die SPD in den Umfragen durch Schulz bekommt, ist ein Bündnis ohne die CDU im Saarland realistischer geworden.

Die Saarland-Wahl wird trotz der geringen Zahl von Wahlberechtigten auch in Berlin aufmerksam registriert. Schließlich ist sie der erste politische Stimmungstest des Jahres.

Der setzt sich am 7. und 14. Mai mit den Wahlen in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen fort und findet seinen Höhepunkt dann in der Bundestagswahl am 24. September.

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(ks)