Merkel droht Erdogan - aber der zeigt mit einem einzigen Satz, wie egal ihm das ist

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  • Kanzlerin Merkel hat genug von Erdogans Beleidigungen
  • Am Montag drohte sie, Auftritte seiner Minister in Deutschland zu verbieten
  • Erdogan reagierte darauf trotzig - und mit weiteren Beleidigungen
  • Eine Zusammenfassung des Textes seht ihr oben im Video

Es ist eine Ohrfeige für Kanzlerin Merkel.

Erst am Montag hat sie erneut deutliche Worte an den türkischen Präsidenten Erdogan gerichtet: Die Nazivergleiche aus der Türkei müssten aufhören - ansonsten würde es ein Wahlkampfverbot für türkische Politiker in Deutschland geben.

Und was bringt Recep Tayyip Erdogan nur einen Tag später? Natürlich einen Nazi-Vergleich.

"Ein rassistisches, faschistisches und grausames Europa"

"Dieses Europa ist das Europa vor dem Zweiten Weltkrieg, ein rassistisches, faschistisches und grausames Europa", sagte er am Dienstag in Ankara. Mit nur einem Satz hat Erdogan gezeigt, wie egal ihm Merkels appel à l'ordre ist.

"Dieses Europa ist ein Europa des Mittelalters und ein Türken- und islamfeindliches Europa", wütete Erdogan weiter.

Zwar griff er Deutschland nicht wie in der Vergangenheit direkt an - aber das Zeichen an Merkel war dennoch deutlich.

Erdogan greift Europa und Deutschland seit mehr als zwei Wochen immer wieder scharf an. Am Sonntag hatte er Bundeskanzlerin Angela Merkel sogar persönlich "Nazi-Methoden" vorgeworfen. Er schwadronierte außerdem über Gaskammern und Sammellager in Europa.

Keine weiteren Wahlkampfauftritte der AKP in Deutschland

Die Beziehungen sind wegen der Absage von Wahlkampfauftritten türkischer Minister in Europa angespannt. Am 16. April entscheiden die Türken in einem Referendum über die Einführung eines Präsidialsystems, das Erdogan mehr Macht verleihen würde.

Am Dienstag hatte die AKP-naheVereinigung Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) mitgeteilt, dass es keine weiteren Wahlkampfauftritte von türkischen Regierungsmitgliedern in Deutschland geben werde.

Sie kam somit einem möglichen Verbot durch die Bundesregierung zuvor.

"Deniz Yücel ist ein Agent und Terrorist"

Europa könne der Türkei nicht mehr drohen, sagte derweil Erdogan: "Von wegen Beitrittsprozess mit der Europäischen Union oder Rücknahmeabkommen. Dies oder jenes. Mit keinem davon können sie uns mehr drohen. Damit ist es nun vorbei."

Den inhaftierten "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel nannte Erdogan erneut einen "Agenten und Terroristen". Spionage von Europäern "unter unterschiedlichen Titeln" werde die Türkei nicht mehr dulden.

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(jg)

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