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Mama mit 50? Theologin erklärt bei "Hart aber fair", warum die Reproduktionsmedizin falsche Hoffnungen weckt

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HART ABER FAIR
Michaela Freifrau Heereman warnt vor überzogenen Erwartungen. | ARD
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  • Bei “Hart aber fair“ spricht Caroline Beil darüber, wie es ist, als 50-Jährige Mutter zu werden
  • Die Reproduktionsmedizin hätte die Frauen freier in ihren Entscheidungen gemacht
  • Eine katholische Theologin warnt hingegen vor falschen Hoffnungen

Dank Errungenschaften der Reproduktionsmedizin können Frauen heute mit dem Kinderkriegen warten und sich in jungen Jahren auf ihren Beruf konzentrieren. Aber sollen sie das auch? Die Meinungen zu dieser Frage gingen bei “Hart aber fair“ auseinander.

Caroline Beil weiß aus eigener Erfahrung, von was sie spricht. Die Schauspielerin und Moderatorin ist 50 Jahre alt – und wird diesen Sommer wieder Mutter. Sie beklagte in der Sendung, dass die Gesellschaft mit zwei unterschiedlichen Maßstäben hantiere: Ältere Männer könnten problemlos Kinder kriegen, ohne dass sie schief angeschaut würden.

Frauen im selben Alter hingegen ernteten oft Kritik für ihre Entscheidung, erst spät Kinder zu kriegen. “Wir leben eigentlich in einer pseudo-emanzipierten Gesellschaft.“ Trotz ihres Alters habe sie keinerlei Beschwerden gehabt, sie fühle sich gesund, aktiv und bereit für ihr Kind.

Hilfe aus dem Labor

Moderator Frank Plasberg wandte ein: “Aber es gibt auch Grenzen der Natur. Mit 50 wird eine Frau kaum noch alleine schwanger.“ Beil räumte ein, dass auch sie und ihr Partner ärztliche Hilfe geholt hätten, damit sie so spät nochmals schwanger werden konnte. Sie begrüße es, dass technische Errungenschaften es den Frauen heute erlaubten, auch später noch schwanger zu werden.

“Ich finde es großartig, dass es die Möglichkeiten gibt für Frauen heutzutage“, sagte die Schauspielerin. Techniken wie das Social Freezing, bei dem gesunde Eizellen eingefroren und quasi "für später" aufgehoben werden, brächten gerade Frauen mit Karrierewunsch viel.

Sand in den Augen der Frauen

Michaela Freifrau Heereman war da weit skeptischer. Die katholische Theologin ist Mutter von sechs Kindern. “Manchmal habe ich den Eindruck, dass den Frauen ein bisschen Sand ins Auge gestreut wird.“

Denn das Einfrieren von Eizellen und andere Techniken der Reproduktionsmedizin funktionierten längst nicht immer so zuverlässig, wie vielen Frauen gesagt würde.

Es gäbe keine Garantie für Frauen, dass sie auch noch später in ihrem Leben Kinder kriegen können. “Dann Frauen dazu verlocken, das aufzuschieben, das finde ich schon ein Problem. Denn dann schlittern sie zu oft in eine ungewollte Kinderlosigkeit, was ein großer Kummer ist.“

Dieser falsche Glaube daran, das Kinderkriegen dank der Reproduktionsmedizin locker noch ein paar Jahre aufschieben zu können, sei für sie ein Problem. “Ich finde es gegenüber den Frauen ungerecht.“

Wer hat schon Zeit für's Kinderkriegen?

Mit Techniken der Reproduktionsmedizin und dem kritiklosen Glauben an diese verdecke man schon fast das wirkliche Problem: “Es ist beschämend, dass ein so reiches Land wie Deutschland den jungen Frauen im Grunde die Zeit nicht lässt, um rechtzeitig Mutter zu werden.“

Und nach der Geburt hätten viele Frauen das Gefühl, sie müssten das Kind möglichst bald in die Krippe geben. Dafür seien wirtschaftliche Gründe verantwortlich. Hier müsse ein Umdenken stattfinden.

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(bp)