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Wie ein Brasilianer seit 40 Jahren Baum für Baum den Regenwald rettet

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BRASIL FOREST DEFORESTATION
Área desmatada para criação de gado. Deforested area for cattle. | LeoFFreitas via Getty Images
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  • Der Brasilianer Antonio Vicente pflanzt seit Jahrzehnten einen Wald
  • Er will damit die Zerstörung seiner Heimat Sao Paulo aufhalten
  • Mittlerweile hat er schätzungsweise 50.000 Bäume angepflanzt

Schon als Kind hat der Brasilianer Antonio Vicente eine Beobachtung gemacht, die sein Leben für immer prägen sollte: Er sah den Wald seiner Heimat verschwinden. Vicente fasste einen Plan, und ließ sich auch als Erwachsener nicht davon abbringen - auch wenn seine Nachbarn sagten, er sei verrückt.

Vicentes Geschichte ist die eines krassen Außenseiters. Vor 40 Jahren begann er, einen Wald zu pflanzen, während sich der Rest Brasiliens daran machte, den Dschungel abzuholzen - und er hat bis heute nicht damit aufgehört. Der britische "Guardian" hat den Brasilianer nun porträtiert.

"Der Boden hat sich in Sand verwandelt"

Vicente wuchs demnach als eines von vierzehn Kindern auf einer Farm auf. Sein Vater arbeitete dort. Als Kind habe er hier beobachten können, wie sein Vater so lange Bäume gefällt habe, bis die Brunnen der Farm schließlich versiegten. Wälder sind unentbehrlich, um das Ökosystem zu erhalten. Die Bäume speichern Wasser und schützen den Boden.

Als die brasilianische Regierung in den 70er Jahren begann, billige Kredite an Landbesitzer auszugeben, um ihren Besitz auszuweiten, sei Vicente daher beunruhigt gewesen.

"Die Regierung hat Land billig hergeschenkt, aber das Land war zu nichts nutze", sagt er dem "Guardian" über die Entwicklung. "Die Leute haben Bäume gefällt, aber nach drei, vier Jahren hat sich der Boden in Sand verwandelt und nichts wuchs mehr."

1973 kaufte er selbst ein fast völlig gerodetes Stück Land im Bundesstaat Sao Paulo und pflanzte seine ersten Bäume. Seine Nachbarn, Rinderzüchter und Milchbauern, hätten ihn nicht verstanden. "Du bist dumm. Bäume pflanzen ist eine Verschwendung von Land. Wenn es voll mit Bäumen ist, hast du keinen Platz mehr für Tiere oder Getreide", sollen sie laut "Guardian" gesagt haben.

Auf seinen 31 Hektar, so schätzt Vicente selbst, habe er mittlerweile über 50.000 Bäume angepflanzt. "Wenn man mich fragt, wer meine Familie ist, würde ich sagen: all das genau hier. Jeden Baum habe ich gepflanzt", so Vincente. Aus ein paar Bäumen sind mit den Jahren mehrere Wäldern geworden.

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Der Regenwald Brasiliens ist nach wie vor bedroht

Laut dem "Guardian" wurden in den letzten 30 Jahren 183.000 Hektar Regenwald in Sao Paulo abgeholzt. Die Zeitung zitiert eine Studie der SOS Atlantic Forest Foundation, um die Dimension dieser Zahl anschaulich zu machen: Demnach wären einst 69 Prozent des brasilianischen Bundesstaats von Wald bedeckt gewesen. Heute seien davon nur 14 Prozent übrig.

Und der Regenwald in Brasilien ist weiterhin bedroht. Zuletzt stiegen die Zahlen der gefällten Bäume in dem südamerikanischen Land wieder, wie unter anderem der "Spiegel" berichtet.

Vicente ist daher ein umso größeres Vorbild. "Wenn jeder seinem Beispiel folgen würde, wäre unsere Aufgabe um einiges leichter", sagt Rodrigo Medeiros, Vizepräsident von Conservation International Brazil, einer Umweltschutz-Organisation.

"Die Dimension der Wiederherstellung, die wir leisten müssen, ist beispiellos in der Geschichte Brasiliens. Ohne Wälder sind Wasser, Nahrung und ein angenehmes Klima nicht möglich", sagt er.

"Ich habe das nicht für das Geld getan", sagt Vicente über sein Projekt. "Ich habe das getan, damit etwas für jeden zurückbleibt, wenn ich sterbe." Nun würde ihn, fügt er am Ende hinzu, keiner mehr als verrückt bezeichnen.

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(jg)