Die Reaktion der Union auf den Schulz-Erfolg offenbart ihre größte Schwäche

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MERKEL
Die Reaktion der Union auf den Schulz-Erfolg offenbart ihre größte Schwäche | Fabrizio Bensch / Reuters
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  • Während die SPD feiert, macht die Union mit Kritik an Schulz Schlagzeilen
  • Das gehört im Wahlkampf dazu - zeigt aber auch, wie nervös die Konservativen geworden sind
  • Mit Schulz-Kritik alleine werden sie die Wahl nicht gewinnen

Jetzt sind auch alle bei der Union wach: Mit 100 Prozent haben die Sozialdemokraten Martin Schulz zu ihrem Parteichef gemacht. 100 Prozent. Irre.

Nicht, dass man im Konrad-Adenauer-Haus vorher geschlafen hätte. Aber seit dem Wochenende haben die Konservativen endgültig in den Wahlkampfmodus geschaltet. Zumindest, so gut es eben geht.

Unionspolitiker attackieren Schulz

CDU-Vize Julia Klöckner nannte Schulz am Wochenende einen Populisten. CDU-General Peter Tauber spottete am Montagmorgen schlecht gelaunt, Schulz sei "100 Prozent unkonkret".

CSU-General Andreas Scheuer nannte den SPD-Kanzlerkandidaten einen "Party-Schulz", den das Land nicht brauche. Schulz sagte zuvor einen Koalitionsausschuss für ein Sommerfest ab.

Und der CDU-Wirtschaftsexperte Michael Fuchs beschäftigt sich schon den ganzen Montagvormittag mit Schulz möglichen Falschaussagen.

Mehr hat die Union im Wahlkampf derzeit nicht zu bieten

Diese Vorwürfe gehören im Wahlkampf nunmal dazu. Sie offenbaren aber auch ein Problem, das die Konservativen derzeit haben: Mehr als persönliche Attacken haben sie im Wahlkampf derzeit nicht zu bieten. Und das ist zu wenig - Schulz hat seine Partei auch nicht mit Merkel-Kritik euphorisiert.

Merkel wird durch ihr Amt in ein Termin-Korsett gezwungen, das sie im Wahlkampf quasi unbeweglich macht. Besuch bei Trump, am nächsten Tag in Hannover auf der Cebit - wo soll da noch Zeit sein für Bühnenauftritte, Talkshow-Besuche und Interviews?

Erst in der Sommerpause will die Union richtig aufdrehen, man hört in diesen Tagen manchmal den Satz: "Hinten wird die Ente fett". Bis dahin verharrt die Union in den Startlöchern, während die Sozialdemokraten eine wahre Showmaschine um ihren Spitzenkandidaten in Gang gesetzt haben.

Und das macht die Konservativen zunehmend nervös.

Die Union braucht dringend Wahlkampf, kann aber nicht richtig loslegen

Denn Schulz trifft dort, wo es Merkel wehtut.

Er hat Charisma, kann die Leute mitreißen. Er steht tatsächlich für eine Alternative, nämlich Rot-Rot-Grün. Oder, mit Abstrichen, Rot-Grün-Gelb. Das heißt: Mehr Investitionen, mehr Umverteilung, höhere Sozialleistungen.

Anders die Union. Man kann ihr zwar nicht vorwerfen, dass sie keine Alternative zur Politik der Großen Koalition anbietet: eine schärfere Sicherheitspolitik, Steuerentlastungen und eine unternehmensfreundlichere Wirtschaftspolitik taugen allemal zum Alleinstellungsmerkmal.

Ohne Merkel werden die Konservativen das aber nicht an den Wähler bringen.

Union würde ein bisschen mehr Gelassenheit gut stehen

So läuft die Union Gefahr, sich am politischen Gegner totzulaufen, statt mit mutigen Vorschlägen die eigenen Wähler zu begeistern. Dabei müssen CDU und CSU genau das schaffen, wenn sie die verlorenen AfD-Wähler zurückgewinnen wollen.

Hinzu kommt, dass der Union ein bisschen mehr Gelassenheit gut stehen würde.

Sie ist mit der SPD in Umfragen immer noch gleichauf. Es ist völlig offen, wer die Wahl gewinnt oder eine neue Regierung führt. In der Kanzlerfrage punktet mal Merkel, mal Schulz.

SPD profitiert in Bundesländern vom Schulz-Hype

Weder müssen also die Konservativen in Panik verfallen noch sollten sich die Sozialdemokraten siegessicher sein.

Das gilt im übrigen auch für die kommenden drei Landtagswahlen: Wer die kommenden Ministerpräsidenten im Saarland, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen stellt, lässt sich nicht seriös vorhersagen.

Wahr ist aber auch, dass die SPD in allen drei Bundesländern vom Schulz-Hype profitiert hat.

Auch in den Sonntagsfragen zur Bundestagswahl haben die Sozialdemokraten massiv zugelegt. Und dass Schulz mit 100 Prozent zum Parteichef gewählt wurde, ist eine gewaltige Ansage für den Bundestagswahlkampf.

Die CDU muss nun aufpassen, dass sie nicht in die SPD-Falle tappt

SPD und Union diskutieren also mit unterschiedlichem Vorzeichen. Während die SPD eine gute Nachricht nach der anderen beflügelt, zeigen die Indikatoren der Union eher nach unten.

Die CDU muss nun aufpassen, dass sie nicht in die SPD-Falle tappt. Wenn sie den Mut verliert, verliert sie die Wahl. Da kann sie noch so sehr an Schulz herumnörgeln.

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(jg)

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