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Eine Frau findet 20.000 Euro im Bus - die Reaktion der Stadt Hamburg ist eine Frechheit

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  • Eine Hamburgerin hat 20.000 Euro in einem Bus gefunden - bekommt aber keinen angemessenen Finderlohn
  • Die Stadt Hamburg dagegen kassiert eine hohe Geldsumme
  • Die wichtigsten Infos des Textes seht ihr auch im Video oben

20.000 Euro in einer Plastiktüte findet man nicht alle Tage - doch die Hamburgerin Sophie Dorison hat im vergangenen Sommer genau dieses Glück gehabt.

Das Geld behielt sie jedoch nicht selbst, sondern ging vorbildlich zur Polizei und gab es dort ab. Einen kleinen Finderlohn rechnete sie sich wohl aus - doch schon ein paar Tage nach dem Fund wurde klar: Den würde es in angemessener Form nicht geben.

Alte Sonderregel bringt Dorison um ihren Lohn

Das liegt an einer absurden Sonderregelung. Diese tritt in Kraft, da Sophie Dorison das Geld in einem öffentlichen Verkehrsmittel und nicht auf der Straße gefunden hat.

Der Paragraf 978 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) schreibt nämlich vor, dass die Finderin nur die Hälfte des Finderlohnes, nämlich drei Prozent des Fundwertes, erhält. Hätte sie das Geld auf der Straße gefunden, würde ihr laut Paragraph 971 des BGB ein weitaus größerer Finderlohn zustehen.

Die Hamburgerin erhält nur 300 Euro gesetzlichen Finderlohn

Da sich nach der gesetzlich vorgeschriebenen Frist von sechs Monaten niemand beim Fundbüro gemeldet hatte, wurde jetzt die Verteilung des Finderlohnes beschlossen.

“Hätte ich gewusst, was dann kam, hätte ich anders gehandelt”, sagt die ehrliche Hamburgerin gegenüber der Tageszeitung “Hamburger Abendblatt”.

Nur knapp 300 Euro bekommt Dorison nun. Die restliche Geldsumme behält die Stadt Hamburg.

Sie müsse ständig den Behörden "hinterherrennen"

Und die ungerechte Behandlung geht noch weiter, wie Dorison beschreibt. Denn bis jetzt hat sie den Betrag noch nicht erhalten. “Ich fühle mich getäuscht”, sagt sie dem “Hamburger Abendblatt”.

Sie musste nämlich zunächst auch ihre Finderrechte umständlich juristisch geltend machen.

Die Hamburgerin lebt in einer Eineinhalbzimmerwohnung und hat keine finanziellen Rücklagen, schreibt das “Hamburger Abendblatt”. Darüber hinaus versuche sie schon seit einigen Wochen, eine genaue Auskunft vom Fundbüro zu erhalten. Sie müsse sozusagen ständig den Behörden “hinterherrennen”.

Die Stadt Hamburg beschäftigt dieser Fall anscheinend wenig. Obwohl der erste Bericht des “Hamburger Abendblattes” sogar bundesweit Aufmerksamkeit erregt hat, beharrt die Stadt auf dem Gesetz.

"Wenn ich nochmal in die Situation käme, würde ich auf eigene Faust handeln"

Die 46-jährige Dorison ist enttäuscht und wütend. Und das macht sie auch deutlich: “Wenn ich noch einmal in die Situation käme, würde ich das Geld ganz sicher nicht selbst behalten. Aber ich würde wohl zuerst auf eigene Faust versuchen, irgendwie die Eigentümerin des Geldes zu finden.”

Eine positive Reaktion auf Dorisons Geschichte kommt von einem "Abendblatt"-Leser aus Stuttgart

Die ganze Geschichte hat jedoch auch etwas Positives. Nach dem Bericht des “Hamburger Abendblattes” vom letzten Sommer, hat sich ein Stuttgarter Leser gemeldet. Ihn hat die Geschichte der ehrlichen Finderin vermutlich besonders gerührt - denn er hat Dorison die andere Hälfte des Finderlohnes geschenkt.

Damit bekommt die Frau nun insgesamt 600 Euro.

“Ich habe auch eine Dankeskarte vom HVV bekommen”, sagt sie der Tageszeitung. Sie freue sich über diese positiven Rückmeldungen zu ihrer Geschichte.

Dorison befürchtet aber: "Welcher Finder wird nach dieser Geschichte noch so handeln, wie man es sich wünscht?”

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(lm)