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20/03/2017 22:59 CET | Aktualisiert 21/03/2017 09:52 CET

FBI-Direktor Comey hat Trump zur Präsidentschaft verholfen - jetzt könnte er sie ihm entreißen

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FBI-Direktor Comey hat Trump zur Präsidentschaft verholfen - jetzt könnte er sie ihm entreißen

  • FBI-Direktor James Comey hat Hillary Clinton im Wahlkampf massiv geschadet

  • Auch dank ihm ist Trump Präsident geworden

  • Jetzt ist Comey seinem eigenen Chef auf den Fersen

Ausgerechnet der Mann, der Donald Trump zur Präsidentschaft verholfen hat, droht nun, ihm diese wieder zu entreißen.

Am Montagmorgen bestätigte FBI-Chef James Comey dem US-Kongress, dass seine Behörde gegen das Wahlkampfteam Trumps ermittle. Das FBI geht dem Verdacht nach, Trumps Vertraute könnten mit Russland kollaboriert haben, um die US-Wahl zugunsten ihres Chefs zu beeinflussen.

Comeys Ermittlungen gegen Trumps Konkurrentin Hillary Clinton in der E-Mail-Affäre hatten zum Wahlsieg des Republikaners beigetragen.

Am 28. Oktober letzten Jahres eröffnete der FBI-Chef das Verfahren gegen die Demokratin wegen Nutzung eines privaten Servers für dienstliche E-Mails.

Aber erst zwei Tage vor der Wahl am 9. November sprach er sie von allen Vorwürfen frei.

Doch es war zu spät. Die angeschlagene Clinton konnte sich nicht von dem Tiefschlag erholen. Trump wurde Präsident. Jetzt muss er fürchten, von Comey genauso gekippt zu werden, wie einst seine Rivalin.

Der Verdacht: Trumps Vertraute könnten mit Russland kollaboriert haben, um die US-Wahl zugunsten ihres Chefs zu beeinflussen. Das FBI will untersuchen, ob sich Trumps Leute Verbrechen schuldig gemacht haben.

Die US-Geheimdienste sind sich jetzt schon sicher, dass Wladimir Putin den Wahlkampf in den USA manipuliert hat, um Trump zum Präsidenten zu machen. Sollte sich herausstellen, dass dessen Team in solche Vorgänge involviert gewesen ist, wäre das Landesverrat - und wohl das Ende der Präsidentschaft Trumps.

Gründe für Comey und das FBI, um Ermittlungen anzustellen, haben Trump und sein Gefolge genug geliefert.

Trump-Team im Visier des FBI

So musste Trumps Nationaler Sicherheitsberater Michael Flynn wegen dubioser Verbindungen nach Russland zurücktreten. Gegen mehrere seiner Wahlkampfmitarbeiter und Vertrauten steht der Verdacht im Raum, dass sie ebenfalls Kontakte nach Russland hatten. Justizminister Jeff Sessions verschwieg dem US-Senat ein Treffen mit dem russischen Botschafter.

Trumps Anwalt Michael Cohen verwickelte sich in Widersprüche, als er zu einem geheimen Friedensplan mit Russland befragt wurde. Und dann ist da noch der Skandal-Report über ein angebliches Sex-Video Donald Trumps, in dessen Besitz der russische Geheimdienst FSB sein soll.

Erst diesen Mittwoch veröffentlichte das Magazin “Forbes” ein Interview mit dem russischen Oligarchen-Sohn Emin Agalarov, in dem dieser mit den hervorragenden Beziehungen seiner Familie zu Donald Trump prahlt: “Jetzt, wo er gewählt wurde, vergisst er seine Freunde nicht.”

Doch Comey könnte auch persönliche Gründe für die Ermittlungen haben. Er möchte seinen Namen reinwaschen.

Comeys Ruf ist ruiniert

Denn der FBI-Direktor steht seit seinem Wahlkampfstunt um die E-Mail-Affäre Clintons massiv in der Kritik. Selbst konservative Kommentatoren nahmen Anstoß an seiner Entscheidung, erneut gegen die Demokratin zu ermitteln.

Das Justizministerium leitete Untersuchungen gegen Comey ein. Und auch Comeys eigene Agenten und Anwälte zeigten sich entsetzt über das Vorgehen ihres Chefs.

Zu allem Überfluss entblößte Comey eine perfide Doppelmoral, als er sich kurz vor der Wahl und nach seiner Ankündigung der neuerlichen Untersuchung gegen Clinton weigerte, dem Senat Auskunft über mögliche Ermittlungen im Zusammenhang mit Trumps Verbindungen zu Russland zu geben.

Nun gibt er diese also doch bekannt. In seinem Sinne besser spät als nie - denn Comeys Ruf ist bereits ruiniert. Er ist fast gezwungen, sich gegen Trump zu positionieren, um seinen Ruf noch zu retten.

So war dann auch schon im Januar abzusehen, dass das FBI sich von Trump distanzieren würde - damals verweigerte es die Behörde dem Präsidenten, Gerüchten über seine Verbindungen nach Russland zu widersprechen.

Comey ermittelt - und Trump wird nervös

Jetzt schreckt Comey also auch nicht vor Ermittlungen gegen seinen eigenen Dienstherrn zurück. Und das sorgt bei diesem für einige Aufregung.

Nur Stunden vor Beginn der Befragung twitterte Trump am frühen Montagmorgen, die Anschuldigungen gegen ihn seien nur eine Erfindung der US-Demokraten, um von ihrer schweren Wahlniederlage abzulenken.

Trump schrieb in einem zweiten Tweet, die eigentliche Geschichte, um die sich das FBI mit dem Kongress und anderen kümmern müsse, sei das Weiterverbreiten vertraulicher Informationen.

Am Mittwochabend ereignete sich dann Erstaunliches: Trumps Team twitterte über das offizielle Konto des Präsidenten, dass Comey bestätigt habe, es habe keine russische Beeinflussung der Wahl gegeben und es sei richtig, dass es keine Beweise für eine Zusammenarbeit der Trump-Kampagne mit Russland gebe.

Das ist zu großen Teilen falsch. Comey bestätigte nicht, dass es keinerlei Eingriffe Russlands in die Wahl gegeben habe - nur, dass dies nicht durch Hackerangriffe auf Wahl-Automaten geschehen sei.

Und es ist zwar richtig, dass es außer im Fall Flynn keine Beweise für eine Trump-Kreml-Kollaboration gibt. Es gibt allerdings auch keine definitiven Beweise für das Gegenteil.

Und genau das macht Trump so nervös.

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(bp/ben)