POLITIK
20/03/2017 09:44 CET | Aktualisiert 20/03/2017 16:15 CET

"Erdogan hat nicht alle Tassen im Schrank": Politiker reagieren entsetzt auf Nazi-Vorwurf gegen Merkel

Umit Bektas / Reuters
Der türkische Präsident Erdogan

  • Die "Nazi"-Vorwürfe des türkischen Präsidenten Erdogan gegen Angela Merkel lösen Empörung aus

  • Deutsche Politiker aller politischen Lager stellen sich hinter die Bundeskanzlerin

Deutsche Politiker reagieren mit Empörung auf Vorwürfe des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der hatte ihr zuvor "Nazi-Methoden" unterstellt.

Außerdem unterstellte Erdogan Europa, bald wieder Gaskammern und Sammellager zu eröffnen.

Der Vorsitzende der konservativen EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, Manfred Weber, warnte Erdogan angesichts der rhetorischen Eskalation vor einer weiteren Verschärfung des Konflikts mit Deutschland.

"Der Stolz einer Nation kann nicht durch das Beleidigen anderer verteidigt werden", sagte der stellvertretende CSU-Vorsitzende den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Mit dieser aggressiven Politik schadet er seinem eigenen Land am meisten." Erdogans Attacken würden mit jedem Tag bizarrer. Europa werde sich allerdings nicht provozieren lassen.

"Erdogan hat Interesse an der Macht – an sonst nichts"

Erdogan hatte im Streit um Wahlkampfauftritte türkischer Politiker in Deutschland am Sonntag persönlich an die Kanzlerin gewandt. "Du wendest auch gerade Nazi-Methoden an", sagte er an Merkel gerichtet in Istanbul. "Bei wem? Bei meinen türkischen Geschwistern in Deutschland, bei meinen Minister-Geschwistern, bei meinen Abgeordneten-Geschwistern, die dorthin reisen."

Mehr zum Thema: "Anne Will": Vor dem Referendum droht CDU-Mann Röttgen den Türken

Ex-Innenminister Gerhart Baum (FDP) machte seinem Unmut bei "Anne Will" Luft. Erdogan habe "nicht alle Tassen im Schrank", polterte er. "Erdogan hat Interesse an der Macht – an sonst nichts."

Trotzdem möchte Baum Wahlkampfveranstaltungen von Türken in Deutschland nicht verbieten. "Ich möchte diese Menschen hier auch nicht sehen, aber meine Vernunft ist stärker", sagte der Liberale.

"Ist Herr Erdogan überhaupt noch ganz bei Sinnen?"

Ebenfalls bei "Anne Will" bezeichnete CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen Erdogans Pläne für ein Präsidialsystem in der Türkei als "legalisierten Staatsputsch". Er wandte sich an die türkischen Bürger und drohte ihnen vor der Abstimmung am 16. April mit einem Ende der EU-Beitrittsgespräche.

"Wir müssen deutlich machen: Ihr entscheidet hier nicht nur über das Referendum, sondern auch über die europäische Perspektive der Türkei“, sagt der CDU-Politiker.

Die CDU-Vizevorsitzende Julia Klöckner reagierte bereits am Sonntag entsetzt auf die Ausfälle: "Ist Herr Erdogan überhaupt noch ganz bei Sinnen?", fragte sie. Klöckner sprach sich dafür aus, türkische Wahlkampfauftritte in Deutschland zu verbieten und die EU-Hilfen für die Türkei in Milliardenhöhe zu streichen.

Auch der neue SPD-Chef und Kanzlerkandidat Martin Schulz kritisierte Erdogan am Sonntag für dessen Worte. "Das ist eine Unverfrorenheit. Dass das Staatsoberhaupt eines befreundeten Landes die Regierungschefin dieses Landes in dieser Form beleidigt, ist eine Frechheit", sagte er am Sonntag in der ARD-Sendung "Farbe bekennen".

Mit Material der dpa

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(ben)

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