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Tausende gehen für Europa auf die Straße - diese junge Bewegung steckt dahinter

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PULSE OF EUROPE
Die junge pro-europäische Bewegung "Pulse of Europe" bringt tausende Menschen auf die Straße | Thomas Lohnes via Getty Images
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  • Die junge, pro-europäische Bewegung "Pulse of Europe" bringt tausende Menschen auf die Straße
  • Ausgehend von Frankfurt hat die Bewegung dutzende Städte in acht europäischen Ländern erreicht
  • Ihr Zulauf ist ungebrochen - denn in Europa stehen wichtige Entscheidungen an

Die EU feiert in der kommenden Woche ihren 60. Geburtstag - und ausgerechnet in einem Alter, in dem Menschen in Frührente gehen, ruft der Staatenbund bei der jungen Generation Begeisterung hervor wie lange nicht.

Das jedenfalls könnte man glauben, wenn man auf die junge pro-europäische Bewegung "Pulse of Europe" (PoE) schaut. Sie versammeln seit Wochen auf ihren Demonstrationen Zehntausende Menschen. Auch an diesem Sonntag wollen sie wieder demonstrieren gehen und ein Zeichen für Europa setzen.

Die Politik ist voll des Lobes für die Initiative. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann spricht von einer "richtigen Graswurzel-Bewegung".

Das steckt hinter der Bewegung.

"Bleibt bei uns!", riefen sie den Niederländern zu

"Pulse of Europe" ist eine Bürgerinitiative von Daniel und Sabine Röder aus Frankfurt am Main. Insgesamt rund 60 Städte in acht Ländern haben sich der Bewegung bereits angeschlossen. Darunter auch der EU-Hauptsitz Brüssel. "Am Sonntag können es schon 70 Städte sein, wir bekommen im Moment Neuzugänge im Minutenrhythmus", sagt PoE-Sprecherin Stephanie Hartung.

Der Ausgang der Parlamentswahlen in den Niederlanden beflügelt die europafreundliche Bewegung noch einmal - insbesondere mit Blick auf die Präsidentenwahl in Frankreich im April.

"Die Wahlbeteiligung in den Niederlanden war hervorragend. Das ist ein Sieg für die Demokratie", sagte PoE-Initiator Röder der Deutschen Presse-Agentur.

Mehr zum Thema: BLOG: Die Politik hat keinen Plan B für Europa - deswegen müssen wir, die EU-Bürger, Initiative ergreifen

"Dass Geert Wilders' PVV nicht die stärkste Partei geworden ist, ist wunderbar", sagt er. Das Wahlergebnis müsse allerdings differenziert analysiert werden. "Der Rechtspopulismus in Europa ist dadurch nicht weg, auch nicht die Probleme der EU und die einzelner Länder."

Die Wahl in den Niederlanden war das zentrale Thema der Kundgebungen in mehr als 50 Städten am vergangenen Sonntag. "Bleibt bei uns!", lautete der emotionaler Appell Tausender Pro-Europäer. Rechtspopulist Wilders hatte sich im Wahlkampf für den "Nexit" - den EU-Austritt der Niederlande - ausgesprochen.

Jetzt geht es weiter mit Frankreich

Allmählich rücke nun ein anderes Land in den Fokus der Kundgebungen, sagt Röder: die Präsidentenwahl in Frankreich in zwei Durchgängen im April und Mai. Paris, Straßburg, Lyon, Montpellier und Toulouse machten bei "Pulse of Europe" mit.

Es werde aber auch um die vorgezogene Parlamentswahl in Bulgarien am 26. März gehen. Röders Appell: "Geht alle wählen und wählt pro-europäische, demokratische Parteien!"

Der Anwalt, Mediator und Konfliktcoach Röder sieht aber noch eine Reihe anderer Themen für Pulse of Europe: Was tut sich in Großbritannien? Was passiert in Schottland? Wie wird es an der Grenze zwischen Irland und Nordirland weiter gehen?

"Wir akzeptieren das Votum der Wähler, wollen den Brexit aber nicht und denken schon über den Wiedereinstieg nach. Großbritannien gehört einfach dazu", sagt Röder. Das Verhältnis Europas zur Türkei treibe die Pro-Europäer ebenfalls um.

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Wer geht da auf die Straße?

Wer kommt zu den Kundgebungen, Menschenketten und Demos? Unter den Teilnehmern seien alle Altersgruppen. Viele ältere Menschen, die den Krieg noch erlebt hätten. Viele junge Familien und auch Schüler, sagt Röder, der an diesem Samstag 45 Jahre alt wird.

Soziologe Simon Teune von der Technischen Universität Berlin beschreibt die Zielgruppe der Bewegung so: "Die Proteste sprechen vor allem jene Menschen an, die vom Status-Quo-Europa profitieren: international Orientierte, besser Gebildete und besser Verdienende."

Teune sieht die Bewegung kritischer. Die strukturellen Probleme Europas seien kein Thema, sondern würden "mit einer Europa-Euphorie überblendet", gibt der Wissenschaftler zu bedenken. Als Beispiele für Probleme nennt er "die fehlende sozialpolitische Orientierung, die Hilflosigkeit gegenüber den autoritären Entwicklungen in einzelnen Mitgliedsstaaten und die Abschottung nach außen".

"Die Welle der Begeisterung trägt uns"

Röder erklärt die große Resonanz, die Pulse of Europe innerhalb so kurzer Zeit gefunden hat: "Es hat eines Anstoßes bedurft, dass die Leute aufstehen und Flagge zeigen." Den Stein dafür hatte er gemeinsam mit seiner Frau am Tag nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten ins Rollen gebracht - der Brexit-Schock saß noch tief.

Ein Ende des Zulaufs ist derzeit noch nicht in Sicht: Städte in Italien, Spanien und Luxemburg hätten Interesse bekundet, sich anzuschließen, sagt Röder. Der Ansturm sei nicht mehr ohne professionelle Hilfe zu bewältigen.

"Wir bekommen allein 500 E-Mails am Tag", sagt er. Daher habe "Pulse of Europe" in Frankfurt eine Geschäftsstelle eingerichtet und einige Leute für die Koordination eingestellt - finanziert aus Spenden. "Wir arbeiten wie die Berserker, aber die Welle der Begeisterung trägt uns und motiviert."

Wissenschaftler Teune sagt auch: "'Pulse of Europe' bleibt eine wichtige Gelegenheit, um den Entwicklungen, die auf dem Kontinent Überhand nehmen, nicht tatenlos gegenüber zu stehen." Solche Anlässe seien notwendig, "um die enormen Gewinne an Freiheit und Stabilität des europäischen Projektes ins Gedächtnis zu rufen".

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(ben)