POLITIK
19/03/2017 18:34 CET | Aktualisiert 20/03/2017 16:15 CET

Türkischer Minister deutet an, der BND könnte hinter dem Putschversuch stecken

Tumay Berkin / Reuters
Türkischer Minister deutet an, der BND könnte hinter dem Putschversuch stecken

  • Der türkische Verteidigungsminister unterstellt dem BND, hinter dem Putschversuch in der Türkei zu stecken

  • Der Vorwurf ist eine Reaktion auf ein Interview des Chefs des Nachrichtendienstes

  • Der hatte klargestellt, dass er nicht die Gülen-Bewegung als Urheber des Umsturzversuches sieht

Der türkische Verteidigungsminister Fikri Isik hat in scharfer Form Zweifel des Bundesnachrichtendienstes (BND) an der offiziellen türkischen Darstellung des Putschversuchs zurückgewiesen.

Wenn der Chef des deutschen Geheimdienstes Zweifel daran äußere, dass die Gülen-Bewegung hinter dem Putschversuch stecke, werfe dies die Frage auf, "ob nicht der deutsche Geheimdienst hinter diesem Putsch steckt", sagte Isik dem Sender Kanal 7 am Sonntag. Dies berichtet die staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

"Willkommener Vorwand"

BND-Chef Bruno Kahl hatte im "Spiegel" gesagt, die türkische Regierung habe versucht, seine Behörde von der Schuld der Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen zu überzeugen. Das sei aber nicht gelungen.

Kahl wies auch Spekulationen zurück, die türkische Regierung habe den Putsch selbst initiiert. Nach seiner Meinung hatte die Regierung Erdogan längst mit ihrer umstrittenen Säuberungswelle begonnen. Teile des Militärs hätten gedacht, sie sollten schnell putschen, bevor es auch sie treffe. Letztlich habe die Regierung aber vom Putsch profitiert, weil sie ihre Gegner so noch besser attackieren konnte.

Der Putsch sei nicht Auslöser, sondern "willkommener Vorwand" für Massentlassungen gewesen, die ohnehin geplant gewesen seien.

Türkei wirft Deutschland Unterstützung angeblicher Putschisten vor

Erdogan-Sprecher Ibrahim Kalin wertete dies als weiteren Hinweis darauf, dass Deutschland die Bewegung um den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen "unterstütze".

Kalin bezichtigte Deutschland auch der Unterstützung von Terroristen, weil am Samstag Zehntausende Kurden in Frankfurt gegen die türkische Regierung demonstrieren durften. Bei der Kundgebung, die sich vor allem gegen das Verfassungsreferendum richtete, waren auch verbotene Porträts des Anführers der Arbeiterpartei Kurdistans PKK, Abdullah Öcalan, mitgeführt worden.

Es zeuge von Doppelmoral, wenn auf der Kundgebung Symbole der verbotenen PKK gezeigt werden könnten, während zugleich türkische Minister daran gehindert würden, in Deutschland Wahlkampf zu betreiben.

Die Polizei hatte Demonstranten vergeblich aufgefordert, Flaggen mit verbotenen Symbolen einzurollen. Die Beamten beschlagnahmten die Flaggen nicht, sonder sicherten nur Foto-Beweise.

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(bp)

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