Huffpost Germany

"Kommt hierher": Schottische Regierungschefin will Millionen Engländer in Schottland aufnehmen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
NICOLA STURGEON
Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon | Bloomberg via Getty Images
Drucken
  • In Schottland ist ein Streit über die Unabhängigkeitsbestrebungen des Landes entbrannt
  • Die schottische Regierungschefin hat Brexit-Gegner eingeladen, nach Schottland zu ziehen
  • Kritiker fürchten einen Schaden für die Wirtschaft, sollte Schottland unabhängig werden

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon hat britische Brexit-Gegner zu einem Umzug nach Schottland aufgerufen.

"Kommt hierher, um zu leben, zu arbeiten, zu investieren oder zu studieren", sagte sie unter großem Beifall auf dem Frühlingsparteitag der Schottischen Nationalpartei SNP am Samstag in Aberdeen. An ihren Plänen für ein Unabhängigkeitsreferendum hält sie fest.

Mehrheit der Schotten für einen Verbleib in der EU

Beim Austritt Großbritanniens aus der EU will Schottland im Europäischen Binnenmarkt bleiben. Das lehnt die britische Premierministerin Theresa May strikt ab. Sturgeon strebt daher das Referendum an und will das Parlament in Edinburgh nächste Woche dafür um ein Mandat bitten. Das Unabhängigkeitsreferendum soll zwischen Herbst 2018 und Frühjahr 2019 stattfinden - also vor dem Brexit.

Etwas mehr als 13 Millionen Engländer hatten für den Verbleib von Großbritannien in der EU gestimmt. Damit waren sie allerdings in ihrem Land in der Minderheit. Die Schotten stimmten dagegen mehrheitlich für den Verbleib in der EU.

Risiko für den Arbeitsmarkt?

Der britische Ex-Premierminister Gordon Brown heizte unterdessen mit einem als Kompromiss gemeinten Vorschlag den Streit an. Seine Idee: Schottland sollte weiter dem Königreich angehören und trotzt Brexits eigene Verträge mit anderen Ländern der Europäischen Union abschließen dürfen. Schottland müsse die Kontrolle etwa über Landwirtschaft und Fischerei bekommen, sagte der Labour-Politiker.

Die Trennung vom Vereinigten Königreich wäre ein zu großes Risiko für den Arbeitsmarkt und Handel. "65 Prozent unseres Handels ist mit dem Rest von Großbritannien - und nur 15 Prozent mit der Europäischen Union", sagte Brown am Samstag bei einer Veranstaltung in Kirkcaldy bei Edinburgh. Der Schotte war von 2007 bis 2010 Premierminister.

"Nicht mal in der Lage eine Pizza zu liefern

Der Vize-Chef der Schottischen Nationalpartei, Angus Robertson, wies diesen Vorschlag umgehend zurück. Er nehme die Äußerungen nicht ernst. "Die Labour-Partei ist derzeit noch nicht einmal in der Lage, eine Pizza zu liefern", sagte er dem Nachrichtensender BBC.

Schottland votierte bei dem Brexit-Referendum im Juni 2016 für den Verbleib in der EU, war aber von England und Wales überstimmt worden.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(ll)