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19/03/2017 21:28 CET

IW-Forscher behaupten: AfD-Anhänger stammen aus der Mitte der Gesellschaft

Fabrizio Bensch / Reuters
Studie behauptet: AfD-Anhänger stammen aus der Mitte der Gesellschaft - aber so ganz stimmt das nicht

  • Eine Studie soll belegen, dass die AfD der Mitte der Gesellschaft angehört

  • Die Ergebnisse lassen diesen Schluss allerdings nicht eindeutig zu

Die Alternative für Deutschland (AfD) soll ein Sammelbecken der Abgehängten sein. So lautet zumindest ihr Ruf. Wieder einmal zeigt nun das Ergebnis einer Studie aber: AfD-Anhänger sind nicht nur Geringverdiener. Von einer "Prekariatspartei" kann keine Rede sein.

Laut einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" vorliegt, ist die AfD in der Mitte der Gesellschaft zuhause.

Drei Forscher haben dazu Daten über die Anhängerschaft der Partei ausgewertet. Für ihr Ergebnis bezogen sie sich vor allem auf zwei Größen: das durchschnittliche Einkommen und den Bildungsstand.

Der durchschnittliche AfD-Anhänger

2200 Euro Netto verdiene demnach der durchschnittliche AfD-Anhänger, der Durchschnitt für Deutschland liege hier bei 2000 Euro. Man könnte also auch sagen: AfD-Anhänger sind eher Besserverdiener. Die Autoren der Studie ziehen diesen Schluss allerdings nicht.

Beim Bildungsniveau der AfD-Anhänger behaupten die Forscher: Auch hier gehöre die AfD der Mitte der Gesellschaft an. Denn 55 Prozent ihrer Anhänger hätten ein mittleres Bildungsniveau, also einen Realschul-Abschluss. 25 Prozent hätten ein hohes Bildungsniveau (Abitur oder Hochschulabschluss), 20 Prozent ein niedriges (Hauptschulabschluss).

Diese Schlussfolgerung ist allerdings problematisch. Denn nur weil Menschen einen mittleren Bildungsabschluss haben, heißt das nicht, dass sie auch die Mitte der Gesellschaft darstellen.

Vergleicht man die Zahlen der Studie mit dem durchschnittlichen Bildungsstand der Deutschen im Jahr 2015, zeigt sich: Die meisten Menschen in Deutschland haben entweder einen Haupt- oder Volksschulabschluss (32,9 Prozent) oder eine Fachhochschul- oder Hochschulreife (29,5 Prozent). Erst danach folgen diejenigen mit einem Realschulabschluss (22,7 Prozent).

Wenn die Studie in dieser Hinsicht also eines darlegt, dann das: Zur Anhängerschaft der AfD gehören überproportional viele Menschen mit einem Realschulabschluss.

AfD-Anhänger fühlten sich ausgeliefert

Die Forscher haben noch einen Punkt untersucht, in dem sich die AfD-Anhänger gegenüber dem Rest der Bevölkerung unterscheiden würden. Bei überdurchschnittlich vielen Menschen der AfD löse das Thema Zuwanderung Sorgen aus, nämlich bei 82 Prozent.

In der Gesamtheit der Befragten seien das nur 32 Prozent. Ein nachvollziehbares Ergebnis, immerhin gehört die Beschränkung der Zuwanderung zu einem Hauptthema der rechtspopulistischen Partei.

Zusammenfassend beschreiben die Forscher die AfD daher als eine "Partei der sich ausgeliefert fühlenden Durchschnittsverdiener".

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(sk)

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