EU-Kommissionspräsident Juncker warnt vor Handelskrieg zwischen Europa und den USA

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EU-Kommissionspräsident Juncker warnt vor Handelskrieg zwischen den USA und Europa | FREDERICK FLORIN via Getty Images
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  • EU-Kommissionspräsident Juncker warnt vor einem Handelskrieg zwischen Europa und den USA
  • Er deutet in einem Interview an, wie sich die EU auf einen Handelskrieg vorbereiten könne

Auch eine Partnerschaft ist für den US-Präsidenten Donald Trump ein Geschäft. "Ich geb' dir was, du gibst mir was." So versteht er das. Neuestes Beispiel sind Trumps Nachrichten auf Twitter am Samstag, wonach Deutschland den USA "eine riesige Summe" Geld schulde.

Deutschland und seine europäischen Partner haben sich längst auf eine veränderte Beziehung zu den USA eingestellt. Der US-Präsident hatte bereits vor seiner Amtseinführung klar gemacht, was sein Slogan "America First" bedeute: Mehr Verantwortung für die Bündnispartner und eine wirtschaftliche Abschottung der USA.

EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Jean-Clau­de Juncker be­klagt nun in einem Interview mit der "Bild am Sonntag" eine Ent­frem­dung Eu­ro­pas von den USA - und warnt vor einem Handelskrieg.

"Wir müs­sen die pro­tek­tio­nis­ti­schen Töne der Re­gie­rung Trump aber ernst neh­men", sagt er, "und vorbereitet sein."

Wären die Amerikaner einem Handelskrieg gewachsen?

Juncker deutet an, wie Europa sich vorbereiten könne. Am Dienstag habe sich der japanische Premierminister Shinzo Abe angekündigt. "Wir wol­len noch in die­sem Jahr ein Frei­han­dels­ab­kom­men zwi­schen der EU und Japan ab­schlie­ßen", sagt Juncker.

Wenn die USA also kein Interesse mehr am Freihandel haben, schaut sich die EU eben nach anderen Handelspartnern um, lautet Junckers Botschaft an Washington.

Trump hatte schon im Vorfeld seiner Präsidentschaft gedroht, ausländische Unternehmen mit Strafzöllen zu belegen.

Sollte er das wahrmachen, könnte die EU mit Zöllen gegen die USA zurückschlagen. Ein Handelskrieg wäre vom Zaun gebrochen.

Und Juncker lässt durchblicken, dass die Amerikaner diesen seiner Meinung nach verlieren würden. Die zu erwartenden Verluste der USA in einem Handelskrieg seien zu hoch. "Ein Han­dels­krieg wäre weder im In­ter­es­se Eu­ro­pas noch der USA", lautet sein Fazit.

Wie sich die Handelsbeziehungen in die USA in Zukunft gestalten, ist aber immer noch unklar - vor allem wegen der wilden Wirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten.

Mehr zum Thema: Angela Merkel will in den USA die Zukunft der deutschen Wirtschaft sichern - an diesem Professor könnte sie scheitern

Minimalkonsens beim G20-Gipfel

Diese verhinderten so etwa bei dem Zusammentreffen der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) in Baden-Baden am Freitag und Samstag, dass die globalen Wirtschaftsmächte zu einer gemeinsamen Linie in der Handelspolitik finden. Der US-Finanzminister Steven Mnuchin wollte oder konnte kein Bekenntnis zum Freihandel leisten.

Er sagte zwar auch, Handelskriege seien nicht das Ziel der Regierung in Washington. Dass die G20-Staaten sich aber lediglich auf einen Minimal-Konsens einigen konnten, zeigt, wie tief die Gräben zwischen den USA und dem Rest der Welt in der Handelspolitik schon de facto sind.

In Europa haben Politiker jedenfalls längst an Gegenmaßnahmen gedacht, falls die USA zu protektionistischen Maßnahmen greifen sollten. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) zieht beispielsweise eine Klage vor der Welthandelsorganisation (WTO) in Erwägung, sollten die USA deutsche Autos mit hohen Strafzöllen belegen.

Juncker maßregelt auch Großbritannien

Und nicht nur Trump und die USA müssen mit einer harten Linie Europas rechnen. Juncker kündigte in der "BamS" auch an, was die Briten im Falle des Brexit erwartet: "Halbe Mit­glied­schaf­ten und Ro­si­nen­pi­cke­rei gibt es nicht. In Eu­ro­pa isst man, was auf dem Tisch steht, oder man setzt sich nicht an den Tisch."

Die Briten würden sich darauf einstellen müssen, wie ein Drittland behandelt zu werden. "Am Bei­spiel Groß­bri­tan­ni­en wer­den alle sehen, dass es sich nicht lohnt, aus­zu­tre­ten", sagte Juncker.

Starke Worte vom EU-Kommissionspräsidenten - die USA und Großbritannien sind gewarnt.

Mit Material der dpa.

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(jg)