Donald Trump witzelt bei Merkel-Besuch: "Abgehört werden - wenigstens etwas haben wir gemeinsam"

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Donald Trump witzelt bei Merkel-Besuch: "Abgehört werden - wenigsten etwas haben wir gemeinsam" | dpa
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  • Das Treffen zwischen Angela Merkel und Donald Trump verläuft ohne große Zwischenfälle
  • Bis Donald Trump auf Barack Obama angesprochen wird
  • Er versucht einen Witz, für den er von Merkel nur einen schiefen Blick erntet

Die Pressekonferenz mit US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzlerin Angela Merkel ist fast rum, als sie doch noch einmal richtig interessant wird. In ihren Statements sicherten sich die beiden Staatschefs die gegenseitige Zusammenarbeit zu, versprachen sich faire Beziehungen zwischen ihren Ländern - es ging ruhig und gesittet zu.

Bis eine Reporterin Donald Trump auf seine Lügen über Barack Obama ansprach. Da brach es aus dem so unsteten US-Präsidenten doch noch heraus.

Trump streitet wieder alles ab

Ob er seine Tweets, etwa die darüber, dass Barack Obama den Trump Tower abgehört habe, bereue, fragte die deutsche Journalistin. Und Trump legte los.

"Ganz, ganz selten bereue ich Tweets. Mit Twitter kann ich an den Medien vorbei", sagte er. Und lehnte sich leicht zu Merkel herüber: "Abgehört werden - wenigsten etwas haben wir gemeinsam". Offenbar ein Witz, in Anspielung auf den NSA-Skandal. Merkel hatte damals gesagt: "Abhören unter Freunden, das geht gar nicht."

Ähnlich dachte sie wohl über Trumps versuchten Witz - der US-Präsident erntete von ihr nur einen schiefen Blick.

Trump war aber noch gar nicht fertig: "Wir haben nichts gesagt, wir haben einfach nur zitiert. Einen talentierten Juristen, der das im Fernsehen gesagt hat. Ich habe gar keine Meinung dazu gesagt. Nur auf den Juristen verwiesen, der das auf Fox gesagt hat."

Ein Blick auf die angesprochenen Tweets zeigt: Wieder einmal biegt sich Donald Trump die Wahrheit auf peinliche Art und Weise zurecht. So schrieb er zum Beispiel: "Wie lange schon hat Präsident Obama meine Telefone im so heiligen Wahlkampf abgehört? Das ist Nixon/Watergate. Mieser (oder kranker) Typ!"

Merkel zu Trump: "Wir kämpfen gemeinsam gegen den islamistischen Terror"

Bundeskanzlerin Merkel hat dem US-Präsident bei ihrem Treffen zugesagt, die deutschen Verteidigungsausgaben weiter zu erhöhen. Sie versprach ihm auch: "Wir kämpfen gemeinsam gegen den islamistischen Terror."

Deutschland habe sich auf das Nato-Ziel verpflichtet, bis 2024 zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für das Militär auszugeben, sagte Merkel. "Wir werden auch weiter in diese Richtung arbeiten."

Die Nato hat sich das Zwei-Prozent-Ziel bei einem Gipfeltreffen 2014 gesetzt. Derzeit erreichen nur fünf von 28 Mitgliedern dieses Ziel. Deutschland liegt bei 1,2 Prozent, die USA bei 3,6 Prozent. Die Amerikaner haben die Bündnispartner aufgefordert, bis Ende des Jahres einen Plan zu entwickeln, wie das Zwei-Prozent-Ziel erreicht werden kann.

Die Bundeskanzlerin sagte auch eine Fortsetzung des Engagements der Bundeswehr in Afghanistan zu. "Wir werden hier Hand in Hand zusammenarbeiten", sagte Merkel an Trump gerichtet.

Mehr zum Thema: Merkel fragt vorsichtig nach einem zweiten Handschlag - doch Trump ignoriert die Kanzlerin

Merkel fordert fairen Handel zwischen Deutschland und USA

Die Kanzlerin hob auch die Notwendigkeit eines fairen Handels zwischen Deutschland und den USA hervor. Beide Seiten müssten dabei gewinnen können, sagte Merkel. Man sehe jetzt schon, welches Potenzial in beiden Volkswirtschaften stecke. Trump sagte, er erwarte "großartige Handelsbeziehungen mit Deutschland".

Merkel betonte, Globalisierung müsse offen gestaltet werden. Freizügigkeit sei wichtig, gerade auch für die deutsche Wirtschaft. Bei dem Besuch stand die Drohung Trumps im Raum, Amerika mit Strafzöllen gegen deutsche und andere ausländische Produkte abzuschotten.

Trump beteuert: "Ich bin kein Isolationist"

US-Präsident Donald Trump sieht sich jedoch nicht als Isolationist. "Wir sind ein sehr starkes Land, vielleicht bald auf einem Level, das es noch nie gegeben hat", sagte Trump.

Dennoch sei er als US-Präsident ein Handelsmann und in keinerlei Hinsicht ein Isolationist, also ein Befürworter einer Abschottungspolitik. Entsprechende Annahmen oder Berichte bezeichnete Trump als "Fake News". "Wir wollen Fairness, keine Siege", sagte Trump.

Deutschland habe bisher die besseren Verhandler als die USA gehabt, das müsse man anerkennen.

Mit Material der dpa.

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