Als Alice Schwarzer sich weigert, einen Fehler zuzugeben, verliert Markus Lanz die Geduld

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Heftiger Streit: Als Alice Schwarzer sich weigert, einen Fehler zuzugeben, verliert Markus Lanz die Geduld | ZDF
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ZDF-Talkmaster Markus Lanz ist nicht gerade für sein hitziges Gemüt bekannt. Lanz gilt als souveräner Gastgeber, fällt selten aus der Rolle.

In seiner Show am Donnerstagabend kam es zu einem solchen seltenen Moment. Lanz geriet heftig mit der feministischen Publizistin Alice Schwarzer aneinander.

Der ZDF-Moderator wollte von Schwarzer wissen, ob sie ihr Verhalten im Jörg-Kachelmann-Prozess vor sechs Jahren heute als Fehler betrachtet. Damals hatte die "Emma“-Herausgeberin für die "Bild“-Zeitung über den Prozess berichtet – und Kachelmann klar als Täter gebrandmarkt.

Doch der Wettermoderator wurde freigesprochen. Einen Fehler wollte Schwarzer dennoch nicht zugeben, was Lanz deutlich gegen den Strich ging.

"Es war ein politischer Prozess"

Denn Alice Schwarzer versuchte sich herauszureden: "Es hat sich in meiner ganzen Berichterstattung nie die Frage gestellt, ist Jörg Kachelmann in juristischem Sinne in der Sache schuldig oder nicht.“

Der Freispruch aus Mangel an Beweisen bedeute aber auch nicht, dass die Zeugin gelogen habe, behauptete Schwarzer. Lanz wollte das so nicht stehen lassen.

Er warf ein: "Sie ist wegen Falschaussage später verurteilt worden.“ Doch Schwarzer pochte drauf, man wisse schlicht und ergreifend nicht, was passiert sei.

Ohnehin gehe es um etwas anderes. Schwarzer erklärte: "Das nenne ich einen politischen Prozess, einen geschlechterpolitischen Prozess – exemplarisch wurde von den Medien die Frage der sexuellen Gewalt in der Beziehung abgehandelt.“

Die Feministin führte aus, es sei um die Frage gegangen: "Wo fängt Gewalt an?“

Lanz verliert die Geduld

Spätestens jetzt verlor Lanz die Geduld. Er machte seinen Standpunkt unmissverständlich klar: "Ich finde, bei diesem Prozess ging es ausschließlich um die Frage: Hat ein Mann eine Frau vergewaltigt ja oder nein? Und dieser Mann ist freigesprochen worden. Punkt.“

Es sei auch nicht um einen "politischen Prozess“ gegangen, erklärte der Gastgeber. Schwarzer war anderer Meinung: "Doch, das ist eine Frage von Definition.“

An dieser Stelle hätte Lanz die Diskussion abbrechen können. Denn Schwarzer erweckte nicht den Eindruck, ernsthaft über das Thema Kachelmann diskutieren zu wollen. Stattdessen strebte sie eine große Diskussion über Feminismus und Gewalt gegen Frauen als solche an.

Schwarzer blockt ab

Als die Feministin anfing, über den Fall "Mutter Weimar“ in den 80er-Jahren zu sinnieren, würgte Lanz dann auch ungeduldig ab: "Ich unterbreche Sie ungern, aber das hat nichts mit dem Fall Kachelmann zu tun.“

Lanz warf Schwarzer eine "monatelange Hetzjagd vor“ – gegen jemanden, „der dann am Ende auch freigesprochen wird“.

Nun wurde es auch Schwarzer zu viel. "Aber Herr Lanz, was reden Sie da?“, fragte sie erbost.

Erst dann gelang es dem Moderator, die Wogen zu glätten. Nach minutenlangem Hick-Hack sagte Schwarzer, er freue sich über die „herrliche und leidenschaftliche“ Debatte.

Lanz war wieder in seinem Element: "Vielen Dank, Frau Schwarzer. Und sie wissen: Ich liebe Sie trotzdem heiß und innig."

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(ame)

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