Deutsche Journalistin fragt, ob Trump Angst vor der Presse hat - und wird von ihren US-Kollegen gefeiert

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  • Die Pressekonferenz von Trump und Merkel verlief langweilig
  • Bis eine deutsche Journalistin Trump offen mit seinen Lügen konfrontierte
  • Jetzt wird die dpa-Reporterin von ihren Kollegen gefeiert

Es lief eigentlich alles gut für US-Präsident Donald Trump während seines Empfangs von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Zur Begrüßung reichte er ihr die Hand, ganz normal und ohne großes Gezerre.

Auch die Pressekonferenz der beiden Staatschefs verlief ruhig. Sie versicherten sich der gegenseitigen Unterstützung, in Wirtschaftsfragen, na klar, und ich Sicherheitsfragen sowieso. Die US-Reporter taten Trump dann auch den Gefallen, ihn nur nach innenpolitischen Themen zu fragen, wie seiner Gesundheitsreform.

Da konnte der US-Präsident ungehemmt prahlen: Die USA seien ein "starkes Land", die Republikaner eine "geeinte Partei" und seine Politik "großartig für die USA und die Welt".

Nur eine deutsche Journalistin wollte bei dem lahmen Prozedere nicht mitmachen - und stellte die erste und einzige wirklich unangenehme Frage des Abends (zu sehen im Video).

"Warum macht Ihnen Pressevielfalt so viel Angst?"

Es ist Kristina Dunz von der Agentur dpa, die Trump diese Frage stellt: "Warum macht Ihnen Pressevielfalt eigentlich so viel Angst, dass Sie ständig von Fake News sprechen, und dann selbst Dinge behaupten, die nicht belegt werden können?"

Es ging um Trumps Abhör-Vorwürfe gegen seinen Vorgänger Barack Obama, und natürlich reagierte der US-Präsident auf Dunz' Frage, indem er alle Lügen abstritt.

Die US-Presse reagierte beeindruckt von der Frage - und feierte Dunz dafür, dass sie Trump für seine Lügen bloßstellte.

"Endlich"

So schrieb Michael Tackett, der Washington-Korrespondent der "New York Times" fast erleichtert: "Ein Mitglied der deutschen Journalistengruppe stellt endlich die Frage nach der Abhöraktion."

Und David Drucker, der Politik-Korrespondent des Senders CNN, schrieb auf Twitter: "Gute Arbeit der deutschen Presse. Ernsthaft."

Ryan Lizza, unter anderem für den "New Yorker" tätig, schrieb: "Was für ein Unterschied zwischen den Fragen des amerikanischen Reporters und der deutschen Reporterin."

Auch die deutsche Presse feiert Dunz

Auch in Deutschland freuten sich Kollegen und Kolleginnen über die starke Frage von Kristina Dunz. "Frau Dunz, Sie waren eine Wucht! Danke für das Hochhalten dessen, was unser Beruf sein soll", schrieb die Journalistin und Kolumnistin Silke Burmester.

Und Brent Goff, Chef-Reporter beim Sender Deutsche Welle News, konstatierte: Die US-Reporter seien "geschockt" gewesen, als Dunz ihre Frage stellte.

Dunz hatte von Trump darauf zwar keine wirkliche Antwort erhalten - und doch alles richtig gemacht.

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(sk)