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"Der Deich hat gehalten": Internationale Medien sehen trotz Wilders-Pleite in den Niederlanden einen Sieg der Rechten

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"Der Deich hat gehalten": Internationale Medien sehen trotz Wilders-Pleite in den Niederlanden einen Sieg der Rechten | REUTERS / huffPost
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Die Niederländer haben gewählt – und Medien weltweit streiten jetzt darüber, was das Wahlergebnis für die Zukunft Europas bedeutet.

Denn es sind mehrere Interpretationen des Ausgangs möglich.

Die "Bild“ glaubt, die Sache sei "ganz simpel“. Politik-Chef Nikolaus Blome kommentiert: "Der konservativ-smarte Regierungschef hat die Wahl gewonnen, der Islam- und Europa-Hasser hat sie verloren.“

Doch die Argumentation hat einige Schwachstellen, auf die andere Medien hinweisen. Das "Handelsblatt“ kommentiert etwa: "Holland ist politisch immer stärker gespalten: Zum einen sind die Volksparteien endgültig tot, ins Parlament ziehen immer mehr und immer kleinere Parteien ein.“

Zum anderen zeige das Ergebnis und die regional sehr hohe Zustimmung zu Wilders PVV, "wie zerrissen das Gründungsmitglied der Europäischen Union ist“.

"Das Establishment hat den Sieg von Wilders abgewehrt"

Auch die Huffington Post kommentierte: "Wer im Ergebnis der Niederlande-Wahl einen Sieg für Rutte oder gar für Europa sieht, muss sich in einem politischen Paralleluniversum befinden oder sich das Ergebnis auf der Wahlparty schöngetrunken haben.“

Denn: Die Partei VVD von Premier Rutte hat Sitze verloren, die Sozialdemokraten stürzten um neunzehn Prozentpunkte ab – und Wilders gewann im Vergleich zur Wahl im Jahr 2012 fünf Sitze dazu.

Andere Medien sehen daher in der Wahl der Holländer eher eine Art Schadensbegrenzung. Die "Washington Post“ schreibt, das niederländische Establishment habe Wilders "abgewehrt“.

Die US-Zeitung kommentierte: "Es unterbrach eine Serie von Zerrüttungen, die mit dem Brexit-Votum begann und fortgesetzt wurde mit der Wahl von Donald Trump, der der europäischen Integration skeptisch gegenübersteht. Stattdessen wird Ministerpräsident Mark Rutte im Amt bleiben und versuchen, eine Koalition zu bilden, während in den Niederlanden die berühmte Tulpensaison losgeht.“

"Der niederländische Deich hat gehalten"

Die Wahl könnte – so glaubt die "Washington Post" – ein Indikator für Frankreich und Deutschland sein, die in den kommenden Monaten wählen und ebenfalls von starken fremdenfeindlichen Stimmungen gebeutelt werden.

Im "ZDF-Morgenmagazin“ erklärte der Niederlande-Experte Friso Wielenga bildlich: "Der niederländische Deich hat doch ein bisschen gehalten.“

Dieser Eindruck herrscht auch in Italien. Die Tageszeitung "Corriere della Sera“ kommentiert: "Henk und Ingrid, das von Geert Wilders erfundene typische holländische Paar, getrieben von angeblichen Vorteilen, die islamischen Migranten zugestanden werden (...), haben Wilders offenkundig die Gefolgschaft verwehrt.“

"Die Wähler haben die Rechten belohnt"

Die "New York Times“ dagegen sieht einen klaren Sieg der Rechten: "Wähler, die in Rekordzahlen ihre Stimme abgegeben haben, haben dennoch rechte und Mitte-Rechts-Parteien belohnt, die Teile von seiner (Wilders) kompromisslosen Botschaft für sich vereinnahmt haben. Darunter auch die Partei des Ministerpräsidenten, Mark Rutte. (...)“

Die französische "Le Monde“ schaut schon jetzt auf die schwierige Koalitionsbildung in den Niederlanden.

Die Franzosen argumentieren: "Der Aufstieg der kleinen Parteien bestätigt sich, was die Zersplitterung der politischen Landschaft verstärkt. (...) Die letzte Lektion ist, dass es offensichtlich kompliziert wird, eine Koalition zu bilden. (...) Die hohe Wahlbeteiligung (...) hat die Dinge für die Anführer des Landes ganz sicher nicht einfacher gemacht.“

Mit Material der dpa.

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(ks)